Freiheit und Macht - Praxis
Wir sehen also, dass wir besonders unterscheiden müssen, welche Probleme wir wirklich
haben und welche Probleme uns entweder eingeredet werden oder geschaffen werden. Wir
müssen auch lernen zu wählen, welche Angebote wir nutzen wollen und welche nicht. Nicht
jede 'Jacke', die uns angeboten wird, müssen wir uns auch anziehen. Nur so werden wir
unsere Handlungsfreiheit (Freedom of Action) erhalten.
Nichts tun müssen - Alles tun können |
Zu den Testfragen in diesen Entscheidungssituationen gehören:
- Hätte ich das Problem auch alleine?
- Wer hat den Nutzen von der Lösung des Problems?
- Aber wir sollten nicht nur immer total mißtrauisch sein und uns auch fragen: Vielleicht
ist der Hinweis auf das Problem nützlich?
In jedem Fall ist höchste Vorsicht angebracht, wenn mir jemand ein Problem schafft und
die Lösung davon ganz allein an ihn gekoppelt ist. Hier beginnt eine subtile Form der
Erpressung. Wenn man in eine solche Situation hineinschlittert, hat diese die Tendenz
immer schwieriger zu werden. Deshalb sollte man sich sofort am Anfang der Erpressung
stellen, wenn immer dies möglich ist.
Es ist nicht immer leicht, sich seine Handlungsfreiheit zu bewahren. Oft ist großer
Aufwand dazu notwendig, mehr als einzelne Menschen aufbringen können. Aber wenn man
geschickt auf die Anfänge einer Abhängigkeit achtet, wird es leichter sein. Zu den
Grundregeln gehört eben, keine totalen Abhängigkeiten einzugehen, sondern seine
Abhängigkeiten etwas zu streuen, so wie Finanzmanager auch die Gelder streuen und nicht
alles 'in ein Nest legen'.
Zwei Grundprinzipien zur Reduzierung von Macht haben sich in der Politik bewährt: Limited
Government (die Macht wird eingegrenzt) und Check and Balance (und stets kontrolliert)!
Und man darf gelegentlich den Kampf und den damit verbundenen Aufwand nicht scheuen, sich
gegen die Versuche der Machtübernahme zu schützen.
Die Stufen zur Freiheit
Eigener Schlüssel
Eigenes Zimmer
Eigenes Auto
Eigenes Haus
Eigene Meinung |
Oft werden auch bessere Verträge helfen, sich gegen Machtspiele zu
wehren. Sowohl im geschäftlichen, wie im privaten Umfeld helfen genauere Verträge, sich
vor unangenehmen Folgen von Machtanmaßungen zu schützen. Es ist allerdings in einer
unsicheren Welt unmöglich, sich gegen alles mit Verträgen zu schützen. Letzten Endes
muss man irgendwann auch vertrauen.
Wer sich scheut seine Freiheit zu verteidigen, wird sie verlieren. Leider geben viele
Menschen ihre Freiheit auch freiwillig ab, weil sie auf Dankbarkeit vertrauen. Aber nur
wenn diese Reziprozität festgeschrieben und einklagbar ist, kann man sich auf sie
verlassen können.
Macht kann auch für die Machtausübenden selbst zum Problem werden. Besonders für
Menschen (Männer und Frauen!) zwischen 45 und 55 wird sie oft zur krankhaften Sucht und
zum selbstgewählten Gefängnis. Diese Menschen sollten sich die Ursache ihres
Machtstrebens bewusst machen. Oft ist es lediglich der Wunsch nach Ruhm und damit nach
Unsterblichkeit, der dieser Alterstufe zu schaffen macht. Wer dies durchschaut, wird für
die Suche nach Ruhm vielleicht angenehmere und kreativere Wege finden.
Es gehört zu den tragischen Folgen der Macht, dass viele Personen, die sie erlangen
und denen man sie nicht gönnt, sie dadurch wieder verlieren, dass wegen des Missbrauchs
der Macht die Organisation selbst dann an Bedeutung verliert.