Bewahren und Verändern
In diesem Abschnitt geht es um abstrakte Modelle für die Balance zwischen Bewahren und
Verändern. In einigen Bereichen wird er ein Wiederholung darstellen, aber ich habe
gelernt, dass solche Zusammenfassungen ganz nützlich sind und etwas Redundanz durchaus
hilfreich ist.
Die Wirkungsweise der Evolution beruht auf vielen, verschiedenen Versuchen und ihre
Wirksamkeit kann man erst nach längeren Zeiträumen sehen. Nun sind wir als denkende
Menschen durchaus in der Lage uns Veränderungen vorzustellen, sie gelegentlich sogar zu
modellieren. Wir brauchen also nicht immer erst auf die Ergebnisse von vielen Generationen
zu warten.
Wir haben auch den großen Vorteil, dass wir die Begriff Geschichte und Kultur kennen,
wir wissen also zum Teil, was sich bewährt hat und was man besser lassen sollte. So haben
wir auch gelernt, dass eine Balance zwischen Bewahren und Verändern anzustreben ist.
Hat man diesen Balance nicht, dann führen beide Extreme zum Tode oder zum Aussterben.
Beim Bewahren kann man sich das noch ganz gut vorstellen, denn in ihrem Extrem führt sie
zur Starrheit und in einer sich immer verändernden Umwelt damit zur Unfähigkeit weiter
zu leben.
Beim Verändern ist dies nicht so leicht einzusehen. Ich habe dabei immer die Mittel im
Auge, die die Gärtner gegen Unkraut spritzen. Es sind keine Gifte, sondern
Wachstumsstoffe und die Pflanzen gehen daran zugrunde, dass sie sich zu schnell verändern
müssen. Jeder von uns hat Erfahrungen mit Chaotischen Situationen, die meist auch nichts
anderes sind, als zu viele Veränderungen auf einmal und wir wissen, dass wir diese besser
meiden.
Bewahren
Das Bewahren kann man mit folgenden, einfachen Regeln beschreiben
- Nichts verändern
- Nichts Neues zulassen
- Nichts zerstören
- Nichts verderben lassen
- Viele Gesetze (festgeschriebene Regeln)
- Viele Normen (bewährte Prozesse und Produkte)
- Ausgeprägte Kultur (an die sich alle halten)
- Umfangreiche Dokumentationen
Diese Aufteilung hat den Vorteil, dass man für jeden Teilaspekt Vorteile und Nachteile
angeben kann. Man muss sich also nicht darauf reduzieren, generell konservativ (immer
bewahren) oder progressiv (immer verändern) zu sein.
Nichts verändern
In vielen Situationen wird diese Strategie die erste Wahl sein. Wir alle kennen
"Never change a winning team (Verändere keine siegreiche Mannschaft!)" oder
"Don't touch a running system (Wenn es funktioniert, dann lass es so!)".
Das Problem ist zu erkennen, wann die Gültigkeitsdauer dieser Regel am Ablaufen ist.
Es erfordert schon sehr viel Wissen und interner Kenntnisse, dazu gute Entscheidungen zu
treffen. Denn wir wissen auch " Der Hauptgrund für den Misserfolg war der Erfolg in
der Vergangenheit!" Viele "Mannschaften" sind im Konkurrenzkampf und wenn
man sie nicht ändert, dass stellt sich die Konkurrenz leicht auf eine ebenfalls
erfolgreiche Gegenstrategie ein.
Ein Problem ist auch, Erfahrungen mit Systemen zu bekommen, wenn man sie nicht
verändern kann. Wie wir aus starren, religiösen System wissen, vermitteln sie auf der
einen Seite große Sicherheit, weil sie Antworten auf alle bestehenden Fragen geben
können. Aber es gibt ja auch immer wieder neue Fragen und dann tun sich diese Systeme
schwer zu entscheiden, wie sie sich verhalten sollen, ohne ihr bestehendes Geistesgerüst
ganz zu zerstören. Die klassische Reaktion in dieser Situation ist dann die Isolation,
die Abschottung von der restlichen (meist als feindlich oder böse angesehenen) Welt.
Auch politische Parteien trifft dieses Schicksal, sie werden dann einfach nicht mehr
gewählt. Firmen sterben aus, wenn sie sich nicht an den Markt anpassen, das heißt wenn
es keine Nachfrage mehr nach ihren Produkten gibt.
Nicht zu verändern ist also die bevorzugte Strategie für stabile
Schönwetterperioden, wie man dies in der Wirtschaft nennt. In Krisenzeiten, bei
Misserfolg, bei Veränderungen, vielleicht sogar bei dramatischen Umwälzungen wird man
sich gut überlegen müssen, was auch im neuen Umfeld noch gelten wird.
Nichts Neues zulassen
Der Unterschied zu "Nichts zu verändern" liegt in der Qualität der
Veränderung. Man kann annehmen, das das Neue das bestehende Alte nicht verändern wird,
sondern eine zusätzliche Ergänzung ist.
In der Praxis, wegen der immer bestehenden Wechselwirkungen, sollte man skeptisch sein.
Nur wenn das Neue tatsächlich wenige Einflüsse auf das Alte hat, dann wird man beide
getrennt betrachten können.
Es kann gute Gründe geben, das Neue nicht zuzulassen. Vor allem wenn die Ressourcen
knapp sind, dann wird das Neue zuviel davon abziehen. Es kann Verwirrung stiften,
unbekannte Ängste erzeugen, ja sogar lähmen, wenn zuviel Neues zu erwarten ist.
Nichts Neues mehr zuzulassen wird oft die Gegenreaktion auf dramatische Veränderungen
in der Vergangenheit sein. Das zu schnelle Wachstum der Europäischen Union ist ein gutes
Beispiel dafür. Verunsichert durch arrogante EU Kommissare, die diese Erweiterung einfach
durchgepeitscht haben, wird jetzt alles Neue (auch wenn es durchaus sinnvoll ist)
abgelehnt.
Nichts zerstören
Ein Lieblingsthema von mir, weil ich es als eine Grundlage sowohl für den
persönlichen, wie auch für weltweiten
Wohlstand halte. Leider ist mutwillige Zerstörung durch uns Menschen an der
Tagesordnung. Sie passiert vom kleinsten bis zum globalen Akt, auf allen Ebenen unseres
Handelns.
In manchen Bereichen wird die Motivation für die Zerstörung einfach Unverstand sein,
die Folge eigenen Zorns, sowie auch durch Hass geschürte Aggression. Oft ist Zerstörung
nur Durchsetzung von Macht, Ausdruck von Egoismus, im Extremfall vielleicht noch der Kampf
ums eigene Überleben.
Es wäre daher eine Illusion zu glauben, dass wir ohne Zerstörung leben könnten.
Trotzdem halte ich daran fest, weil sie eine sinnvolle Leitlinie für die Minimierung der
Zerstörung ist. Und damit ist schon viel erreicht!
Wenn wir also Entscheidungen
treffen, dann sollten wir uns nicht nur fragen, welche Vorteile wird dadurch erreichen,
sondern immer auch: Was zerstören wir dabei? Wie können wir die Folgen möglichst klein
halten? Welche negativen Nebeneffekte könnten auftreten, die wir nicht haben wollen?
Auch bei Abwägung aller Aspekte, wird man sich dann trotzdem zur Zerstörung
entscheiden wollen. Aber auch hier wird die Leitlinie sinnvoll sein: Kann ich vielleicht
Teile retten, wiederverwerten, neu einsetzen, ersetzen? Kann ich nicht auch den Müll,
Schrott etc, der bei der Zerstörung entsteht, nicht doch noch einer sinnvollen Verwendung
zuführen?
Wenn es um Zerstörung von Kultur oder Wissen geht, kann ich es nicht für die Nachwelt
wenigstens dokumentieren, damit es nicht ganz verloren geht? Kann es nicht zumindest in
Nischen, Museen oder Archiven weiterleben?
Immer wichtig zu erkennen ist, wer die Nutznießer von Zerstörung sind. Diese
Entlarvung wird uns besser schützen, jeden Unsinn, der uns vorgemacht wird, zu
unterstützen oder gar nachzumachen.
Nichts verderben lassen
Nicht jeder Zerstörung passiert mutwillig, oft kümmert sich einfach keiner darum und
die Sache, das Anliegen oder worum immer es sich handelt, verdirbt ganz einfach. Dies ist
in vielen materiellen Bereichen eine ganz natürliche Angelegenheit und es ist sinnvoll,
der Natur wieder zurück zu geben, was aus ihr auch entstanden ist.
Während in den armen Regionen der Erde die Zerstörung dafür verantwortlich ist, dass
Ressourcen nicht zur Verfügung stehen, ist es in den reichen Ländern der ungenutzte
Überfluss, der wichtige Ressourcen verderben lässt und so vernichtet.
"So viel wie nötig, so wenig wie möglich", reguliert gut den Einsatz von
Ressourcen aller Art. Wir tendieren eher zu "So viel wie möglich" und werden
dabei aber langfristig nicht glücklich.
Bei Kulturgütern denke ich etwas anders. Hier kann Überfluss an Kultur wirklich
Reichtum bedeuten, der niemanden schadet und für alle Beteiligten eine Win-Win Situation
darstellt. Speziell Wissen wird mehr, wenn man es teilt! Und es kann nicht genug davon
geben!
Aber auch Kultur und Wissen verderben, wenn man sie nicht pflegt und sich keiner darum
kümmert. Diese Prozesse sind oft so langsam, dass sie nicht auffallen, sie deshalb auch
nicht diskutiert werden und sich deshalb auch niemand verantwortlich fühlt.
Ein spezielles Gut ist die Zeit. Sie geht ungenutzt für
immer verloren!
Anzeichen für übermäßiges Bewahren
Im wesentliche werden (geschriebene, wie auch nur gelebte) Gesetze für das Bewahren
verantwortlich sein. Es ist schwierig zu entscheiden, was des Guten zuviel davon ist. Für
die einen kann es nie genug sein, für andere wird auch dass Vernünftige schon zuviel
sein.
Für mich sind zwei Gesellschaftsströmungen eine gewisse Garantie, dass nicht
übertrieben wird. Erstens der Liberalismus, der leider in Deutschland ein Schattendasein führt, und
zweitens der Laizismus
(die strikte Trennung von Kirche und Staat), der in fast ganz Europa - mit Ausnahme von
Frankreich - nicht gelebt wird, selbst wenn er in der Verfassung steht.
Ein Zuviel an Bewahren drückt sich auch in Anzahl und Umfang von
Rechtsdokumenten aus. Wenn wir in Deutschland die umfangreichste Steuerrecht -
Dokumentation der Welt haben, dann wissen wird, dass wir etwas grundsätzlich falsch
machen.
Verändern
Dazu gibt es überall in der Praxilogie Beispiele. Lebensmanagement heißt ja, mit den
Veränderungen zurechtkommen oder sie herbeiführen. In diesem Abschnitt geht es eher um
Konzepte im Zusammenhang mit Veränderungen, die sich allgemein bewährt haben.
- Tempo von Veränderungen
- Phasenkonzept
- In Summe muss es mehr Gewinner als Verlierer geben
- Subsidiarität
- Vermeiden von Wachstum im Zusammenhang mit Veränderungen
- Förderung von Kreativität, auch durch Not und Zwang
- Mitbeteiligung (Involvement), Top Down Vorbilder
- Sichtbarmachen und Belohnen
Tempo von Veränderungen
Geschehen Veränderungen zu schnell, dann kommen die Menschen nicht mehr mit, sind sie
zu langsam dann verlaufen sie im Sand und werden unwirksam. Es kommt also auch hier auf
eine gute Balance an. Was Veränderungen für Volkswirtschaften bedeuten, habe ich an
anderer Stelle (speziell für Deutschland) ausgeführt.
Vernünftig finde ich Veränderungen, die so langsam oder schnell passieren, dass sich
nach einem Abschnitt wieder ein Gleichgewicht einstellen kann. Entlehnt von der
Elektrotechnik, nenne ich dies "quasistationär". Die Natur geht fast überall
so vor. Auch in ihr sieht man, bis auf wenige Katastrophen, nur langsame Veränderungen,
die Natur springt nicht (Natura non saltat), ihre Prozesse sind fließend, wie man es auch
ausdrücken könnte.
Erfahrene Politiker haben ein Gespür dafür, wie viele Veränderungen man Menschen
zumuten kann. Aber auch zu wenige Veränderungen haben ihr Probleme. Nach langen stabilen
Phasen wollen die Menschen Abwechslung und mit "Change we can belive in" kann
man 2008 damit sogar als Farbiger in den USA Präsidentschaftskandidat werden.
Verschiedene Gesellschaftssysteme können verschiedene Geschwindigkeiten verkraften.
Bisher ging man davon aus, dass Demokratien generell das optimale Tempo vorlegen. Aber
junge, nichtdemokratische Systeme, wie z.B. China, können durchaus schneller und damit
langfristig vielleicht sogar besser reagieren. Ob die Rechnung dazu aufgehen wird, werde
ich allerdings persönlich nicht mehr überprüfen können.
Veränderungen, die ganz langsam passieren, werden oft als solche nicht wahrgenommen.
Erst im geschichtlichen Rückblick kann man dann sie - aus Distanz - diagnostizieren und
ist dann gelegentlich sogar überrascht, wie man so blind sein konnte. Anders bei
schnellen Veränderungen, Revolutionen oder "Big Bangs", hier werden alle
überrascht und jeder nimmt sie wahr. Schaut man allerdings genauer hin, dann gibt es auch
bei Big Bangs genügend Frühindikatoren, die man hätte beachten können.
Phasenkonzept
Große Veränderungen wird man in mehreren Abschnitten, genannt Phasen, durchführen.
Sie sorgen dafür, dass man nach jedem Abschnitt erneut überprüfen kann, ob man alle
Folgen, die durch die Veränderungen hervorgerufen wurden, richtig eingeschätzt hat.
Eventuell muss man dann Korrekturen oder Anpassungen durchführen, vielleicht sogar das
Vorhaben ganz stoppen oder im Extremfall sogar zurücknehmen.
Es ist klug, in der ersten Phase immer mit den Zielen der Veränderung (den Objectives)
zu beginnen. Sie sind meist am unkritischsten und für sie wird man dann auch noch am
ehesten Unterstützung bekommen. Erst bei den Details beginnen dann erfahrungsgemäß die
Streitigkeiten.
In Summe muss es mehr Gewinner als Verlierer geben
Bei jeder Veränderung wird es auch Verlierer geben. Durchsetzbar sind deshalb nur
jeden Deals, die in Summe mehr Gewinn als Verlust erbringen.
Leider gilt diese vernünftige Vorgangsweise in Mediengesellschaften nur
eingeschränkt. Dort ist nur noch durchsetzbar, was in den Medien vermittelbar ist, eine
perfekte Grundlage für den Populismus.
Subsidiariät
Ein wichtiges Prinzip
(die niedrigst mögliche Ebene entscheidet über die notwendigen Veränderungen), das
ziemlich allgemein eingesetzt werden kann. Die Schwierigkeit bei der Anwendung liegt in
der Definition, wer oder was denn die niedrigst mögliche Ebene ist. Je nach
Weltanschauung ist nun alles Chefsache oder auch Privatsache. Dazwischen liegen Welten.
Vermeiden von unkontrolliertem Wachstum
Will man es bei Veränderungen allen recht machen, dann lässt man sowohl die alten,
wie auch die neuen, Regeln gleichzeitig zu. Für eine absehbare Übergangszeit wird dies
vernünftig sein, langsfristig führt dies zu Wucherungen, die in einem Chaos enden.
Gerade Konsensgesellschaften - wie Deutschland - fallen häufig in diese Falle.
Unerwünschtes Wachstum in Zusammenhang mit Veränderungen muss deshalb bekämpft
werden, sollen Systeme weiterhin funktionieren. Es gibt dazu viele Managementmethoden, von
denen ich zwei wichtige hier anführe.
Eines ist die Deckelung, die in den verschiedensten Variationen auftritt. Ein
sinnvoller, leicht überprüfbarer Parameter wird festgeschrieben und gedeckelt, d.h. er
darf auf keinen Fall überschritten werden. Die Einkindehe in China, die Haushaltsperre in
Staatsbudgets, der Headcount (die Anzahl der Mitarbeiter) in einer Produktionsstätte sind
aktuelle Bespiele.
Die praktische Schwierigkeit liegt im Finden des sinnvollen Parameters. Wählt man
etwas, was z.B. durch Märkte definiert wird (z.B. Managergehälter), dann wird es nicht
funktionieren.
Das zweite Beispiel aus der Praxis ist die "Attrition", gemeint ist hier das
Reduzieren der Belegschaft durch natürlichen Abgang. Wer kündigt oder altersbedingt
ausscheidet, wird nicht mehr ersetzt. Ich reihe in diese Kategorie auch das Fasten oder
eine temporäre, selbst verordnete Konsumsperre ein.
Attrition ist ein gutes Beispiel, wie man auch den Niedergang erfolgreich managen kann.
Viele unserer Denkmuster sind ausschließlich auf Wachstum fixiert und wir haben nur
wenige Methoden, das Schrumpfen, den Verlust oder den Niedergang zu bewältigen.
Förderung von Kreativität, auch durch Not und Zwang
Es ist für mich immer wieder erstaunlich, was man verändern und meist auch verbessern
kann, wenn man gezwungen wird, sich einzuschränken. Es heißt nicht umsonst "Not
macht erfinderisch" (Necessity is the mother of invention). Wenn Freiheit nun eine
Grundvoraussetzung für Kreativität ist, wie passt das dann mit der Not zusammen?
Um Veränderungen im großen Stil zu erreichen, bedarf es vieler Komponenten, von denen
die Inspiration nur eine einzige ist. "Genie ist ein Prozent Inspiration und
neunundneunzig Prozent Transpiration" soll Thomas Alva Edison
dazu gesagt haben. Große Mühen und Anstrengungen nehmen Menschen nur in Notzeiten oder
unter massivem Zwang in Kauf.
Auch fragt in wirklich schwierigen Zeiten niemand mehr nach Patentschutz, nach
Copyright, was erlaubt ist, was politisch korrekt ist oder was die Leute dazu sagen.
Gemacht und durchgesetzt wird, was funktioniert, was schnell hilft und was man sich
leisten kann. Es ist also eine andere Form der Freiheit, die hier zum Tragen kommt.
Zum Glück können wir uns in unseren reichen Ländern andere Massstäbe leisten. Aber
wir sind nicht allein auf der Welt und unsere Normen gelten nicht überall.
Unsere Basis für Kreativität, für die Schöpfung von Neuem, sind Freiheit,
Vielfältigkeit, Toleranz, Wohlstand, Lebensfreude, sowie technisches und kaufmännisches
Know-How. Das klassische Beispiel, wo dies alles zusammenkommt, ist immer noch Kalifornien
mit seinem Silicon Valley. Ich erwarte allerdings, dass auch andere Plätze der Welt, wo
man diese Voraussetzungen nicht alle finden wird, ebenfalls durch Kreativität überzeugen
werden.
Mitbeteiligung (Involvement), Top Down Vorbilder
Will man große Veränderungen erreichen, dann bedarf es vieler Menschen, die alle an
einem Strang in die gleiche Richtung ziehen. In der Praxis haben nun viele Menschen auch
viele verschiedene Meinungen und sie alle in eine Richtung zu bewegen, wird schwierig
werden.
Es gibt nun Möglichkeiten viele Menschen zu erreichen, in dem man alle mitwirken
lässt. Dies funktioniert gelegentlich tatsächlich, kostet aber auch oft zu viel Zeit.
Leichter geschieht dies durch Idole, die zu generieren in unserer Mediengesellschaft
kein großer Aufwand mehr ist und denen viele nachzustreben versuchen. Ich nenne sie die
Top-Down Vorbilder, die nachgeahmt werden, ohne dass über ihre Anliegen viel diskutiert
wird.
Waren es früher die Könige, später andere Führer, die nachgemacht wurden und die zu
Massenbewegungen führten, dann sind es heute andere Vorbilder. Sehr reiche Menschen
gehören dazu, ebenso Sportstars (die damit auch sehr reich werden), immer noch sind
religiöse Führer (Gurus) auch Idole. Temporär sind Musikstars, Schauspieler,
Entertainer und und andere Medienlieblinge Vorbilder, aber ihre Verweildauer am
Sternenhimmel der Berühmtheiten wird immer kürzer, weil es stets neue, andere, gibt, die
sie ablösen.
Sichtbarmachen und Belohnen
Diese wichtige Phase bei Veränderungen wird meist vergessen. In der Politik führt das
dazu, dass die Menschen müde werden, sei klinken sich einfach aus.
Ist das Ziel mal erst mal erreicht, dann ist es auch schon vergessen. Keine Feier, kein
Lob, keine Anerkennung, oft auch kein Lohn, kein Wunder, dass sich die Menschen abwenden
und lieber ihre Ruhe suchen, als das Engagement.
Oft gibt es nur noch einen Sieger und alle anderen, die sich auch angestrengt haben,
werden nur noch als Verlierer abgestempelt. Dabei sein ist nicht mehr alles, zu gewinnen
ist das alleinige Ziel.
Schade, kann ich nur dazu sagen.
Die richtige Balance zwischen Verändern und Bewahren zu finden, ist sowohl im
persönlichen Bereich, bis hin zur großen Politik, eine schwierige Aufgabe, die man oft
üben muss, bis man sie so gut beherrscht, dass man sie in vielen Fällen finden wird.
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