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Wer Englisch spricht, hat schon viel gewonnen. In vielen Gegenden der Welt und in vielen Berufszweigen wird man damit ganz gut zurecht kommen. Allerdings bei weitem nicht überall. Erschreckt stelle ich immer bei meinen Urlauben in Frankreich oder Spanien fest, dass eigene Englischkenntnisse keineswegs eine brauchbare Verständigung garantieren. Englisch heißt heute fast immer amerikanisches Englisch, es hat wesentlich größere Ausbreitung, z.B. auch durch Computer oder Internet. Korrektes britisches Englisch ist eher exotisch und nur auf den Britischen Inseln optimal einsetzbar. Die nützlichste aller Fremdsprachen ist nun mal "Simples Englisch".
Und auch in manchen Berufszweigen werden weitere Sprachen notwendig werden. Wer im Finanzgewerbe arbeitet, wird es sehr nützlich finden, etwas Japanisch zu sprechen, wer für Fiat arbeitet, muß Italienisch können und Köche brauchen ein Grundrepertoire an Französisch. In Grenzregionen sollte man immer auch die Sprache der Nachbarn verstehen.
Was man sich heute meist sparen kann, das ist Latein, außer man studiert z.B. Sprachen oder man reflektiert auf eine Karriere in der Katholischen Kirche. Hier genügt ein Grundkurs am Gymnasium und ein gutes Wörterbuch, um sich durchs Leben schlagen zu können. Aber es macht sich immer gut, wenn man einige bekannte lateinische Sprichwörter korrekt zitieren kann und den Sinn häufiger Abkürzungen versteht. Dafür aber kostbare Schulzeit zu opfern ist sicherlich zu aufwändig.
Unbedeutend für die Praxis sind m.M. auch immer noch die diversen Kunstsprachen, wie z.B. Esperanto. Es ist ein schönes Hobby, sich mit ihnen zu beschäftigen, sie fördern sicherlich die internationale Kommunikation und dienen so der Völkerverständigung und dem Weltfrieden. Ich halte es allerdings für effektiver, sich auf lebende Sprachen zu konzentrieren, wie Französisch, Spanisch, Portugiesisch oder Chinesisch. Diese Sprachen haben riesige Kulturräume, die sich mit ihnen öffnen.
Zusammenfassend sollte jeder seine Muttersprache so gut beherrschen, dass er sich in Wort und Schrift in seinem Staatsgebiet deutlich und verständlich ausdrücken kann. Das ist gar nicht mehr so selbstverständlich. Je mehr Europa zusammenwächst, um so mehr machen sich wieder lokale Dialekte breit, die kaum noch im Nachbarort verstanden werden. Dazu sollten Englischkenntnisse kommen, die man ständig weiterentwickelt und die Kenntnisse der Sprachen, die helfen, sich im Beruf oder Hobby gut zurechtzufinden.
Gerne unterschätzt wird die Rolle vom eigenen Deutsch. Ich halte es vor allem politisch unklug, auf die Verwendung von Deutsch von vornherein zu verzichten. In einer Welt mit permanenten Wirtschaftskriegen (von subtilen bis zu ganz massiven) sollten wir uns auf den Vorteil der eigenen Sprache durchaus besinnen. Die USA machen uns vor, wie man die Sprache als Wirtschaftsfaktor zum eigenen Nutzen einsetzt. Wir sollten da ruhig - selbstbewußt - von ihnen lernen.
Am einfachsten wird man in einer wohlwollenden, streßfreien Umgebung die neue Sprache lernen. Leider wird man diese aber selten, vielleicht noch innerhalb von Familien oder Freunden, vorfinden. Wenn man aber kann, sollte man sich diese suchen. Einige Versuche muß man dabei schon machen, bis man erfolgreich sein wird. Vielleicht findet man sie über ein Hobby oder über eine soziale Vereinigung.
Ich bin heute noch der First Presbyterian Church in Greenwich, Connecticut dankbar für die freundliche Aufnahme, die sie uns gewährt hat und die dazu beigetragen hat sich schnell in USA zu integrieren.
Nicht hilfreich sind Ghettos, das heißt Plätze, wo man nur mit anderen Ausländern zusammen ist. Sie helfen zwar, sich kurzfristig im Ausland zurechtzufinden, aber sie stehen der Integration im Wege. Und diese sollte doch im Vordergrund stehen. Denn eine fremde Sprache ist mehr als nur die Kenntnis der Wörter, es ist vor allem die Kenntnis der neuen Kultur, und diese kann nur über die Integration erreicht werden. Darum Ghettos, wie heimelig sie immer auch sein mögen, vermeiden!
Beginnen wird man als Erwachsener vor allem mit den Grundelementen der "Social Language". Sie findet man meist in Sprachführern, immer auf einer Seite. Damit kann man schon als Tourist ganz gut überleben.
Es empfiehlt sich für jede Sprache, mit der man zu tun hat, einen passenden Sprachführer (z.B. der Reihe KAUDERWELSCH oder auch preiswerter Polyglott) zu kaufen. Dieser Tipp hat mir schon viele gute Geschäftskontakte eröffnet und mir gelegentlich den Ruhm eingetragen, ein Sprachgenie zu sein. In Wahrheit habe ich nur die passenden Floskeln auswendig gelernt und bei passender Gelegenheit an mein Publikum gebracht.
Will man mehr als nur Tourist sein, wird man weitere Hilfsmittel brauchen. Wichtigstes ist immer noch ein gutes und aktuelles Wörterbuch. Die üblichen Schulwörterbücher sind dazu unbrauchbar, man braucht ein Großwörterbuch, in dem sich auch viele Redewendungen befinden. Für Englisch empfehle ich das PONS Großwörterbuch Collins, mit Daumenregister. Die 60, die es kostet, sind gut investiert, u.U. wird man zwei Kopien davon brauchen, eine am Arbeitsplatz und eine zuhause.
Wer ständig Zugriff zum Internet hat, kann auch die Translation Services (z.B. über Babelfish) nützen. Auch wenn die Ergebnisse immer noch unausgereift sind und damit lustig wirken, sind sie doch eine brauchbare Basis für Übersetzungen.
Ein weiteres unentbehrliches Hilfsmittel ist - immer noch - das Vokabelheft. In ihm werden alle Worte, Begriffe und Redewendungen notiert, die einem unterkommen und über deren Bedeutung man sich nicht sicher ist. Hat man Zeit oder freundliche Beratung zur Hand, dann wird es ergänzt. Mit ihm wird man schnell die neue Sprache lernen.
Allerdings sollte man darauf vorbereitet sein, bis zu 2000 Wörter auswendig zu lernen, um eine Basis dafür zu haben, dann nur noch über das Reden weiter dazu zulernen. Wenn man also täglich 20 neue Vokabeln dazulernt und alle alten wiederholt, wird man doch 100 Tage brauchen, um eine Basis in der neuen Sprache zu haben. Keine leichte Aufgabe, vor allem, wenn man schon ein bißchen älter ist!
Nützlich sind auch ein Videorecorder (aber er muß auch ausländische Bildformate vertragen, eventuell braucht man ein eigenes Gerät!), sowie ein CD- oder MP3-Spieler zum wiederholten Abspielen von Bild- und Tonträgern, die man sich gerne anhört oder anschaut. Fast überall gibt es auch Radio- und Fernsehsender, die fremdsprachige Programme abspielen. Für mich optimal ist ARTE TV, sowie CNN. Hier ist Sprache immer mit aktuellen Informationen gepaart und kein trockenes Thema! Gern schau ich mir auch amerikanische Soap Operas im Original an, z.B. die Golden Girls! Die Internetradios bringen jetzt tatsächlich die Welt ins Wohnzimmer.
Wer im Auto einen MP3-, CD-Spieler oder Kassettenrecorder hat, kann diesen gut für Sprachunterricht einsetzen. Dazu lohnt es sich die passenden Sprachkurse zu kaufen. Mit ihnen nutzt man sonst eher vertane Zeit wirklich besser.
Hilfreich ist auch Kinderliteratur in der Fremdsprache. Besonders gut eignen sich meiner Meinung nach Kindercomics, z.B. Mickey Mouse (Asterix dagegen ist eher ungeeignet, ist zu intellektuell). Wer schon eine Sprache etwas besser kann, wird Krimis gerne lesen. Da wird man durch die Spannung zum Weiterlesen motiviert.
Gut geeignet zum Zuhören im fremden Land sind Vorträge und Vorlesungen (wenn man sich im Thema auskennt), Gerichtsverhandlungen (sind fast überall öffentlich) und Predigten von Gottesdiensten.
Für Erwachsene haben sich Tandems bewährt. Hier tauschen zwei (oder mehr) ihre eigenen Sprachkenntnisse mit denen des Tandempartners aus. Man korrigiert sich und trainiert wechselseitig. Und man geht z.B. gemeinsam aus und lernt so nicht nur die Sprache, sondern auch andere Kulturen kennen. Angebote für Tandempartner gibt es fast immer an den Sprachinstituten der Universitäten und auch überregional im Internet. Sprachpartner findet man auch virtuell und weltweit mit Social Networks.
Am besten natürlich wird die Liebe helfen, die Sprache des geliebten Menschen zu lernen.
Oft hat man im Prinzip zwar das Vokabular drauf, aber weil man den Mund nicht aufmacht, bekommt man doch keine Spracherfahrung und lernt die neue Sprache nicht. Hier einige Tricks, wie man sich vielleicht helfen kann.
Wer E-Mails schreibt, kann so langsam wie er will schreiben und kann dabei genügend nachdenken und sich überprüfen. Im Laufe der Zeit verbessert sich mit der Schreibfertigkeit und Erfahrung dann auch das Reden.
Groß ist die Scheu vor dem Telefonieren in einer Fremdsprache. Hier lernt man den Anfang seines Telefonats einfach auswendig oder schreibt sich den Text auf und liest ihn ab.
Geschafft hat man übrigens das Sprachproblem, wenn man sicher über das Telefon kritische Verhandlungen führen kann.
Singen hilft auch beim Sprachenlernen. Einfach in einem Chor mitmachen. Auch (Laien-) Theaterspielen hilft, weil die Texte schon vorgegeben sind. Hier kann man den ausländischen Akzent sogar als Stilmittel einsetzen.
Laut lesen hilft sich mit dem Klang der Fremdsprache vertraut zu machen. Kann man Texte auswendig, kann man diese immer wieder laut im Auto rezitieren und sich so auf richtige Gespräche fit machen. Ebenso wird man seine ersten Vorträge in einer Fremdsprache mit Hilfe eines Kassettenrecorders einfach auswendig lernen. Auch Beten in der Gemeinschaft hilft die Sprache zu trainieren.
Zuviel Kritik, auch wenn gut gemeint, stört das Lernen. Es ist besser in eigenen Kritiksitzungen jemanden zu korrigieren und solange die Sprache verständlich ist, die Menschen einfach drauf los plappern zu lassen.
Im familiären Umfeld kann man immer wieder einige Sprachfetzen einbauen und so auf spielerische Weise seine Sprachfähigkeiten erweitern. Es war für mich interessant, Kinder beim Erlernen einer Fremdsprache im Ausland zu beobachten. Sie glauben nicht eine neue Sprache zu lernen, sondern sie erweitern nur ihre bestehende Sprache! So können es auch die Erwachsenen machen.
Man wird Geduld, dauerhaften Einsatz und auch professionelle Hilfe brauchen, um eine fremde Sprache zu lernen. Je mehr man schon über die Regeln der eigenen Sprache weiß (Grammatik, Semantik und Pragmatik), um so leichter wird man auch neue Sprachen lernen. Und wer schon einige Sprachen gelernt hat, wird neue leicht dazu lernen.
Mit jeder neuen Sprache öffnet sich eine neue Kultur. Sie wird der eigentliche Gewinn des Lernens sein.
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© 2009 Dr. Otto Buchegger Tübingen