Das Praxilogie Buch von Dr. Otto Buchegger TübingenBedürfnisse - Motivation

Die Bedürfnispyramide von Maslow ist ein Modell für die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse. Die Stufen der Pyramide besagen, dass zuerst ein Bedürfnis der niederen Ebene befriedigt sein muß, bevor die nächste Stufe in Angriff genommen werden kann.

Bedürnis-Pyramide nach Maslow

Wer z.B. hungrig ist, hat wenig Interesse an Philosophie, das wußten die Menschen zu allen Zeiten.

Andererseits ist ein Bedürfnis, das befriedigt ist, nicht mehr interessant.

Selbstverwirklichung ist die höchste Stufe der Bedürfnishierarchie. Das eigene Leben gestalten können, nicht eingeschränkt zu sein, das heißt sich selbst zu verwirklichen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn die darunterliegenden Stufen oder Schichten abgehakt sind.

Die Bedürfnispyramide gibt aber lediglich eine abstrakte Anleitung für das Lebensmanagement: Wir müssen 'nur' jeweils eine Stufe höher kommen und dafür Sorge tragen, dass das Fundament unserer Lage, das sind die darunterliegenden Schichten, erhalten bleibt.

In der Praxis treten dabei aber viele Probleme auf. Erstens ist die Befriedigung der Bedürfnisse nicht nacheinander, sondern meist nur parallel zu erreichen. Weiters ist permanente 'Wartungsarbeit' der darunterliegenden Schichten zu tun.

Es gibt kaum Stufen, die für immer abzuhaken sind. Höchstens ein Bedürfnis nach Sicherheit kann z.B. durch eine eigene Wohnung zum Teil für immer zufriedengestellt werden.

Auf die Bedürfnisbefriedigung folgt das Erhalten und auch die Vorausschau, was später noch kommen wird und wozu ich langer Vorbereitung bedarf.

Auch müssen immer der Aufwand zur Erhaltung des Bedürfnisses seinem Nutzen oder potentiellen Nutzen gegenübergestellt werden.

Eine weitere Frage der Wartung ist die des Benutzens. Wenn etwas nicht genutzt wird, geht es im Normalfall verloren. Will ich den Verlust verhindern, muß ich die regelmäßige Benutzung anstreben.

Die Wartung kann einen großen Aufwand darstellen. Zum Beispiel stellt unser Schlaf so einen Wartungszustand dar. Die Natur investiert in diesem Fall bis zu 30 % in Wartung.

Aus diesem Grund ist ohne permanentes Zutun die Sicherstellung von unterliegenden Schichten nie für immer gelöst. Als Lebensregel kann man etwa 30% immer für notwendige Wartung und Sicherstellung seiner Situation angeben. Dies ist erschreckend viel. Aber wird sie nicht getan, dann tritt Verlust ein.

Motivation und Demotivation treiben uns in einem komplizierten Wechselspiel. Für mich immer wieder interessant sind die bemerkenswerten, nichtlinearen Zusammenhänge. Sie bewirken, dass es mehrere gleichwertige Zustände - auf ganz verschiedener Basis - geben kann. So können wir gleichermaßen vom Mangel, wie vom Überfluss, frustriert werden. Oder kleinste Änderungen können uns von der Zufriedenheit in die Unzufriedenheit bringen.

Um so wichtiger ist daher die persönliche Einstellung, sowie auch die Kenntnis über sich selbst, vor allem seiner eigenen Bedürfnisse, wenn man erfolgreich sich selbst managen will.

Jede Altersperiode hat eigene Motivationsschwerpunkte:

bis 17: Lernen, Spielen
17-25: Partnersuche, Sex
25-35: Geld, Auto, Kinder
35-45: Erfolg, Haus
45-55: Macht
55-65: Gesundheit, Zeit
65-85: Gesellschaft

Zum Schluss noch einige spezielle Gedanken für Lehrer, die oft im Internet nach "Motivation" suchen, weil ihnen der Schuldienst über den Kopf wächst. Ihnen kann meist nicht mit den üblichen Motivationshilfsmitteln geholfen werden. Bei ihnen sind fast alle wichtigen Bedürfnisse befriedigt, trotzdem haben sie keinen Spass mehr an der Arbeit.

Das Problem der Lehrer liegt in ihrer Intelligenz einerseits und ihrem Status andererseits. Sie sind zu intelligent, um mit Scheinargumenten motiviert zu werden. Wenn sie den Sinn an der Arbeit verloren haben, ist es aus. Es gibt keinen Ersatz dafür.

Und durch ihren Status können sie auch nicht mit einem Tritt in den Hintern motiviert werden. In der Wirtschaft kann man Leuten mit der Kündigung drohen, wenn sie faul sind und keine Leistung bringen. Bei Beamten ist dies wirkungslos. Also funktionieren die klassischen Motivatoren "Zuckerbrot und Peitsche" schon nicht mehr.

Dann sind sie in ein System eingebunden, das sehr problematisch ist. Sie können in Deutschland nicht leicht einen Ortswechsel machen, weil sie in enge Landesgrenzen eingebunden sind.

Sie sind ständig in Mobbinggefahr. Von den Schülern droht sie noch am wenigsten, sondern meist von den Kollegen. Dadurch werden viele Einzelkämpfer und finden wenig Rückhalt bei den Kollegen.

Da die Kinder immer gleich anstrengend sind, aber die persönliche Leistungsfähigkeit stetig abnimmt, spüren sie besonders viel Stress, der laufend zunimmt und dem sie nicht ausweichen können. So verlagern sie im Laufe der Schulzeit alle wirklichen Interessen aus der Schule. Die langen Ferien fördern dies noch zusätzlich.

Also was soll man da machen? Das was die meisten tun, mit 50 die innere Kündigung aussprechen und abwarten, wie man schnellstens mit möglichst viel Geld aus dem Schuldienst ausscheiden kann und dann seine wahren Interessen verfolgt.

Das halte ich für keine Lösung. Deshalb habe ich es aufgegeben, Lehrer bei ihren speziellen Problemen zu beraten. Solange die Politik keine drastische Änderung des deutschen Bildungswesens vornimmt, ist dies verlorene Mühe.

 

zurück Übersicht Feedback Autor Literatur weiter

.

Das Praxilogie Buch (2009)

Bestellen

Die Praxilogie, von Otto Buchegger, Tübingen

Ein Klick aufs Bild zeigt den Umschlag

© 2009 Dr. Otto Buchegger Tübingen