Warten
Warten kommt im Geschäftsleben - und nicht nur dort - sehr oft vor. Da Warten im
Normalfall als vertane Zeit angesehen wird, ist es mehr als sinnvoll, über das Warten
nachzudenken.
Es gibt inzwischen Spezialfirmen, die Beratung für alle Aspekte des Wartens anbieten.
Ist man einmal auf diesen Themenkreis aufmerksam gemacht worden, dann wird man vieles
entdecken, wie man das Warten positiv verändern kann.
Niemand wartet gerne, selbst Leute die viel Zeit haben, fühlen sich in der Wartezeit
fremdbestimmt und meiden das Warten. Und oft kann man das Warten auch vermeiden, durch
Pünktlichkeit und Planung, besonders durch das Einplanen von Zeitpuffern.
Modernes Reisen ist Warten
und Hetzen. |
Wenn der Arzt nicht zu eng seine Termine planen läßt, sondern zwischen
den Patienten Zeitpuffer vorsieht, wird ein Patient weniger zu warten haben. Wenn jemand
Angst hat, wird sich so seine Angst nicht aufschaukeln können.
Die Planung sollte auf realistischen, d.h. gemessenen Zeitdaten basieren, und nicht auf
Vorstellungen, wie es eigentlich ablaufen müßte. Zu oft klaffen Vorstellung und
Realität auseinander, wie wir schon beim Zeitmanagement gesehen haben.
Wenn man doch warten muß, dann sollte man zumindest das Gefühl haben, dass sich das
Warten lohnt. Das heißt man muß genau wissen, was man bekommen wird. Auf Kleinigkeiten
sollte man nicht warten müssen!
Gute Beispiele wie man das Warten unterhaltsam und effektiv organisieren kann, bieten
die amerikanischen Vergnügungsparks, wie Disney World. Gelegentlich wird man in diesen
Parks bis zu 90% der Zeit auf irgendwelche Attraktionen warten müssen. Aber wenn man
genau weiß, worauf man wartet, z.B. in dem man die Attraktion beim Warten sehen kann,
werden auch diese Wartezeiten toleriert.
Die Spielregeln des
Wartens
(nach Robert Levine)
- Zeit ist Geld. Warten ist teuer. Drum nütze die Zeit des
Wartens.
- Warten macht arm. Je weniger eine Gesellschaft warten
muss, um so reicher wird sie sein.
- Wir warten auf das, was wir schätzen. Je länger die
Warteschlange, um so wertvoller ist das Produkt.
- Wir schätzen das, worauf wir warten müssen. Wartezeit
erhöht den Wert.
- Der Mächtigere bestimmt, wer wie lange wartet. Komme bei
ihnen nie zu spät.
- Je länger man auf dich wartet, um so höher ist dein
Status. Denn Warten bedeutet auch Respekt.
- Geld verschafft einen Platz vorne in der Warteschlange.
- Wenn man sich in eine Warteschlange drängelt, sollte man
es hinten tun. Dort wird es noch am ehesten akzeptiert.
- Wer warten kann, hat große Vorteile bei
Auseinandersetzungen.
- Nur wer die Rolle der Zeit in einer Kultur versteht, kann
mit dem Warten gut umgehen.
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Fairer wird Warten empfunden, wenn man weiß, wie lange man zu warten
hat und man in einen Warteprozeß integriert wird. Dazu gehört, dass die Ankunft
registriert wird.
Fair ist auch nur eine Warteschlange, das heißt, wer zuerst kommt, wird auch wirklich
zuerst bedient. Bei mehreren Warteschlangen wird immer der Eindruck entstehen, dass eine
andere Schlange früher dran kommt, was - wie alles andere unnötige Warten auch - mit
auch Haß erzeugen kann. Muß es aus bestimmten Gründen mehrere Warteschlangen geben,
dann sollten diese räumlich getrennt sein und sich nicht sehen und damit vergleichen
können.
Am unterhaltsamsten beim
Warten sind andere Menschen. |
Wenn sich trotz guter Organisation und Planung Warten nicht vermeiden
läßt, muß man Nutzen für die Wartezeit anbieten. Der Nutzen kann auch Unterhaltung
sein, indem z.B. Menschen in Gruppen warten und sich während dieser Zeit austauschen
können. Klug ist auch Wartende zu beruhigen oder abzulenken, z.B. mit Musik, Videos oder
auch mit Getränken zu versorgen.
Fast nirgendwo muß soviel gewartet werden und ist soviel Geduld erforderlich wie in
Krankenhäusern und Sanatorien. Das Zurverfügungstellen von Internet-Bildschirmen hat
dazu geführt, dass Menschen ihre lange Wartezeiten mit Internet-Surfen sehr unterhaltsam
- z.B. zur Weiterbildung - nutzen können und durch diese Ablenkung schneller Heilung
erfahren.
Großes gelingt mit
Geduld. |
Obwohl wir alle nicht gerne warten, so schätzen wir es doch wenn auf
uns gewartet wird oder wenn wir sogar erwartet werden. Ich vermute, dass eine Vorliebe
für den Individualverkehr auch daher kommt. Denn das Auto wartet auf uns, der Zug nicht!
Wer mehrere Arbeiten parallel ausführen kann, kann mit Multiprocessing gut Wartezeiten
nützen. Kluge Menschen haben immer einige Tätigkeiten gelistet, die sie dann machen
können, wenn sie warten müssen. Manche Menschen sind oft wahre Künstler in der
Ausnützung der Zeit.
Besonders teuer ist das Warten in Staus. Es ist erschreckend, wie wenig Beachtung hier
in Deutschland fließender Verkehr findet und wie wenig unsere Politik - z.B. durch
vernünftige Geschwindigkeitsbeschränkungen oder andere Ferienregelungen - dagegen
unternimmt.
Abschließend stelle ich fest, dass das Warten eine unserer Zeitkrankheiten ist und
noch ein großes Potenzial vorhanden ist, es zu reduzieren, fairer zu gestalten oder als
Chance zu Unterhaltung, Kommunikation und Weiterbildung es produktiv zu nutzen. Denn wir
dürfen nicht vergessen, dass unser Reichtum von unserer Produktivität abhängt. Und
unsinniges Warten uns alle ärmer macht und sogar - wie im Kommunismus - ganze
Volkswirtschaften in den Ruin treiben kann.
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