Der Praxilogie Bestseller von Dr. Otto Buchegger TübingenVeränderungen

Da junge Menschen sehr oft eingestellt werden, um neues Blut in Firmen zu bringen, wird es sehr oft ihre Aufgabe sein, Veränderungen vorzunehmen. Es ist schwierig, bleibende Veränderungen vorzunehmen. Schon bei sich selbst ist es schwierig, um so mehr wird die Aufgabe größer, wenn andere Menschen verändert werden sollen.

Die Bereitschaft, Veränderungen zu ertragen oder sogar mitzutragen, selbst wenn ihre Notwendigkeit von allen akzeptiert wird, ist i.A. gering. Auch im menschlichen Bereich gibt es eine Trägheit, die Bequemlichkeit, die am liebsten alles beim Alten bleiben läßt.

Veränderungen können sehr oft Angst oder Furcht auslösen, lähmend wirken und sogar aggressiven Widerstand herausfordern. Veränderungen bedeuten bei allen Beteiligten Arbeit und auch die Gefahr, etwas dabei zu verlieren. Deshalb muß bei jeder Veränderung jeder gefragt werden, keiner darf übergangen werden, jeder will ernst genommen werden, sonst wird er die Veränderung nicht mit tragen.

Jede Veränderung muß gut erklärt werden. Es muß für alle Beteiligten, die natürlich sehr früh eingebunden sein müssen, klar werden, was nachher anders ist als vorher. Es besteht bei Veränderungen ein enormer Kommunikationsbedarf. Was einem klar ist, ist noch lange nicht allen klar. Vor allem muß jeder verstehen, was er dabei gewinnt, was sein Nutzen ist.

Drei Annahmen sind enorm hilfreich für die Verantwortlichen

1. Alle Menschen sind dumm: Man kann nie davon ausgehen,
dass die Menschen klug genug sind, etwas von alleine einzusehen.

2. Alle Menschen sind faul: Da es an Einsicht fehlt, ist auch
keine Motavation für Veränderungen vorhanden!

3. Alle Menschen sind egoistisch: Sie bewegen sich nur, wenn
sie einen Nutzen sehen, d.h. wenn auch ihre Bedrürfnisse
befriedigt werden.

Jede größere Veränderung bedarf einer Lobby. Diese muß in Einzelgesprächen gut vorbereitet und gebildet werden. Ein Einzelner kann selten eine große Veränderung hervorrufen.

Erfolgreiche Veränderungen müssen den Ausgangszustand sehr gut kennen, das Ziel immer plastisch vor Augen haben und es flexibel und geduldig mit unendlicher Beharrlichkeit verfolgen.

Kleine Änderungen, sozusagen natürliche Entwicklungen werden leichter akzeptiert. Und Situationen, die man als Lernsituationen deklariert, werden auch leichter akzeptiert, weil man ja zum alten Zustand zurückkehren kann. Die meisten stimmen zu, wenn man etwas einmal ausprobiert. Jede Veränderung sollte eine Testphase haben. Und auch eine Kontrollphase sollte eingeplant sein, um zu überprüfen, ob die Änderung vorgenommen wurde.

Diese Kontrollphase muss in jedem Fall angekündigt sein und es müssen die Regeln offengelegt werden, nach denen kontrolliert wird. Wer sich regelkonform verhält, sollte eine kleine Belohnung erhalten. Sie ist wesentlich wirksamer als eine eventuelle Strafe.

Aber soll eine Veränderung ernst genommen werden, muß sich sehr bald, am besten sofort etwas Signifikantes ändern. Sonst bleibt es nur bei der Absicht.

Das Gute ist der Feind des Besseren. Gemeint ist mit diesem Sprichwort, dass die mit dem Guten Zufriedenen keine Motivation haben werden, etwas besser zu machen. Dadurch bleiben sie beim Guten, verändern nichts mehr, werden so auf die Dauer immer schlechter und sind schließlich dem Untergang geweiht. Zufriedenheit bringt keine Spitzenleistungen hervor. Wer Fortschritt haben will, muß also mit dem Bestehenden unzufrieden sein, es zumindest in Frage stellen.

Aber mindestens ebenso häufig trifft man auf meine Variante des Sprichworts: Das Bessere ist der Feind des Guten. Gemeint ist, dass das Streben nach einem Ideal die Betroffenen für die Realität so blind macht, dass sie dann auch das naheliegende Gute nicht mehr sehen, geschweigedem machen. Besonders bei Ideologen, Radikalen und in der Realität Unerfahrenen trifft man dieses Phänomen häufig an.

Diese Menschen sind zwar voller guter Ideen, werden aber von den Widerständen ihres Umfeldes so frustriert, dass sie auf die Dauer so erfolglos werden, dass sie wirklich unfähig sind überhaupt noch irgendwelche Veränderungen durchzusetzen. Letzten Endes werden sie scheitern. Die Geschichte der Technik ist voll mit diesen tragischen Schicksalen, die z.B. mit ihren Erfindungen einfach zu früh versucht haben, etwas zu verändern.

Wer erfolgreich agieren will, muß pragmatisch immer beides anstreben, verändern und bewahren. Das Bessere anstreben und das Gute tun und bewahren. Je nach Umgebung wird eher das Schwergewicht auf der einen oder auf der anderen Seite liegen. Wer immer nur eines tut, nur verändern oder nur bewahren, wird untergehen. Der Erste wird sich wegen Kraftverschleißes erschöpfen, der Zweite wird aussterben, weil er nicht mehr ins Umfeld paßt.

Es ist ein beliebter, wenn auch leicht durchschaubarer Winkelzug das Gute abzuschaffen, indem man mit Sturheit immer ein Ideal fordert. Besonders junge Menschen folgen gerne dieser Strategie, die wenn sie erfolgreich ist, wirklich Neues und Gutes bringen kann. Aber in der Praxis werden sie häufig scheitern. Darum besser wenige, kleine und realistische Schritte konsequent fordern und umsetzen, hier erreicht man viel mehr, als mit ellenlangen, utopischen Forderungen, die nur in Schubladen landen.

 

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