Chefs und Kollegen
Dieses Thema ist in allen seinen Variationen unermeßlich und wird nie aussterben.
Viele Bücher wurden darüber geschrieben und in stundenlangen Diskussionen innerhalb und
außerhalb der Firmen wird es immer wieder erörtert.
Überall wo Menschen zusammenkommen, geht es menschlich, leider auch manchmal
unmenschlich zu. Deshalb ist für den Erfolg die Kenntnis der Menschen so wichtig. Einiges
aber ist in Firmen leichter als zum Beispiel in Beziehungen in der Familie. Die Firma kann
man wechseln, wenn es zu größeren Problemen kommt. In großen Firmen kann man die
Abteilung wechseln, ohne gleich kündigen zu müssen.
Obwohl immer wieder Freund- und Liebschaften in Firmen entstehen, so ist die Firma doch
nicht die Familie. Eine gewisse Trennung beider Lebenssphären führt dazu, dass nicht die
Probleme eines Kreises in den anderen hineingetragen werden müssen. Der Mitarbeiter kann
etwas Distanz schaffen und sich wechselweise von dem anderen Bereich erholen. So ist es
immer klug, Geschäftssorgen im Büro zu lassen und Privatprobleme nicht in der Firma
breitzutreten.
Die Familie ist aber auch nicht die Firma. So klug es ist, bewährte Methoden des
Berufs auch Zuhause anzuwenden, so unsinnig wäre es aber, seine Familie wie seine Firma
zu behandeln. Denn die Motive des Handelns sind doch in beiden Bereichen sehr verschieden.
In der Firma arbeitet man für Geld, Zuhause für das gemeinsame Glück und Wohl.
Viele persönliche Eigenschaften, die Zuhause eine weniger große Rolle spielen, werden
entscheidend den beruflichen Erfolg bestimmen. Dazu gehören die Kommunikations- und
Kooperationsfähigkeiten, der Mut etwas durchsetzen zu wollen, Schlauheit und Ausdauer,
Geschäftssinn und auch die Fähigkeit mit unangenehmen Menschen zurechtzukommen.
Im Privatbereich kann man den unangenehmen Menschen eher ausweichen. Im Beruf werden
sie zur Herausforderung, der man sich stellen muß.
Zu den unangenehmen Begleiterscheinungen des Erfolges gehören die Schwierigkeiten, die
sich mit ihm einstellen. Die Konkurrenz fördert Neid, Mißgunst, Kampf, man muß ständig
wachsam bleiben, um nicht übervorteilt zu werden.
Wer also Erfolg haben will, muß mit Schwierigkeiten rechnen. Nicht immer aber deuten
große Schwierigkeiten auch auf großen Erfolg hin. Manchmal ist man einfach ungeschickt
und schafft sich durch sein eigenes Verhalten mehr Probleme, als man brauchen kann.
Ein großes Problem für neue Chefs ist die notwendige Umstellung. Die Einsamkeit der
Führungskräfte bemerken diese sofort. Aber es gibt viele weitere, subtilere
Umstellungsprobleme. So braucht man an der Spitze oft andere Talente, als auf dem Weg zur
Spitze. Plötzlich sind z.B. Fremdsprachen enorm wichtig oder die Fähigkeit, sich viele
Namen zu merken. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die aber leicht zu Stolpersteinen
werden, wenn sie nicht behoben werden. Ich empfehle dazu, sich für einige Zeit einen
Coach zu leisten und schnell Abhilfe zu schaffen.
Zu den großen Problemen im Umgang mit Chef und Kollegen gehört das Mobbing. Aus
irgendwelchen Gründen (nicht immer ist man für das Mobbing selbst verantwortlich) wird
man auf brutale Weise von einem Team ausgestoßen.
Ein neuer Kollege wird von seinem Chef mit den Worten angekündigt: 'Herr X wird diesen
Saustall hier endlich ausmisten.' Herr X wird augenblicklich vom Team abgestoßen und hat
keinerlei Chance etwas zu bewirken. Letzten Endes muß er gehen, ohne etwas erreicht zu
haben.
Ich habe selbst einige Mobbingfälle hautnah erlebt. In solchen Situationen kann die
Firma zur Hölle werden. Besonders Intrigen sind beim Mobbing - aber nicht nur dort -
häufig. Sie funktionieren alle nach dem Schema, dass ein Intrigant, der meist versucht,
unerkannt zu bleiben, mit Informationen (von Wahrheiten, Halbwahrheiten bis Lügen) das
Aggressionspotential einer Gruppe (den Vollstreckern) gegen das Opfer auslöst, um damit
entweder selbst Vorteile zu haben oder einfach auch nur um zu zerstören. In Firmen oder
auch politischen Organisationen, die chaotische Strukturen haben oder die versuchen, mit
hierarchischen Kommunikationspfaden zu manipulieren, wird es leicht sein, damit Erfolg zu
haben.
Auch wenn man sehr oft selbst für das Auslösen des Mobbings verantwortlich ist, so
kann man dann doch nicht mit den Konsequenzen leben. Meiner Erfahrung nach ist Flucht die
einzig brauchbare Lösung eines Mobbingproblems, wo diese Lösung unpraktisch ist, sollte
man sich beraten lassen, wie man da wieder rauskommt.
Besonders gefährdet als Mobbingkandidaten sind u.a. Menschen mit ausgeprägten
Meinungen (vor allem auch, wenn sie oft recht haben), religiöse Randgruppen oder
Fanatiker, häufig Kranke, Faule und Miesmutige, sowie Menschen, die keine
Dienstleistungen an die Gemeinschaft erbringen wollen (Schmarotzer, Arrogante). Etwas
schützen kann man sich, indem man seine Privatsphäre nicht in der Firma publik macht.
Ich glaube, dass so altmodische Eigenschaften wie höfliche Umgangsformen, Fachwissen
und genügend soziale Kompetenz, gepflegtes und nicht zu auffälliges Äußeres,
Zurückhaltung mit privaten Meinungen und Problemen, Fairneß und Kooperationsfähigkeit
eine gute Basis sind, um im Beruf Erfolg zu haben.
Spitzenerfolge erfordern dann allerdings auch noch zusätzliche Eigenschaften, leider
gehören auch solche dazu, die nicht alle haben wollen, wie eine gewisse Skrupellosigkeit,
die gelegentlich bis zur Brutalität reicht, maßloser Einsatz und Vernachlässigen des
privaten Umfeldes.