Das Praxilogie Buch von Dr. Otto Buchegger TübingenPrognosen

Prognosen sind Voraussagen darüber, was kommen wird. Auf technischem Gebiet ist die Gültigkeit einer Prognose eher schlecht. Nur etwa 20% technischer Voraussagen der Vergangenheit haben sich als richtig erwiesen. Oder anders ausgedrückt, es waren 4 von 5 Aussagen falsch. (Ein arabisches Sprichwort sagt: Willst du Allah erheitern, dann erzähle ihm von der Zukunft.) Wer auf der negativen Seite bei Prognosen steht, hat also oft recht. Aber die 20% erfolgreichen Prognosen haben die Welt verändert!

Immer richtige Aussagen haben keinen Informationsgehalt.

Zu den Ergebnissen der Prognoseforschung gehört auch, dass es meist viel länger als erwartet dauert, bis sich etwas durchsetzt. So brauchten die meisten Erfindungen 20 Jahre, bis sie sich wirklich durchgesetzt haben. Man braucht also als Erfinder einen langen Atem und viel Geld, will man die Früchte seines Geistes und seiner Arbeit auch sehen.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Eine davon ist der Computer. Er hat sich als wesentlich nützlicher und universeller gezeigt, als es selbst die kühnsten Geister angenommen haben. Und in der Computerentwicklung traten viele Änderungen wesentlich schneller als vorausgesagt ein. Und eine weitere Ausnahme ist die Compact Disc, die CD und seit kurzem auch das Internet.

Wer Marktführer ist oder sogar ein Monopol hat oder wer über Gesetze und Verordnungen Änderungen erzwingen kann, der hat es leicht, relativ sichere Prognosen zu machen, denn er kann die Zukunft bestimmen.

Von den meisten Veränderungen haben sich die praktischen und kleinen besser durchgesetzt als die großen und revolutionären. Verbesserungen an bestehenden oder Kombinationen von bestehenden Dingen haben eine bessere Chance sich durchzusetzen als ganz neue Dinge. Es gibt auch wenige Sprünge in der Geschichte, sondern eher eine Vielzahl kleiner Veränderungen. Auch die Natur springt nicht, sondern sie entwickelt sich nach dem evolutionären Prinzip weiter. Ausnahmen sind allerdings die großen Katastrophen, von denen es aber nicht viele gibt.

Einfach ist das Prognostizieren (in stabilen Systemen, wie zum Beispiel in den meisten westlichen Demokratien) des Verhaltens, das auf Bevölkerungsentwicklungen basiert. Man kann schon heute leicht ziemlich genau sagen wieviel 40jährige es in 10 Jahren gibt, wenn man die Anzahl der 30jährigen kennt.

Selten hat eine neue Entwicklung die bestehende total ausgelöscht. Meist kommt es zu einem langen Nebeneinander, wobei die alte Situation zumindest in Nischen noch lange erhalten bleibt.

Es gibt viele hochintelligente Menschen, die trotzdem ganz lausige Prognostiker sind. Meist unterlaufen ihnen einige der folgenden Hauptfehler.

  1. Man sagt das voraus, was man sich wünscht. Vor allem Ideologen, aber auch kreative Träumer, sind davon betroffen.
  2. Der Horizont ist zu eng. Dies trifft vor allem auf Wissenschaftler zu, die sich die Welt ausserhalb ihres Elfenbeinturms nur schlecht vorstellen können.
  3. Die Ausgangssituation wird zu ungenau beobachtet. Vor allem Menschen, die auf die gegebenen - immer unvollständigen - Daten zu sehr bauen, machen dann unzulässige Extrapolationen. Daten werden immer unter einem Datenmodell gesammelt, wenn das Modell nicht mehr stimmt, dann sind auch die gesammelten oder gemessenen Daten zweifelhaft.
  4. Man setzt voraus, dass Menschen sich grundsätzlich verändern können. Dies - so lehrt die Geschichte - ist kaum der Fall.
  5. Man will originell sein, weicht deshalb vom Mainstream ab und übersieht dabei die Macht der großen Zahl. Menschen mit großem Ego fallen leicht in diese Falle.
  6. Man unterschätzt, was noch "praktisch" ist. Überleben wird immer nur das Einfache, was zu kompliziert wird, hat wenig Zukunft.
  7. Es wird versucht die Gegenwart linear hochzurechnen. Die Entwicklung der Geschichte war aber wohl nie nur eine einfache Fortschreibung des jeweiligen Ist-Zustandes.
  8. Und last but not least: Es wird einfach gedankenlos "rausgschwätzt", weil man auch seinen Senf dazu geben will. Nicht bedacht dabei wird aber der Imageverlust, den man auch bei unwichtigen, jedoch falschen Prognosen erleidet. ("Wer einmal lügt ....." oder "Si tacuisses, philosophus mansisses ... wenn Du geschwiegen hättest, wärest Du ein weiser Mann geblieben")

Will man Prognosen beurteilen, dann sollte man zumindest immer den Auftraggeber, sowie die Orientierung des Prognoseerstellers beachten, da bei einer Prognose sehr viel von der Diagnose, der Erklärung des Ausgangszustandes, abhängt (wo stehen wir, warum sind wir gerade da, wo wir sind).

Die Erklärung der Gegenwart ist der Grundstein für die Vorausschau in die Zukunft.

Es ist außerordentlich lukrativ, wenn man gute Prognosen erstellen kann. Erfolgreich ist man schon, wenn man wesentlich mehr als 50 Prozent Treffer hat, das heißt, in mehr als der Hälfte der Fälle Recht hatte. Wer oft Prognosen macht, diese aufschreibt (denn sonst belügt man sich leicht selbst) und nachher verfolgt, warum man Unrecht hatte, wird viel dabei lernen und wohlhabend werden. Denn nicht nur an der Börse verdient man damit Geld, gute Prognostiker haben auch große Macht, denn man wird auf sie hören.

 

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