Planung
Die ist nur ein grundsätzliches Kapitel über Planung, das einen zusammenfassenden
Charakter hat. Fachleute werden auf die umfangreiche Literatur zu diesem Thema
zurückgreifen müssen!
Unter Planung ist die gedankliche (und auch damit verbundene materielle) Vorbereitung
von Produkten, eines Projektes oder Prozesses zu verstehen. Der Einfachheit halber werde
ich primär von (einmalig vorkommenden) Projekten (die ein Produkt erzeugen) reden, aber
grundsätzlich sind damit auch (immer sich wiederholende) Prozesse gemeint.
Management eines Projektes
"Segeln" |
Management eines Prozesses
"Bahnfahren" |
Einmalig, einzigartig
Spezifisches Endergebnis
Anfang und Ende sind vorgegeben
Viele, verschiedene Fachleute
Kunde = Endabnehmer ist definiert |
Wiederholt sich oft (>20)
Verfahren, Ablauf, Mission, Fluß
Ist beschreibbar und meßbar
Wer ist der Besitzer (Owner)?
Sind alle Kunden bekannt? |
Gewünschte Projekte:
im Zeitrahmen
Nach Plan, im Budget
In definierter Qualität
Kunden sind zufrieden
Ohne Überraschungen
"wie ein Baby" |
Gewünschte
Prozesse:
Groß, stabil, menschenfreundlich
Einfach, verständlich, universell
Veränderungsfähig, ohne Verluste
Wenige, optimiert, minimiert, lean
Rund, ohne Brüche, ohne Abfall
"wie geschmiert" |
Menschen, die mit Planungsarbeiten beauftragt werden, sollten sehr viel
Erfahrung haben. Man erwartet doch von ihnen, dass sie genau voraussagen können, was
alles passieren wird und wie man sich darauf vorbereiten soll.
In der Bauindustrie ist die Planung so fein gemacht, dass man - auch bei Großprojekten
- bis zu Stunden genau die Arbeiten festlegen wird. So weiß man immer, ob man im Plan ist
oder eine Verzögerung hat!
In der Praxis, und vor allem bei Projekten, die man vorher noch nie, auch nicht in
ähnlicher Form gemacht hat, wird man dieses Wissen nicht voraussetzen können. Am ehesten
werden dann Teams von Experten dieses Wissen erbringen können. Und so sind Planungsteams
auch sehr häufig anzufinden.
Bedingt durch die Größe von Projekten, wird man sie in Abschnitte, sogenannte Phasen
einteilen. Jede Phase hat ein genau definiertes Abschlußprodukt. Dies ist wichtig, denn
nur so kann man wissen, dass man eine Phase auch erfolgreich abgeschlossen hat. Diese
Abschlußpunkte nennt man auch Meilensteine. Ihr Erreichen ist immer ein Grund zum Feiern.
In der Lebensplanung ist das Abitur (in Österreich die Matura) ein definierter
Abschnitt. Entweder man hat es, oder nicht. Es ist nicht möglich, das Abitur nur zu 90%
zu haben. Allerdings wird man später, auch wenn man den Schein nicht hat, das Abitur doch
oft mit vergleichbarer Berufserfahrung ersetzen können.
Zu den bewährten Planungvorgangsweisen gehört es, zuerst mit den grundsätzlichen
Fragen zu beginnen. Und vom Abstrakten zum Konkreten, vom Groben zum Detail zu gehen. Man
nennt diesen Vorgang Top-Down und er ist erfolgreich, wenn genügend Detailkenntnisse
schon vorhanden sind.
Fehlen diese, wird man für Detailabschnitte gerade umgekehrt vorgehen müssen. Dies
nennt man buttom-up. In der Praxis treten dann auch beliebige Mischformen auf.
Es ist absolut notwendig, die Planung schriftlich, in Form von Dokumenten oder
Verträgen, zu machen. Nur so sind sie kommunizierbar. Und nur so weiß man später, was
man sich früher einmal gedacht hat. (Dies ist vor allem notwendig, wenn man die
Schuldigen ausmachen muß oder Verträge einklagen muß!) Gerade Anfänger machen zuwenig
schriftlich. Es gibt viele Gründe dafür, einer ist sicher die Unsicherheit damit und der
naive Glaube, es wird schon alles von selbst richtig laufen.
Das Niederschreiben hilft auch bei der Umwandlung von Tacit Knowledge (Wissen im Kopf)
zu Explicit Knowledge (aufgezeichnetes, codiertes Wissen). So kann individuelles
Wissen zu Gruppenwissen werden, ein ganz entscheidender Wettbewerbsvorteil für eine
Organisation!
Folgende Fragen sollten zumindest im generellen adressiert sein. Beim Top-Down Ansatz
auch in dieser Reihenfolge. Bei großen Projekten wird die Beantwortung, Abstimmung oder
Durchführung einer Frage eine ganze Phase (d.h. mehrere Wochen oder Monate) beanspruchen!
WARUM (Objectives, wieviel, wann, weshalb, wozu, für wen,...)?
WAS (Requirements, Spezifikationen, wieviel, wann, mit wem,...)?
WER (wer verantwortlich für Leitung, Ownership)?
WIE - Ungefähr (Grobdesign, Schnittstellen, wie, wann, mit wem, womit,...)?
WIE - Genau (Implementation, Wochenpläne, Tagespläne,...)?
Wirklich erreicht (Test, Zusammenbau, was sind die Strafen bei Nichterreichen,...)?
Wie Besser (Innovation, Fehler verhindern)?
Zu den grundsätzliche Fragen gehört erstens, WARUM man etwas macht. Man nennt dies
die Ziele (oder Objectives) zu definieren. WARUM-Antworten sind immer die schwierigsten,
denn sie haben immer noch zwei Ausrichtungen, nämlich "was ist die Ursache" und
"was ist der Zweck". Während die Ursachen in der Vergangenheit liegen (weshalb,
aus welchem Grund) und deshalb noch eher greifbar sind, ist der Zweck (wozu) fast immer in
die Zukunft gerichtet und nicht leicht einzuschätzen.
Zweitens wird man sich damit beschäftigen, WAS dann die Ziele der ersten Planungsphase
erfüllt. Dies ist die Frage nach den Anforderungen (den Requirements), auch
Spezifikationen genannt.
Erst dann kann man sich um das WIE (das Design) kümmern, und hier auch zuerst mit den
großen Fragen beginnen, bevor man in die Details geht.
Dies sind die sogenannten primären, die proaktiven und aktiven Phasen, danach wird man
verifizieren müssen, ob das geschaffene Produkt auch alle Ziele und Requirements
erfüllt. In der Praxis wird man dann immer Wartungs-, größere Korrektur- und kleinere
Verbesserungsschritte anfügen müssen. Es ist selten, dass ein Produkt (sei es jetzt ein
Projekt oder Prozeß) jetzt wirklich fertig ist.
Es sind fast immer postaktive Aktivitäten notwendig, einfach weil etwas, was in die
reale, sich ständig ändernde Welt eingebettet ist, auch ständig an diese reale Umwelt
angepaßt werden muß.
| Innovation, Reengineering <----- |
------- Aus der Routine
ausbrechen |
| Projekte |
Prozesse |
| Jeden Fehler nur einmal machen! - |
----------------------------->
Qualität |
Viele Menschen, vor allem die ohne akademische Ausbildung und mit
geringem Abstraktionsvermögen, haben große Probleme mit dieser - im komplexen Umfeld,
z.B. in der Softwareentwicklung bewährten - strukturierten Vorgangsweise. Sie wollen vor
allem etwas tun, etwas ausprobieren, ob es auch geht, schnell einen Prototyp, den man auch
herzeigen kann, fertigstellen.
Sie sind dazu verdammt, immer wieder Arbeiten zu wiederholen, sich immer wieder an
Unvorhergesehenes anzupassen. Aber sie sind damit oft durchaus auch erfolgreich.
Lediglich, wenn viele Menschen zusammenarbeiten müssen, ist ein strukturierter und
disziplinierter Ablauf absolut notwendig. Dann kann man mit Hartnäckigkeit und
Durchhaltevermögen allein wenig bewirken. Hier muß man dann alle Beteiligten mit
gemeinsamen Dokumenten in eine Richtung bewegen, sonst wird man wenige sinnvolle
Ergebnisse bekommen.
Zu den grundsätzlichen Planungsproblemen gehört das Teilungsproblem: Wie teilt man
eine große Sache sinnvoll in kleinere Teile auf? Mehr dazu im nächsten Kapitel. Mit dem
Teilen hängt aber nun auch das Synchronisieren zusammen. Wie und wann bringt man die
Teile wieder zusammen?
Angenommen, mehrere Teile ergeben ein Ganzes. Dann muß jeder einzelne Teil zu einem
bestimmten Zeitpunkt fertig werden. Der letzte Teil, der fertig wird, liegt auf dem
kritischen Pfad. Seine Verzögerung wird alles verzögern. Kritische Pfade wird man
deshalb besonders gut ausstatten und betreuen müssen.
Es wird in der Praxis viele Abhängigkeiten der Teilabschnitte geben. Auch wenn Teile
nicht im kritischen Pfad liegen, werden Verzögerungen dadurch zum Problem. Es ist also
für Planungssicherheit ungeheuer wichtig, das Schluß- oder Abgabetermine auch
eingehalten werden. Wir werden beim Zeitmanagement sehen, dass im wesentlichen nur Puffer
dafür Sorge tragen können. Es sind also von Anfang an genügend Puffer, je nach
Erfahrung und Komplexität, einzuplanen. Besonders Anfänger machen den Fehler, notwendige
Puffer nicht zu berücksichtigen.
Es gibt heute gute Planungshilfen, z.B. Computerprogramme, die einem helfen alle
notwendigen Fragen zu addressiern und auch genügend Kontrolle anbieten. Gegen sie spricht
allerdings manchmal aber der dazu notwendige Planungsaufwand.
Sehr bewährt zur Steuerung haben sich Project-Sites im Internet, mit denen virtuelle
Teams untereinander kommunizieren können.
Eine Hilfe beim Synchronisieren stellt das Konzept der Roten Fahne dar. Damit warnt
man, dass man sein Endprodukt nicht rechtzeitig wird fertigstellen können und fordert
Hilfe an. Da diese Hilfe fast immer als Versagen angesehen wird und einen Gesichtverlust
bewirkt, wird oft die Rote Fahne zu spät gehoben, nämlich dann, wenn man nicht mehr
helfen kann, das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Auch hier machen Anfänger gerne
den Fehler, zu spät sich um Hilfe umzusehen.
Auf die Dauer werden nur jene Menschen erfolgreich in ihrem Umfeld sein und anerkannt
werden, wenn sie ihre Termine halten. Sie haben dann auch die entsprechende Erfahrung nur
jene Verpflichtungen (committments) einzugehen, die sie auch halten können. Und sie
werden geschickt die Versuche ihrer - meist unwissenden - Vorgesetzten abwehren, die
Unmögliches von ihnen verlangen.
Wir werden bei der Kommunikation sehen, wie notwendig sie für alle Projekte und
Prozesse ist. Aber schon hier möchte ich auf einige Kommunikationsfaktoren aufmerksam
machen, die sich für die Planung besonders bewährt haben:
1. Ehrlichkeit, aber mit Zurückhalten von (noch nicht notwendigen) Details
2. Bescheidenheit, verbunden mit Selbstsicherheit und Wachsamkeit
Man muß ehrlich bleiben. Es ist unklug zu lügen, denn man wird von der Realität
schnell eingeholt. Und hat man seine Glaubwürdigkeit einmal verloren, ist sie kaum wieder
herzustellen. Aber es ist genau so unklug, Details weiterzugeben, die noch gar nicht
endgültig festliegen. Denn muß man sie verändern, gilt man genauso als Lügner. Es hat
sich bewährt, mit dem Konzept des LATE BINDING zu fahren, nur soviel preiszugeben, wie
man sicher versprechen kann und die allerletzten Details erst ganz zum Schluß festzulegen
und zu veröffentlichen. Beim Umgang mit der Komplexität werden wir dies
Divergenz-Effizienz nennen.
Bescheidenheit und Wachsamkeit hängen auch eng zusammen. Die Bescheidenheit hilft,
dass Schwachstellen sichtbar gemacht werden und mit Wachsamkeit wird man sie dann auch
entdecken und beheben. Auf der anderen Seite ist Selbstsicherheit ein entscheidender
Erfolgsfaktor, größere Schwierigkeiten zu überwinden. Wir sehen also auch hier, dass
ein Mittelweg zwischen sich in den Extremen widersprechenden Anforderungen notwendig ist.
Sehr gefährlich ist in diesem Zusammenhang Arroganz, sie verhindert ziemlich sicher,
dass Fehler rechtzeitig entdeckt und damit billig behoben werden.
Eine große Autofirma hat mit dem Elchtest ungewollte Berühmtheit erlangt. Die
verantwortlichen Mitarbeiter haben früh auf das Kippproblem aufmerksam gemacht. Die
Reaktion der Verantwortlichen aber war angeblich: Unsere Autos kippen nicht um!
Ich hoffe, mit diesem Kapitel nicht zuviele LeserInnen vom Weiterlesen abzuschrecken.
Zum Glück werden nur wenige Berufsanfänger mit schwierigen Planungsfragen beschäftigt.
Lediglich Jung-Unternehmer werden schneller - als ihnen wahrscheinlich lieb ist - mit
diesem Problem konfrontiert.