Hierarchische Organisationen
Ein Hauptvorteil hierarchischer Organisationen ist ihre effektive
Eskalationsmöglichkeit. Das heißt, dass Entscheidungen schnell gefällt werden können
und Konflikte schnell bereinigt werden können. Zumindest ist dies im Prinzip so. Und wenn
das Subsidiaritätsprinzip sinnvoll eingesetzt wird, d.h. dass alle Entscheidungen immer
am untersten Niveau alleinverantwortlich möglich sind, dann ist der Kommunikationsaufwand
sehr gering.
Ein Paradebeispiel einer effektiven, hierarchischen Organisation ist die Katholische
Kirche mit dem Papst als Oberhaupt. Sie konnte sich über viele Jahrhunderte behaupten.
Das sollten die modernen Kritiker der Hierarchie nicht vergessen. Sie ist aber auch ein
gutes Beispiel dafür, dass sie ihre Gläubigen - und damit sich selbst - in große
Schwierigkeiten bringt, wenn sie das Subsidiaritätsprinzip nicht genügend beachtet, wie
z.B. bei der Sexualmoral.
Einige Nachteile der hierarchischen Organisationen sind z.B. die Gefahr falscher (von
oben angeordneter) Entscheidungen, die Unfähigkeit, komplexe Situationen zu beherrschen
und mangelnde Akzeptanz bei mündigen Mitarbeitern.
Trotz aller Nachteile wird es immer und in allen Organisationen hierarchische Elemente
geben und es ist deshalb nützlich, einige der Spielregeln zu kennen.
Wer oben in der Hierarchie sitzt, gewinnt auf die Dauer immer. Für Anfänger ist dies
schwer einzusehen, weil sie mehr an die Kraft von Argumenten glauben, als an die Kraft des
Mächtigeren.
Ganz selten wird es Ausnahmen von dieser Regel geben, im Normalfall gewinnt der Chef.
Darum ist es klug, seinen Chef nicht besiegen zu wollen. Man darf mehr Glück haben als
der Chef, aber nie mehr Verstand zeigen. Wer den Chef besiegt, zieht sich seinen langen
Groll zu.
Deshalb darf man auch seinen Chef nicht eskalieren, das heißt versuchen nachzuweisen,
dass er Unrecht hat. Loyalität ist angesagt, nämlich das zu tun, was der Chef will.
Kannst du nicht loyal sein, dann gehe rechtzeitig und suche dir einen anderen Chef oder
eine andere Arbeit.
Wenn jetzt ein Chef unloyale Mitarbeiter hat, dann sind diese eine große Gefahr für
ihn. Denn er kann sich bei ihnen nicht darauf verlassen, dass sie - vor allem in
Krisensituationen - die Spielregeln der Hierarchie befolgen. Man kann versuchen unloyale
Mitarbeiter zu loyalen zu machen, indem man dafür sorgt, dass sie einsehen, dass sie
besser mit Loyalität fahren. Aber die sichere Methode ist, sich rechtzeitig von ihnen zu
trennen, am besten natürlich sofort.
Änderungen in hierarchischen Systemen müssen von oben kommen und vorgelebt werden,
sollen sie durchgreifen. Dies ist nicht immer ganz leicht, wenn sich die Führungsspitze
andere Rechte zuspricht, als sie den niederen Chargen zubilligt.
Wirkliche Gefahr droht der Hierarchie durch die neuen Medien, z.B. auch dem Internet.
Ihr unkontrollierter Informationsfluß untergräbt die Machtmechanismen und erlaubt
wirklich demokratische Entscheidungen. Plötzlich funktioniert das Filtern, Modifizieren
oder Abblocken von Informationen nicht mehr. Individuen können nicht mehr leicht örtlich
isoliert werden. Die Anonymität und die Vernetzung fördern leichte und schnelle Gruppen-
und Konsensbildung. Aber es würde mich wundern, wenn dieser Hierachieabbau sich überall
radikal vollziehen wird. Ich denke deshalb, es wird noch lange hierarchische
Organisationen geben.
Wer jetzt die Mechanismen durchschaut hat, kann sie natürlich benutzen. Dazu gehört
das Konzept des Paten, das ist jemand, der oben sitzt und bereit ist, mich zu fördern.
Vorzugsweise sollte der Pate nicht in der eigenen Berichtslinie sein, weil es sonst leicht
zu Konflikten kommen kann. Am besten ist der Pate in einem Nachbarbereich.
Der Pate sollte auch noch jung genug sein, damit seine Karriere auch noch einige Zeit
andauert. Man darf aber auch nicht vergessen, dass man mit dem Paten untergehen kann. Das
heißt, wenn er weg vom Fenster ist und es allgemein bekannt war, dass er mein alleiniger
Sponsor war, dann ist auch meine Karriere sehr gefährdet.
Es ist wichtig, in allen Organisationen die heimlichen Spielregeln herauszubekommen. Zu
erfassen wie die Sachen wirklich laufen. Meist sind diese Regeln nirgendwo aufgeschrieben
oder formuliert.
Aber wer intelligent ist, fragt sich:
- Wer wird wirklich befördert? (Der, der befördert wird hat die Eigenschaften, die
wirklich gefragt sind.)
- Wer wird belohnt?
- Wer wird bestraft?
- Wer hat Einfluß?
Viele Berufsanfänger machen den Fehler, dass sie sich viel zu sehr darauf verlassen,
was ihnen offiziell erzählt oder zum Lesen gegeben wird. Viel besser wäre es, sich auf
die eigene Beobachtung zu verlassen und den Schlüssen zu vertrauen, die daraus zu ziehen
sind!
Denn diese decken die wahren Spielregeln auf!