Die Praxilogie ?!

An Aktien wird langfristig kein Weg vorbeiführen. Selbst nach langen Baissen bin ich dieser Meinung. Aber da ich auch viel Geld mit Aktien verloren habe, will ich das Gelernte hier gerne weitergeben. Besonders bei diesem Kapitel sollte man bedenken, dass meine Tipps nicht unbedingt immer erfolgreich sein müssen und ich auch hier selbstverständlich keine Garantie übernehmen kann.

Entscheidend für die Lage der Weltwirtschaft ist vor allem immer die politische und wirtschaftliche Situation in den USA. Sie wird am stärksten Haussen (Zeiten ansteigender Kurse, Bullenmärkte) oder Baissen (Zeiten fallender Kurse, Bärenmärkte) beeinflussen. Viel Geld, das an den Weltbösen fließt, stammt aus den USA. Mit dieser Dominanz sind alle anderen Börsen nur zeitversetzte "Filialen" von New York. Es lohnt sich daher, Nachrichten aus den USA zu verfolgen. Wie stark diese dann allerdings die deutsche Volkswirtschaft treffen, dafür ist dann die politische und wirtschaftliche Führung hierzulande zuständig.

1. Man muss sich selbst um sein Geld kümmern (können)

Nach vielen Flops mit sogenannten "Experten" misstraue ich ihnen inzwischen allen. Wirtschaftliche Prognosen sind wie Wettervorhersagen, man kann darüber langfristig keine verbindlichen Aussagen machen. Vor allem durch Berater einiger Banken habe ich das meiste Geld verloren. "Leben Sie, wir kümmern uns um die Details", hat z.B. bei mir absolut nicht funktioniert. Werbung kann so viel versprechen. Die Vergangenheit erlaubt keine gültigen Aussagen über die Zukunft, wenn sich das Umfeld so schnell ändert. Aber auch mit 'guten Freunden', die mir 'gute Tipps' gegeben haben, bin ich auch nicht viel besser gefahren.

Wer also Geld anlegen will, muss selbst wissen, was er oder sie tut. Das führt zu ganz primitiven Strategien, die ich aber trotzdem für effektiv halte. Und selbstverständlich braucht man dazu Hilfsmittel, um über sein Vermögen Buch zu führen. Ich verwende dazu bequemerweise Quicken, aber eine ganz simple Tabelle im Computer tut es auch.

Wer natürlich bessere Kenntnisse hat und mehr Aufwand betreibt, wird es zu höheren Renditen bringen. Aber für Nicht-Profis wird einfach der Zeitaufwand für kompliziertere Vorgehensweisen zu groß werden. Leider wird durch Gier von dieser Regel der Vernunft oft abgewichen. Steuerliche Fragen halte ich i.A. für sekundär. Wer sehr gut verdient, kann auch Steuern zahlen. Und wer aus Angst vor Steuern lieber Verluste macht, ist schlecht beraten.

2. Aktien sind riskant

Daher nie alles Geld in Aktien anlegen. Die alte Regel maximal (100 - Lebensalter) % anzulegen, schützt nur die älteren Menschen. D.h. ein 60jähriger sollte nie mehr als 40% in Aktien oder Fonds anlegen. Junge Menschen können zwar größere Risiken eingehen, weil sie sich von entstehenden Schäden wieder erholen können, aber auch sie sollten sich des Risikos bewusst sein und zuerst dafür sorgen, dass sie z.B. eine eigene, kleine Wohnung haben oder ein schuldenfreies Auto fahren, bevor sie in Aktien investieren. Wer wissen will, ob er sich auf Aktien einlassen soll, kann mit einem Übungsdepot zuerst mal einige Zeit üben.

Dass man als Laie nie Schulden macht, um Aktien zu kaufen, versteht sich von selbst. Leider wird gerade diese Regel in Hausse-Zeiten oft durchbrochen, sonst könnte es nicht diese Blasen geben, die dann so schmerzlich platzen. Wer wissen will, in welcher wirtschaftlichen Phase wir uns in Deutschland gerade befinden, kann sich in Fachjournalen informieren.

3. Ein eigenes Konto

Ohne eigenes Konto geht es nicht, auch Ehepartner sollten jeweils auch ein eigenes Konto haben. Der wesentliche Unterschied, durch den sich für mich Banken unterscheiden, sind die Gebühren. Das heißt die beste Bank ist die, die gerade noch alle notwendigen Dienstleistungen bietet und dabei die niedrigsten Gebühren hat. Dabei sollte man die Gesamtkosten der notwendigen Transaktionen im Auge haben und auch den Zeitaufwand, Telefongebühren etc. mit betrachten. Die Fragen des Prestiges, des Images sind nahezu uninteressant, auch wenn sie in der Werbung eine große Rolle spielen. Als Minimum an Leistungen wird man auch eine Geldkarte und Kreditkarte brauchen. Wer älter ist, wird auch ein Schließfach benötigen.

3. Den sicheren Geldhafen gibt es nicht mehr

Eine sichere Anlage waren die Produkte der deutschen Finanzagentur. Leider steigt sie ab 2013 aus dem Privatkundengeschäft aus, eine in meinen Augen unkluge Entscheidung, die dem Image des Finanzstandortes Deutschland sehr schadet. Einen gleichwertigen Ersatz dafür sehe ich in Deutschland nicht. Also bleibt nichts anderes übrig, als das Geld so zu verteilen, dass man bei jeder Bank das Limit der Einlagensicherung nicht übersteigt. Bei einer großen Krise wird dies aber wenig nützen, denn dann stürzen alle Banken ab.

4. Das Depot bei einem Online-Broker

Wer Aktien kaufen oder verkaufen will, braucht einen Broker. Für Online-Broker sprechen vordergründig Geschwindigkeit und niedere Gebühren. Aber viel wichtiger sind mir die Eigenverantwortung, das Vermeiden von Kommunikationsproblemen und vor allem das Informiertsein über das eigene Vermögen. Wer sich erkundigen will, hier ist ein Vergleich  der Online-Broker

5. Welche Aktien wann kaufen?

Mit speziellen Aktien und Fonds habe ich schlechte Erfahrung, ich kaufe nur noch Index-Zertifikate (mit unbegrenzten Fälligkeitsterminen) von sogenannten Blue-Chips, d.h. Standard Aktien mit hohem Ansehen, die auch stark gehandelt werden. Damit vermeide ich viele Probleme. Erstens erreiche ich dadurch Streuung, dann gibt es dazu immer Käufer, Indizes springen nicht so stark und sie werden in allen Medien ständig publiziert. Welche Indizes, das ist vor allem politisches Kalkül. Zur Zeit kann man sich in Deutschland auf den DAX beschränken. Sein Wert ist praktisch minutengenau immer im Fernsehen sehen.

Wichtiger als "welche Aktien" sind die Fragen "wann kaufen" und "wann verkaufen". Wenn die Kurse steigen (Bullenmärkte) kann man immer einsteigen, es ist nie zu früh oder zu spät und das Engagement in Aktien lohnt sich m.M. nach immer. Voraussetzung ist allerdings das Setzen von Stopp-Loss Limits, die man mindestens einmal monatlich überprüfen muss. Umgekehrt lohnt es sich bei sinkenden Kursen (Bärenmärkte) für Laien überhaupt nicht in Aktien zu investieren. Profis können auch hier gut verdienen, aber für Laien ist dies zu kompliziert und auch zu riskant. Konkret heißt dies, dass es lange Zeiträume gibt, in denen Aktien tabu sein sollten.

Haussen und Baissen sind wie Jahreszeiten, nur dass ihre Dauer nicht so klar vorhersehbar ist. Auch in der Natur würde es keinem Kleingärtner einfallen, Gemüse im Winter zu ziehen, sondern er macht es nur im Sommer. Da wächst dann fast alles. Aber der Profi-Gärtner kriegt es mit entsprechendem Aufwand auch hin, im Winter Produkte zur Reife zur bringen. Allerdings korrelieren die Jahreszeiten in der Natur und an der Börse nicht. Und wenn, dann ist der Winter die fruchtbare Saison (Sell in May and stay away!)

Ich selbst würde mich nie in Optionen (Kurswetten) engagieren (außer in Index-Zertifikate, die streng genommen auch Optionen sind), auch wenn die Verlockung groß ist. Alle die Erfolgsstories, die man hier zu hören bekomme, vergisst man am besten sofort wieder. Denn ich weiß, dass die vielen Verluste in den Gesprächen unerwähnt bleiben. Leider wecken gerade diese übertriebenen Stories die Gier nach noch mehr Geld und diese führt dann zu den großen Verlusten.

Wer Index-Zertifikate kauft, z.B. DAX Index, sollte vor allem darauf achten, wer der Herausgeber ist. Geht diese Bank pleite, ist das ganze Geld weg, dass der DAX noch existiert, ist dabei Nebensache. Ebenfalls sollten sie "open end" sein, damit man die Freiheit hat, sie beliebig lange halten zu können. Im Gegensatz zu Index Fonds haben sie keine Gebühren und in vielen Vergleichen schneidet der einfache Index meist besser ab, als ein raffinierter Cocktail.

Die schwierigste aller Fragen ist "wann verkaufen". Es gibt für mich vier gute Gründe zu verkaufen.

1. Ich brauche das Geld für solide andere Investitionen, z.B. die eigene Wohnung.
2. Ich habe genug (z.B. mehr als 20% pro Jahr, über einen längeren Zeitraum) verdient.
3. Es zeichnet sich eine Baisse ab.
4. Die Aktiengewinne sind steuerfrei geworden.

Der dritte Grund ist oft nicht leicht entscheidbar. Wenn die Gebühren für Transaktionen niedrig (wie beim Online-Broker) sind, kann man hier ruhig öfter mal verkaufen und dann wieder nachkaufen, wenn auch sonst die allgemeine Regel "Mit Hin und Her wird's weniger" gilt. Je größer man die Bandbreite zulässt, um so weniger wird man umschichten  müssen. Mein Prozentsatz für Verkauf bei sinkenden Kursen ist bei 15 % vom Maximum in den letzten 12 Monaten oder vom Einkaufspreis. Damit hat man viele Schwankungen ausgeglichen. Sicherlich gibt es dafür bessere und genauere Methoden, aber 15% erscheinen mir immer noch vernünftig.

Der vierte Grund sichert die Steuerfreiheit seiner Gewinne. Hier wird nur verkauft, damit man einen Vorgang abgeschlossen hat und ein neue Basis entsteht. Da dies viele machen, sind Jahrestage von Aktientiefstständen besonders kritisch!

Hat man viel "Spielgeld", das heißt Geld, das auch verloren gehen kann, dann kann man natürlich auch auf einzelne Werte setzen. Aber auch hier sollte man sich auf die Blue-Chips beschränken, möglicherweise auch auf andere Nebenwerte, die eine gesunde wirtschaftliche Basis haben.

Wer doch in Fonds anlegen will, der sollte monatlich immer den gleichen Betrag dafür vorsehen. So kauft man in billigeren Zeiten mehr und in teuren Zeiten weniger (Cost Average Prinzip)

Nicht empfehlen kann ich das Pokern auf Firmen, die große Probleme haben, auch wenn man hier u.U. viel verdienen kann. Dies mag zwar reizvoll sein, aber eine vernünftige Geldanlage ist es i.A. nicht.

6. Fehlmeinungen und bewährte Regeln

André Kostolany war ein unterhaltsamer Plauderer über Börsenpsychologie und ich habe ihm auch gerne zugehört. Aber mit seiner Ansicht Blue-Chips zu kaufen und sich dann nicht mehr darum zu kümmern ("buy and hold"), hat er vielen Menschen z.B. nach dem Börsengang der Telekom einen Haufen Geld weggenommen. Wer Aktien im Depot hat, muss sich darum kümmern. Aktien sind wie Lebewesen, wie Pflanzen oder Haustiere, sie brauchen Zeit für die Pflege. Wer dies nicht tun will oder kann, sollte sein Geld anders anlegen.

Es ist unwahrscheinlich, langfristig mehr als 10-12% pro Jahr an der Börse verdienen zu können. Wer dies verspricht, dem sollten wir misstrauen. Dazu gehörten auch Geschäftsmodelle, die auf höhere Renditen bauten, wie der "Neue Markt", der zwar für kurze Zeit für Furore gesorgt hat, bevor er dann schmerzhaft zu Grabe getragen wurden.

Gold hat für mich seine Bedeutung als Geldanlage verloren. Genauso attraktiv scheint mir in wirklichen Krisenzeiten Bargeld in Euro und/oder Dollar zu sein, das im Schließfach sicher schlummert.

Wenn schon Edelmetall, dann lieber Silber oder Platin. Beide sind weniger als Schmuck, sondern als Rohstoff für die Industrie von Bedeutung. Silber hat den Vorteil einer geringeren Wertedichte, das heißt man kann in echten Krisenzeiten mit weniger Verlust Teile davon verkaufen.

Sammlungen aller Art (z.B. Briefmarken, Uhren, Kunst) sind keine gute Geldanlage. Sie legt man sich zu, weil man daran Freude hat. Anders ist die Situation bei Immobilien (Betongold). Stimmt die Lage, kann man damit ganz gut verdienen. Im Gegensatz zu Geld oder Aktien, sind sie aber nur sehr aufwändig zu verwalten.

"Kaufen, wenn die Kanonen donnern", ist immer noch eine gute Regel, um bei oder vor Kriegsbeginn billig Aktien einkaufen zu können.

Immer Bargeld übrig lassen, damit man u.U. auch nachkaufen kann. Und damit man für Unvorhergesehenes gerüstet bleibt. Wie hoch dieser Anteil ist, wird von den persönlichen Lebensumständen abhängen. Ein bis drei Monatsgehälter scheinen mir vernünftig zu sein.

Aktien sind keine Einbahnstraßen, weder nach oben, noch nach unten, das wird immer stimmen. Praktisch heißt dies kontinuierliche Vorsicht und regelmäßige überprüfung (mindestens einmal pro Monat) seines Vermögens. Wer also immer nur ruhig schlafen will, lasse die Finger von Aktien.

7. Realistische Zusammenfassung

Mehr als 4% in Baissezeiten (durch festverzinsliche Papiere) und 12% in Haussezeiten Zinsen pro Jahr sind unwahrscheinlich. Wer höhere Renditen haben will, sollte Unternehmer werden und seine Kraft und sein Vermögen in den Aufbau der eigenen Firma stecken. Damit kann man wirklich was verdienen, allerdings auch mit wirklichem Einsatz.

Wichtiger als der Besitz von Geld ist, was man daraus macht. Sich nur aufs Geld zu konzentrieren macht das Leben arm und bitter. Nie vergessen, Reiche werden oft so geizig, dass sie sich überhaupt keine Freude mehr gönnen können.


 

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