Aktien und Geldanlage
An Aktien wird langfristig kein Weg vorbeiführen. Selbst nach langen Baissen bin ich
dieser Meinung. Aber da ich auch viel Geld mit Aktien verloren habe, will ich das Gelernte
hier gerne weitergeben. Besonders bei diesem Kapitel sollte man bedenken, dass meine Tipps
nicht unbedingt immer erfolgreich sein müssen und ich auch hier selbstverständlich keine
Garantie übernehmen kann.
Entscheidend für die Lage der Weltwirtschaft ist vor allem immer die politische und
wirtschaftliche Situation in den USA. Sie wird am stärksten Haussen (Zeiten ansteigender
Kurse, Bullenmärkte) oder Baissen (Zeiten fallender Kurse, Bärenmärkte) beeinflussen.
Neunzig Prozent des Geldes, das an den Weltbösen fließt, stammt aus den USA. Mit dieser
Dominanz sind alle anderen Börsen nur zeitversetzte "Filialen" von New York. Es
lohnt sich daher, Nachrichten aus den USA zu verfolgen. Wie stark diese dann allerdings
die deutsche Volkswirtschaft treffen, dafür ist dann die politische und wirtschaftliche
Führung hierzulande zuständig.
1. Man muss sich selbst um sein Geld kümmern (können)
Nach vielen Flops mit sogenannten "Experten" misstraue ich ihnen inzwischen
allen. Wirtschaftliche Prognosen sind wie Wettervorhersagen, man kann darüber langfristig
keine verbindlichen Aussagen machen. Vor allem durch Berater einiger Banken habe ich das
meiste Geld verloren. "Leben Sie, wir kümmern uns um die Details", hat z.B. bei
mir absolut nicht funktioniert. Werbung kann so viel versprechen. Die Vergangenheit
erlaubt keine gültigen Aussagen über die Zukunft, wenn sich das Umfeld so schnell
ändert. Aber auch mit 'guten Freunden', die mir 'gute Tipps' gegeben haben, bin ich auch
nicht viel besser gefahren.
Wer also Geld anlegen will, muss selbst wissen, was er oder sie tut. Das führt zu ganz
primitiven Strategien, die ich aber trotzdem für effektiv halte. Und selbstverständlich
braucht man dazu Hilfsmittel, um über sein Vermögen Buch zu führen. Ich verwende dazu
bequemerweise Quicken, aber eine ganz simple Tabelle im Computer tut es auch.
Wer natürlich bessere Kenntnisse hat und mehr Aufwand betreibt, wird es zu höheren
Renditen bringen. Aber für Nicht-Profis wird einfach der Zeitaufwand für kompliziertere
Vorgehensweisen zu groß werden. Leider wird durch Gier von dieser Regel der Vernunft oft
abgewichen. Steuerliche Fragen halte ich i.A. für sekundär. Wer sehr gut verdient, kann
auch Steuern zahlen. Und wer aus Angst vor Steuern lieber Verluste macht, ist schlecht
beraten.
2. Aktien sind riskant
Daher nie alles Geld in Aktien anlegen. Die alte Regel maximal (100 - Lebensalter) %
anzulegen, schützt nur die älteren Menschen. D.h. ein 60jähriger sollte nie mehr als
40% in Aktien oder Fonds anlegen. Junge Menschen können zwar größere Risiken eingehen,
weil sie sich von entstehenden Schäden wieder erholen können, aber auch sie sollten sich
des Risikos bewusst sein und zuerst dafür sorgen, dass sie z.B. eine eigene, kleine
Wohnung haben oder ein schuldenfreies Auto fahren, bevor sie in Aktien investieren. Wer
wissen will, ob er sich auf Aktien einlassen soll, kann mit einem Übungsdepot zuerst mal
einige Zeit üben.
Dass man als Laie nie Schulden macht, um Aktien zu kaufen, versteht sich von selbst.
Leider wird gerade diese Regel in Hausse-Zeiten oft durchbrochen, sonst könnte es nicht
diese Blasen geben, die dann so schmerzlich platzen. Wer wissen will, in welcher
wirtschaftlichen Phase wir uns in Deutschland gerade befinden, kann sich in Fachjournalen
informieren.
3. Ein eigenes Konto
Ohne eigenes Konto geht es nicht, auch Ehepartner sollten jeweils auch ein eigenes
Konto haben. Der wesentliche Unterschied, durch den sich für mich Banken unterscheiden,
sind die Gebühren. Das heißt die beste Bank ist die, die gerade noch alle notwendigen
Dienstleistungen bietet und dabei die niedrigsten Gebühren hat. Dabei sollte man die
Gesamtkosten der notwendigen Transaktionen im Auge haben und auch den Zeitaufwand,
Telefongebühren etc. mit betrachten. Die Fragen des Prestiges, des Images sind nahezu
uninteressant, auch wenn sie in der Werbung eine große Rolle spielen. Als Minimum an Leistungen wird man auch eine Geldkarte und Kreditkarte
brauchen. Wer älter ist, wird auch ein Schließfach benötigen.
3. Der sichere Geldhafen
Als sichere Anlage halte ich die Bundesschatzbriefe. Ihre Verwaltung bei der
Bundeswertpapierverwaltung ist kostenfrei, sie sind inzwischen einfach zu erwerben,
können nach einem Jahr schon wieder verkauft werden und bringen akzeptable Zinsen. Auch
ist man mit ihnen mobil, man kann sie von überall managen, ist also nicht an einen
Berater vor Ort gebunden, was für junge Menschen besonders wichtig werden kann.
Wer ganz wenig Arbeit damit haben will, legt auch Zinsen und abgelaufene Verträge
wieder automatisch bei der BWV an und bekommt so einen problemlosen und meiner Meinung
nach sicheren Hafen für sein Erspartes. Und in Baisse-Zeiten, in denen sich der
Aktienhandel für Laien nicht lohnt, sind 2,5 % Zinsen immer noch besser als 50% Verlust!
4. Das Depot bei einem Online-Broker
Wer Aktien kaufen oder verkaufen will, braucht einen Broker. Für Online-Broker
sprechen vordergründig Geschwindigkeit und niedere Gebühren. Aber viel wichtiger sind
mir die Eigenverantwortung, das Vermeiden von Kommunikationsproblemen und vor allem das
Informiertsein über das eigene Vermögen. Leider hat jeder der Online-Boker, den ich
ausprobiert hat, Nachteile, so dass ich hier keinen wirklich uneingeschränkt - ohne
Kompromisse einzugehen - empfehlen kann.
5. Welche Aktien wann kaufen?
Mit speziellen Aktien und Fonds habe ich schlechte Erfahrung, ich kaufe nur noch
Index-Zertifikate (mit unbegrenzten Fälligkeitsterminen) von sogenannten Blue-Chips, d.h.
Standard Aktien mit hohem Ansehen, die auch stark gehandelt werden. Damit vermeide ich
viele Probleme. Erstens erreiche ich dadurch Streuung, dann gibt es dazu immer Käufer,
Indizes springen nicht so stark und sie werden in allen Medien ständig publiziert. Welche
Indizes, das ist vor allem politisches Kalkül. Zur Zeit kann man sich in Deutschland auf
den DAX beschränken. Sein Wert ist praktisch minutengenau immer im Fernsehen sehen.
Wichtiger als "welche Aktien" sind die Fragen "wann kaufen" und
"wann verkaufen". Wenn die Kurse steigen (Bullenmärkte) kann man immer
einsteigen, es ist nie zu früh oder zu spät und das Engagement in Aktien lohnt sich m.M.
nach immer. Voraussetzung ist allerdings das Setzen von Stopp-Loss Limits, die man
mindestens einmal monatlich überprüfen muss. Umgekehrt lohnt es sich bei sinkenden
Kursen (Bärenmärkte) für Laien überhaupt nicht in Aktien zu investieren. Profis
können auch hier gut verdienen, aber für Laien ist dies zu kompliziert und auch zu
riskant. Konkret heißt dies, dass es lange Zeiträume gibt, in denen Aktien tabu sein
sollten.
Haussen und Baissen sind wie Jahreszeiten, nur dass ihre Dauer nicht so klar
vorhersehbar ist. Auch in der Natur würde es keinem Kleingärtner einfallen, Gemüse im
Winter zu ziehen, sondern er macht es nur im Sommer. Da wächst dann fast alles. Aber der
Profi-Gärtner kriegt es mit entsprechendem Aufwand auch hin, im Winter Produkte zur Reife
zur bringen. Allerdings korrelieren die Jahreszeiten in der Natur und an der Börse nicht.
Und wenn, dann ist der Winter die fruchtbare Saison (Sell in May and stay away!)
Ich selbst würde mich nie in Optionen (Kurswetten) engagieren (außer in
Index-Zertifikate, die streng genommen auch Optionen sind), auch wenn die Verlockung groß
ist. Alle die Erfolgsstories, die man hier zu hören bekomme, vergisst man am besten
sofort wieder. Denn ich weiß, dass die vielen Verluste in den Gesprächen unerwähnt
bleiben. Leider wecken gerade diese übertriebenen Stories die Gier nach noch mehr Geld
und diese führt dann zu den großen Verlusten.
Die schwierigste aller Fragen ist "wann verkaufen". Es gibt für mich vier
gute Gründe zu verkaufen.
1. Ich brauche das Geld für solide andere Investitionen, z.B. die eigene Wohnung.
2. Ich habe genug (z.B. mehr als 20% pro Jahr, über einen längeren Zeitraum) verdient.
3. Es zeichnet sich eine Baisse ab.
4. Die Aktiengewinne sind steuerfrei geworden.
Der dritte Grund ist oft nicht leicht entscheidbar. Wenn die Gebühren für
Transaktionen niedrig (wie beim Online-Broker) sind, kann man hier ruhig öfter mal
verkaufen und dann wieder nachkaufen, wenn auch sonst die allgemeine Regel "Mit Hin
und Her wird's weniger" gilt. Je größer man die Bandbreite zulässt, um so weniger
wird man umschichten müssen. Mein Prozentsatz für Verkauf bei sinkenden Kursen ist
bei 15 % vom Maximum in den letzten 12 Monaten oder vom Einkaufspreis. Damit hat man viele
Schwankungen ausgeglichen. Sicherlich gibt es dafür bessere und genauere Methoden, aber
15% erscheinen mir immer noch vernünftig.
Der vierte Grund sichert die Steuerfreiheit seiner Gewinne. Hier wird nur verkauft,
damit man einen Vorgang abgeschlossen hat und ein neue Basis entsteht. Da dies viele
machen, sind Jahrestage von Aktientiefstständen besonders kritisch!
Hat man viel "Spielgeld", das heißt Geld, das auch verloren gehen kann, dann
kann man natürlich auch auf einzelne Werte setzen. Aber auch hier sollte man sich auf die
Blue-Chips beschränken, möglicherweise auch auf andere Nebenwerte, die eine gesunde
wirtschaftliche Basis haben.
Wer doch in Fonds anlegen will, der sollte monatlich immer den gleichen Betrag dafür
vorsehen. So kauft man in billigeren Zeiten mehr und in teuren Zeiten weniger (Cost
Average Prinzip)
Nicht empfehlen kann ich das Pokern auf Firmen, die große Probleme haben, auch wenn
man hier u.U. viel verdienen kann. Dies mag zwar reizvoll sein, aber eine vernünftige
Geldanlage ist es i.A. nicht.
6. Fehlmeinungen und bewährte Regeln
André Kostolany war ein unterhaltsamer Plauderer über Börsenpsychologie und ich habe
ihm auch gerne zugehört. Aber mit seiner Ansicht Blue-Chips zu kaufen und sich dann nicht
mehr darum zu kümmern ("buy and hold"), hat er vielen Menschen z.B. nach dem
Börsengang der Telekom einen Haufen Geld weggenommen. Wer Aktien im Depot hat, muss sich
darum kümmern. Aktien sind wie Lebewesen, wie Pflanzen oder Haustiere, sie brauchen Zeit
für die Pflege. Wer dies nicht tun will oder kann, sollte sein Geld anders anlegen.
Es ist unwahrscheinlich, langfristig mehr als 10-12% pro Jahr an der Börse verdienen
zu können. Wer dies verspricht, dem sollten wir misstrauen. Dazu gehören auch
Geschäftsmodelle, die auf höhere Renditen bauen, wie der "Neue Markt", die
zwar für kurze Zeit für Furore gesorgt haben, bevor sie dann schmerzhaft zu Grabe
getragen wurden.
Gold hat für mich seine Bedeutung als Geldanlage verloren. Genauso attraktiv scheint
mir in wirklichen Krisenzeiten Bargeld in Euro und/oder Dollar zu sein, das im
Schließfach sicher schlummert.
"Kaufen, wenn die Kanonen donnern", ist immer noch eine gute Regel, um bei
oder vor Kriegsbeginn billig Aktien einkaufen zu können.
Immer Bargeld übrig lassen, damit man u.U. auch nachkaufen kann. Und damit man für
Unvorhergesehenes gerüstet bleibt. Wie hoch dieser Anteil ist, wird von den persönlichen
Lebensumständen abhängen. Ein bis drei Monatsgehälter scheinen mir vernünftig zu sein.
Aktien sind keine Einbahnstraßen, weder nach oben, noch nach unten, das wird immer
stimmen. Praktisch heißt dies kontinuierliche Vorsicht und regelmäßige Überprüfung
(mindestens einmal pro Monat) seines Vermögens. Wer also immer nur ruhig schlafen will,
lasse die Finger von Aktien.
7. Realistische Zusammenfassung
Mehr als 4% in Baissezeiten (durch festverzinsliche Papiere) und 12% in Haussezeiten
Zinsen pro Jahr sind unwahrscheinlich. Wer höhere Renditen haben will, sollte Unternehmer
werden und seine Kraft und sein Vermögen in den Aufbau der eigenen Firma stecken. Damit
kann man wirklich was verdienen, allerdings auch mit wirklichem Einsatz.
Wichtiger als der Besitz von Geld ist, was man daraus macht. Sich nur aufs Geld zu
konzentrieren macht das Leben arm und bitter. Nie vergessen, Reiche werden oft so geizig,
dass sie sich überhaupt keine Freude mehr gönnen können.
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