Die Praxilogie ?!

Wenn man die Praxilogie sorgfältig durchliest, wird man immer wieder auf die Wörter Lob und Loben stoßen. Lob ist für mich ein Lebensprinzip geworden und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es immer wieder auftritt.

So empfehle ich seine Chefs zu loben, weil es sonst keiner tut, Kinder zu loben, damit sie selbstsicherer unsere großen Zukunftsprobleme lösen werden, Firmen zu loben, damit sie endlich besseren Service anbieten, Mitarbeiter zu loben, um deren kreatives Potential zu entfalten, uns bekannte Menschen zu loben, um damit Freunde zu gewinnen und schließlich auch sich selbst zu loben, damit wir durchhalten, unsere Ziele zu erreichen.

Ich bin eher durch Zufall auf die Macht des Lobes gestoßen. Ein Mensch, der in einer Diskussion tagelang in Opposition war, hatte sich plötzlich geöffnet, als ich beiläufig seine Kochkünste lobte. Ich hatte damit eigentlich gar nichts bezweckt, aber die Wirkung war enorm und hat mich motiviert, Lob gezielter und häufiger einzusetzen.


Achtung Chefs,

dieser Beitrag ist wichtig für Euch! Gebt doch Euren Mitarbeitern mehr und präziseres Feedback über deren Arbeit und vergesst dabei das Lob nicht. Wie viel Arbeit, Geld und Mühe könntet ihr Euch sparen, wenn ihr nur ein bisschen mehr mit ihnen über ihre Leistungen reden würdet!


Lob durchdringt Panzerschilder, reißt Mauern nieder, wirkt wie Wunderdünger und macht nebenbei auch noch Freude. Was macht Lob so mächtig?

Ein Hauptfaktor ist sicher der Hunger nach Anerkennung, den viele Menschen in einer Konkurrenzwelt nicht genügend gesättigt bekommen. Vielleicht ist es auch die Befriedigung der Eitelkeit mancher Menschen, die sie für Lob so empfänglich macht. Aber das allein kann es nicht sein.

Hast du heute schon gelobt?

Ich glaube, wir kommen dem Geheimnis des Lobs näher, wenn wir uns kurz mit dem Gegenteil davon, dem Tadel oder der Kritik beschäftigen. Beide kommen sicherlich häufiger als Lob vor und sie sind oft auch notwendig, um uns zu erziehen, zu lenken oder um auf neue Situationen aufmerksam zu machen. Aber ihre Anwendung wirkt auf die meisten Menschen (ich nehme hier die Masochisten aus) schmerzlich.

Lob hingegen ist wie Balsam auf die Seele, wie Zuckerbrot bei Hunger. Es beeinflusst uns zwar auch, aber wir haben beim Loben den Eindruck, dass wir selbst die Zügel behalten und nicht wie bei Tadel unter der Peitsche des Tadelnden uns fügen müssen.

Wer lobt, gibt Feedback, das erfreut. Schon allein die Tatsache, Feedback zu erhalten ist wichtig. Denn es drückt nicht nur Anerkennung aus, vor allem zeigt es, dass eine Existenz bemerkt wird.

Viele Menschen loben nicht, weil sie ohnehin alles in Ordnung finden. Aber sie vergessen dabei den Feedbackaspekt. Denn Nicht-Lob könnte auch andere Ursachen als Zufriedenheit haben. Genauso könnte es durch Unzufriedenheit oder durch Abwesenheit zustande kommen. Gerade in Routinebeziehungen sollte man immer daran denken, dass erst das explizit ausgesprochene Lob (wie auch die präzise formulierte Kritik) die Situation eindeutig positiv macht!

Für manche bedeutet gelobt zu werden, auch erniedrigt zu werden. Der Herr lobt den Knecht, heißt es dann. Ich halte davon wenig. Wenn dies aber so gesehen wird, dann kann man das Loben auch objektivieren, z.B. durch Urkunden, Diplome, Auszeichnungen oder was immer dazu passend ist. Sie nehmen dem Lob zwar eine persönliche Komponente, aber bauen dennoch auf.

Deutsche loben auch nicht gerne, weil sie sich dann verpflichtet fühlen. Sie wissen, dass sie durch Loben Einzahlungen in ein Beziehungskonto machen und fürchten, dass dann später die Abhebungen vom Konto folgen, das heißt, dass der Gelobte Ansprüche an sie stellt. Aber solange das Lob ehrlich ist, wird man in jedem Fall die Einzahlungen in ein Beziehungskonto machen, das Loben macht es nur angenehmer und deutlicher.

Ein anderes Hindernis für Lob ist die Erfahrung, dass danach Sondereinsätze etwas zurückgefahren werden und die Menschen wieder auf Normalbetrieb umstellen. Aber auch dies ist langfristig gut, denn es verhindert vielleicht größere Schäden, die durch zuviel Stress sicher entstehen werden.

Ehrliches Lob basiert auf erfreulichen und bemerkenswerten Leistungen und diese wurden ja erbracht. Es hat nichts mit Schmeicheleien zu tun, wo die Grundlage fehlt und man sich nur durch deren Aussprechen Vorteile verschaffen will.

Manche loben auch nicht, weil sie Leistungen als selbstverständlich betrachten. Gerade Könner kommen gar nicht auf die Idee andere zu loben, wenn diese gute, aber schlechtere Leistungen als sie selbst, erbringen. Sie wollen nur dann loben, wenn jemand noch bessere Leistungen als sie erbringt und dies kommt selbstverständlich nicht oft vor. Ihnen fehlt oft einfach die Erinnerung an ihre früheren, auch eher bescheideneren Fortschritte. Als Folge verströmen sie dann häufig eine negative, arrogante Stimmung in der Firma!

Lob kostet wenig. So denken die Opportunisten und sie verteilen es deshalb grosszügig. In der Tat kann Lob wirklich wenig, nur das Aussprechen, kosten. Die Praxis der Titelverteilung mancher maroder Staatsregierungen macht sich dies zunutze. Statt ihre Staatsdiener ordentlich zu entlohnen, bekommen diese hochtrabende Titel oder Orden. Und manche Internet-Experten wissen, dass sie sich mit der Verteilung von nichtssagenden Qualitätsawards eine sonst nie erreichbare Internet-Präsenz verschaffen können.

Aber ich denke, so einfach ist es nicht. Denn Loben erfordert zumindest eine Beobachtung, eine Analyse, ein Formulieren und nicht zuletzt eine eigene, positive Weltanschauung. Und es kann auch wirklich verpflichten. Wer allerdings häufig - wenn auch ehrlich - lobt, wird das Niveau der Verpflichtungen zwar hoch halten, aber sie doch auf viele verteilen, was deren Wert wieder etwas relativiert.

Leben - Lieben - Loben

Im Gegensatz zu Kritik darf man Lob öffentlich aussprechen. Ich empfehle es sogar zu tun, weil man sich dann die Formulierung besser überlegt und weil man dadurch angeregt wird, es gerechter zu verteilen. Besonders gerne wird bei Verabschiedungen gelobt. Hier kann man risikolos in die Lobkiste greifen, weil keine Verpflichtungen mehr zu erwarten sind. Zumindest denken so viele. Aber auch die Zurückbleibenden hören das Lob und sie können seine Berechtigung genau einschätzen.

Ist deshalb Loben eine Kunst, die man nur den Experten, den Diplomaten, den Politikern oder den Spitzenmanagern überlassen sollte? Ich denke nein, es ist ein wichtiger Teil unserer Alltags- Kommunikationskultur und es eignet sich für alle. Es wird manchmal etwas Übung erfordern, aber wer es sich zur Aufgabe gemacht hat, regelmäßig zu loben, wird darin bald Meister werden.

Besonders wird Lob geschätzt, wenn es mit Humor verpackt wird. Wer mit Loben die Gelobten zum Lachen bringt, hat viel gewonnen und man wird ihnen viel verzeihen.

Wer viel lobt, darf auch viel tadeln. Es ist eine bewährte Managementtaktik, negative Kritik in Lob einzupacken, man nennt dies die Sandwichmethode. Und muss man kritisieren, wie zum Beispiel bei Reklamationen, dann wird die Kritik viel besser angenommen, wenn man die Beschwerde mit einem Lob beginnt. Etwa damit, dass man in der Vergangenheit immer mit den Produkten sehr zufrieden war.

Darum Leserinnen und Leser lobt, aber beachtet:

Lob muss ehrlich und konkret sein und bald nach der erbrachten Leistung kommen. Es darf etwas übertreiben und sollte Raum für Humor lassen. Sind diese Bedingungen gegeben, dann kann es kaum zuviel Lob geben.

Noch etwas zum Manipulieren mit Lob. Ich weiß aus vielen Leserzuschriften, dass manche meiner Leser immer wieder bei mir nach Methoden zur Manipulation suchen. In der Tat kann man auch mit Lob manipulieren. Die klassische Methode ist Menschen zu Handlungen zwingen, die sie gar nicht machen wollten und sie dann nur kurz dafür zu loben. Wichtig ist hier das kleine Lob, das große eignet sich nicht zum Manipulieren. Die Geschichte ist voll von Meistern dieses Fachs und man kann in den Psychologie- Lehrbüchern unter dem Stichwort 'kognitive Dissonanz' mehr Details dazu lesen.


Manipulieren mit Lob

Loben
Kritisieren
Zu kleinen Änderungen verführen oder zwingen
Wieder loben


Aber dies ist nicht mein Ansatz. Ich denke, dass mit ganz normalem Lob eine so positive, kreative und erfolgreiche Atmosphäre geschaffen wird, dass dem Lobenden die ehrliche Anerkennung ziemlich sicher ist und er sich nicht auf Manipulationstechniken einlassen muss. Denn einmal durchschaut, haben alle Manipulationstechniken ihre Kraft schnell verloren, aber die Mächtigkeit des Lobes bleibt.

Zum Schluss will ich noch etwas anfügen, was ich selbst erst sehr spät gelernt habe. Es ist das " aufgeschobene Lob ". Angeregt wurde ich dazu durch ein TED Video von Carol Dweck, in dem von der Macht des Glaubens in die mögliche Verbesserung gezeigt wird. Statt einer Schulnote "Ziel nicht erreicht" wird dann die Note "noch nicht erreicht" vergeben. Das läßt vieles offen und ich kann mir gut vorstellen, dass es kurzfristig sowohl motiviert, wie auch langfristig weitere Verbesserungen fördert.


 

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