Veränderungen
Da junge Menschen sehr oft eingestellt werden, um neues Blut in Firmen zu bringen, wird
es sehr oft ihre Aufgabe sein, Veränderungen vorzunehmen. Es ist schwierig, bleibende
Veränderungen vorzunehmen. Schon bei sich selbst ist es schwierig, um so mehr wird die
Aufgabe größer, wenn andere Menschen verändert werden sollen.
Die Bereitschaft, Veränderungen zu ertragen oder sogar mitzutragen, selbst wenn ihre
Notwendigkeit von allen akzeptiert wird, ist i.A. gering. Auch im menschlichen Bereich
gibt es eine Trägheit, die Bequemlichkeit, die am liebsten alles beim Alten bleiben
läßt.
Veränderungen können sehr oft Angst oder Furcht auslösen, lähmend wirken und sogar
aggressiven Widerstand herausfordern. Veränderungen bedeuten bei allen Beteiligten Arbeit
und auch die Gefahr, etwas dabei zu verlieren. Deshalb muß bei jeder Veränderung jeder
gefragt werden, keiner darf übergangen werden, jeder will ernst genommen werden, sonst
wird er die Veränderung nicht mit tragen.
Jede Veränderung muß gut erklärt werden. Es muß für alle Beteiligten, die
natürlich sehr früh eingebunden sein müssen, klar werden, was nachher anders ist als
vorher. Es besteht bei Veränderungen ein enormer Kommunikationsbedarf. Was einem klar
ist, ist noch lange nicht allen klar. Vor allem muß jeder verstehen, was er dabei
gewinnt, was sein Nutzen ist.
Drei Annahmen sind enorm
hilfreich für die Verantwortlichen
1. Alle Menschen sind dumm: Man kann nie
davon ausgehen,
dass die Menschen klug genug sind, etwas von alleine einzusehen.
2. Alle Menschen sind faul: Da es an
Einsicht fehlt, ist auch
keine Motavation für Veränderungen vorhanden!
3. Alle Menschen sind egoistisch: Sie
bewegen sich nur, wenn
sie einen Nutzen sehen, d.h. wenn auch ihre Bedrürfnisse
befriedigt werden. |
Jede größere Veränderung bedarf einer Lobby. Diese muß in
Einzelgesprächen gut vorbereitet und gebildet werden. Ein Einzelner kann selten eine
große Veränderung hervorrufen.
Erfolgreiche
Veränderungen müssen den Ausgangszustand sehr gut kennen, das Ziel immer plastisch vor
Augen haben und es flexibel und geduldig mit unendlicher Beharrlichkeit verfolgen. |
Kleine Änderungen, sozusagen natürliche Entwicklungen werden leichter
akzeptiert. Und Situationen, die man als Lernsituationen deklariert, werden auch leichter
akzeptiert, weil man ja zum alten Zustand zurückkehren kann. Die meisten stimmen zu, wenn
man etwas einmal ausprobiert. Jede Veränderung sollte eine Testphase haben. Und auch eine
Kontrollphase sollte eingeplant sein, um zu überprüfen, ob die Änderung vorgenommen
wurde.
Diese Kontrollphase muss in jedem Fall angekündigt sein und es müssen die Regeln
offengelegt werden, nach denen kontrolliert wird. Wer sich regelkonform verhält, sollte
eine kleine Belohnung erhalten. Sie ist wesentlich wirksamer als eine eventuelle Strafe.
Aber soll eine Veränderung ernst genommen werden, muß sich sehr bald, am besten
sofort etwas Signifikantes ändern. Sonst bleibt es nur bei der Absicht.
Das Gute ist der Feind des Besseren. Gemeint ist mit diesem Sprichwort, dass die mit
dem Guten Zufriedenen keine Motivation haben werden, etwas besser zu machen. Dadurch
bleiben sie beim Guten, verändern nichts mehr, werden so auf die Dauer immer schlechter
und sind schließlich dem Untergang geweiht. Zufriedenheit bringt keine Spitzenleistungen
hervor. Wer Fortschritt haben will, muß also mit dem Bestehenden unzufrieden sein, es
zumindest in Frage stellen.
Aber mindestens ebenso häufig trifft man auf meine Variante des Sprichworts: Das
Bessere ist der Feind des Guten. Gemeint ist, dass das Streben nach einem Ideal die
Betroffenen für die Realität so blind macht, dass sie dann auch das naheliegende Gute
nicht mehr sehen, geschweigedem machen. Besonders bei Ideologen, Radikalen und in der
Realität Unerfahrenen trifft man dieses Phänomen häufig an.
Diese Menschen sind zwar voller guter Ideen, werden aber von den Widerständen ihres
Umfeldes so frustriert, dass sie auf die Dauer so erfolglos werden, dass sie wirklich
unfähig sind überhaupt noch irgendwelche Veränderungen durchzusetzen. Letzten Endes
werden sie scheitern. Die Geschichte der Technik ist voll mit diesen tragischen
Schicksalen, die z.B. mit ihren Erfindungen einfach zu früh versucht haben, etwas zu
verändern.
Wer erfolgreich agieren will, muß pragmatisch immer beides anstreben, verändern und
bewahren. Das Bessere anstreben und das Gute tun und bewahren. Je nach Umgebung wird eher
das Schwergewicht auf der einen oder auf der anderen Seite liegen. Wer immer nur eines
tut, nur verändern oder nur bewahren, wird untergehen. Der Erste wird sich wegen
Kraftverschleißes erschöpfen, der Zweite wird aussterben, weil er nicht mehr ins Umfeld
paßt.
Es ist ein beliebter, wenn auch leicht durchschaubarer Winkelzug das Gute abzuschaffen,
indem man mit Sturheit immer ein Ideal fordert. Besonders junge Menschen folgen gerne
dieser Strategie, die wenn sie erfolgreich ist, wirklich Neues und Gutes bringen kann.
Aber in der Praxis werden sie häufig scheitern. Darum besser wenige, kleine und
realistische Schritte konsequent fordern und umsetzen, hier erreicht man viel mehr, als
mit ellenlangen, utopischen Forderungen, die nur in Schubladen landen.