Faire Bezahlung und Entlohnung
Die faire Bezahlung der Leistungen der Mitarbeiter ist eine komplexe Angelegenheit.
Gerade junge Chefs sollten sich deshalb dieses Kapitel aufmerksam durchlesen.
Aus der pragmatischen Sicht des Mitarbeiters besteht die Entlohnung für seine Leistung
aus zwei verschiedenen Kategorien, vom Management genehmigte ('legale') und vom Management
nicht genehmigte (u.U. wirklich ungesetzliche, 'illegale') Einkommen:
- Das überwiesene Nettogehalt
- Die in Geld ausdrückbaren anderen Beträge, meist mit dem Begriff Sozialleistungen
umschrieben z.B. Kantine, Dienstauto, Dienstwohnung
- Die nicht direkt in Geld ausdrückbaren legalen Annehmlichkeiten, z.B. Büroschmuck,
Weiterbildung, Image, Prestige, Bestätigung
- Illegale Einkünfte, z.B. durch Schwarzarbeit, Bestechungsgelder durch Korruption
- Illegale Annehmlichkeiten, die vielleicht später zu Geld gemacht werden können, z.B.
durch Diebstahl, Spionage
Der Chef hingegen sieht im wesentlichen nur alle legalen Kosten, die der Mitarbeiter
verursacht. Bruttogehalt, Soziallohn, Sozialleistungen, Raumkosten, Telefonkosten, etc.
Manche Chefs kommen gar nicht auf die Idee, dass ihre Mitarbeiter sie betrügen könnten.
Chefs
sollten sich immer bewußt machen:
Es gibt kaum eine Firma - von einer gewissen Größe ab - in der nicht gestohlen,
betrogen, spioniert oder sexuelle Erpressung ausgeübt wird! |
Die Bezahlung wird als angemessen und fair empfunden, wenn sie dem
Vergleich mit den Konkurrenten standhält und die eigenen Bedürfnisse befriedigt. Manche
wollen zusätzlich etwas sparen können und andere sehen im Laufe ihrer Karriere nur mehr
die Gehaltszuwächse und können sich mit dem stagnierenden Gehaltsniveau nicht abfinden.
Konflikte zwischen Dienst und Privat
Mitarbeiter betrügen nicht immer aus böser Absicht oder aus krimineller Energie.
Häufigste Gründe sind vor allem die Gelegenheit dazu, schlechte Vorbilder, die
ungestraft davonkommen (oft sind es die Chefs selbst), sowie die Kompensation für
entweder schlechte Bezahlung und/oder für schlechte Behandlung.
Wo fängt der Diebstahl denn an? Ist es schon die erste private Kopie oder das erste
private Telefongespräch? Die Antwort ist meiner bescheidenen Meinung nach ein klares JA!
Ich höre schon den Aufschrei in meiner Leserschaft: Das ist doch Blödsinn, dann wären
wir ja alle Diebe!
In der Tat wäre es nicht klug, diese Kleinigkeiten zu bestrafen, aber wo ist die
Grenze? Ist es noch legal, wenn jemand 100 Exemplare der Schülerzeitung in der Firma
kopiert? Oder das stundenlange Porno-Surfen auf Firmenkosten? Oder die monatelange,
telefonische Koordination des privaten Hausbaus von der Firma aus?
Vor allem, ist es fair? Mitarbeiter sollten immer bedenken, dass es für fast alle ihre
Fehltritte Zeugen gibt! Wer darf es, wer darf es nicht?
Vieles entsteht aus der Grauzone PRIVAT-DIENSTLICH. Wenn es so einfach ist, ein private
Kopie im Büro zu machen (und so umständlich, diese im Copyshop machen zu lassen) und ich
auch zuhause soviel fürs Geschäft mache, warum sollte ich nicht dann private Kopien im
Geschäft machen? Dies ist wahrscheinlich die Standardargumentation, mit der sich alle
schwarzen oder grauen Schafe entschuldigen.
Oder wenn ich die Lieferanten für meinen privaten Hausbau nur zu den Dienstzeiten
anrufen kann, dann muß ich doch alle Telefonate in der Firma führen! Hier ist es doch
schon fast höhere Gewalt.
Die Antwort aus Firmensicht zu diesen vorgenannten Beispielen ist relativ simpel. Jeder
bekommt einfach ein gewisses Kontingent an dieses Goodies. So wie manche Firmen einen
festen Betrag für Schmuck des Büros zur Verfügung stellen, stellen sie auch ein
Telefonkontingent (es kann für verschiedene Mitarbeiterkategorien verschieden sein) zur
Verfügung. Z.B. jedermann, jedefrau kann für 10 Euro pro Monat privat telefonieren. Da
sowieso heute fast alle Telefonate von Computern aufgezeichnet werden, ist dann auch die
Abrechnung einfach. Jeder bekommt monatlich seine Telefonrechnung und bezahlt den Teil
zuviel an ein Firmenkonto.
Bei Kopien ist es besser, Privatpreise (z.B. auf Selbstkostenbasis) zu vereinbaren und
sie einfach gleich bar bezahlen zu lassen. Jede Kopie kostet z.B. 0.05 Euro, das Geld
kommt gleich in eine (durchsichtige) Büchse und wird dort regelmäßig entleert.
Offen bleibt dann noch die Zeit, die man zum Telefonieren oder Kopieren braucht. Aber
werden Mitarbeiter konsequent mit Zielen geführt, dann ist die Zeit nicht mehr relevant.
Denn die fürs Private ausgegebene Zeit muß halt später eingearbeitet werden.
Ich würde allen Chefs raten, auf dieses wenige, oft nur symbolische Geld nicht zu
verzichten. Wahrscheinlich rechnet es sich nicht, aber es ist sicherlich erzieherisch!
Diese Kontingente stellen Verträge dar, die verhindern, dass kleinkriminelle Handlungen
vorkommen. Denn was vom Management genehmigt wird, ist per definition legal. Es wird also
legalisiert, einige Privattelefonate zu führen, das sollte man nicht vergessen.
Man sollte immer versuchen, alles Firmen - Notwendige im legalen Rahmen zu halten, denn
einmal abgewichen, kommen auch Firmenmitarbeiter schnell auf die schiefe Bahn.
Wer als Führungskraft diese Kontingente nicht vorgibt, läßt sie von den Mitarbeitern
definieren. Und diese werden schneller, als einem lieb ist sie noch oben - ins Uferlose -
treiben. Und Unrecht wird schnell Gewohnheitsrecht.
Kompensation für schlechte Bezahlung
Wer seine Mitarbeiter schlecht entlohnt, riskiert, dass diese sich das Gehalt selbst
ergänzen. Meist kostet die Firma dies dann mehr als die korrekte Entlohnung. Die Formen
für diese Ergänzung sind vielfältig. Es wird entweder sehr wenig gearbeitet, damit man
noch fit für den Nebenjob oder den Feierabend bleibt. Oder man bringt Arbeit in die Firma
mit und erledigt diese dann dort.
Oder es kommt zu kleineren Diebstählen von Büromaterial bis zu Bürogeräten, von der
Schere bis zum Notebook.
Subtilere Formen sind dann illoyales Verhalten. Man festigt seine Beziehungen zu
potenten Kunden, um diese dann später für die eigene Selbständigkeit abzuwerben. Oder
man investiert überproportional viel in Weiterbildung, mit der einzigen Absicht, diese
für das zukünftige, eigene Geschäft zu nutzen.
Kompensation für schlechte Behandlung
Neben den vorhergehenden Punkten kommt hier vor allem noch die Sabotage dazu.
Mitarbeiter fangen an, ihre Firma bewußt zu schädigen. Die Spannweite der Sabotage ist
groß. Vom bewußten Ausplaudern von Firmengeheimnissen bis zum Legen von Großbränden
ist alles schon vorgekommen. Und es sind auch Chefs schon umgebracht wo, weil sie
egoistisch und ohne Sensibilität mit ihren Mitarbeitern umgegangen sind.
Häufigste Form aber ist, die Chefs abzusägen. Dazu haben fast alle Mitarbeiter
Gelegenheit und nutzen sie auch, wenn sie nur genügend frustriert werden.
Langeweile
Ein häufiger Anlaß Unfug zu machen, ist ganz einfach Langeweile. Wenn Chefs es
verabsäumen Herausforderungen für ihre Mitarbeiter zu finden, dann suchen diese sie sich
selbst. Gerade die großen Probleme in Firmen, wie Mobbing oder auch Spionage, haben nicht
selten auch eine Wurzel in der Langeweile.
Man darf es also als Führungskraft nie zulassen, dass Langeweile entsteht. Gibt es
einmal wirklich nichts zu tun, dann kann man immer noch weiterbilden! Man darf nicht
vergessen, dass Mitarbeiter nicht nur in die Firma oder ins Amt kommen, um Geld für den
Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch um sich weiterzuentwickeln und um sich
bestätigt zu fühlen.
Diffuse Aufträge
Manchmal wird man von seinem Chef unerfüllbare Aufträge bekommen, unter dem Motto,
"wasch mir den Rücken, aber mach mich nicht naß!". Sie abzulehnen hat man
nicht immer eine Chance, aber man sollte sie entsprechend dokumentieren. Damit bleibt
klar, wer der Auftraggeber dazu ist, der dann auch - hoffentlich - die Verantwortung dazu
behält. Dafür gibt es kaum eine faire Entlohnung.
In diese Kategorie fallen auch Sonderaufträge, hinter der - wenn sie gut ausgehen -
die Firma gerne steht, aber damit nichts zu tun haben will, wenn die Sache schiefläuft.
Hier kann man sich nur durch ein kräftiges Honorar im Voraus absichern und dann
vielleicht auch noch später die unsichere Erfolgsprämie einstecken.
Mißbrauch vom Macht
Meistens wird er sich durch Korruption, aber auch durch Erpressung ausdrücken. Der
Korruption kommt man nur durch Kontrolle - mit entsprechend hohen Strafen - bei. Jeder,
der institutionelle Macht hat, ist durch Korruption gefährdet. Mit Geld hat dies meist
nichts mehr zu tun. Viele der Korrupten würden eigentlich genug verdienen. Aber die
Ausweitung der persönlichen Macht lockt.
Auch Erpressung ist oft nur eine Machtfrage. Zum Glück gibt es in Deutschland
Betriebsräte, die dafür sorgen, dass es nicht häufig unerkannt zum Machtmißbrauch
kommt. Jeder der Macht hat, muß kontrollierbar sein und kontrolliert werden. Wenn man
dies bei der Organisation außer acht läßt, wird sich nicht wundern müssen, wenn
Mißbrauch stattfindet und man dann zur Verantwortung gezogen wird.
Zusammenfassung
Es ist mir unmöglich alle Probleme der Bezahlung und Entlohnung zu schildern. Aber ich
glaube die wichtigsten habe ich zumindest gestreift. Es gibt natürlich immer besondere
Problemfelder, wie gravierende private Probleme (z.B. Drogenabhängigkeit), aber auch
schon innere Kündigung kann teuer werden.
Wer sich besondere Freiheiten herausnimmt, darf nicht vergessen: einmal in Ungnade
gefallen, muß man alle offenen Rechnungen auf einmal bezahlen! Und das führt schnell zum
persönlichen Bankrott. Darum Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, sauber bleiben. Wer keine
'goldenen Löffel stiehlt' hat bessere Chancen, zu überleben.
Und Chefs, entlohnt eure Leute gut und differenziert, d.h. leistungsgerecht, denn alle
Mitarbeiter kennen untereinander die Gehälter und auch die zugrunde liegenden Leistungen,
behandelt sie gut, d.h. als individuelle Menschen, redet mit ihnen und gebt ihnen
herausfordernde Arbeiten, etabliert Standardkontrollen, dann sind fast alle hier
geschilderten Probleme wirklich irrelevant.