Unbeliebt - oder unfähig
In allen diesen Vorschlägen steckt die Grundidee, dass das Suchen der richtigen Mitte
notwendig ist. Ein Zuwenig, wie ein Zuviel, können gleichermaßen Schaden verursachen. Je
nach Umgebung und Nebenbedingungen wird man einen Platz auf der Bandbreite des Managements
zu suchen haben, der passend und angemessen ist. Ich verwende hier gerne auch die Analogie
des Janusgesichts, das gleichzeitig in zwei Richtungen blickt und selbst in der Mitte ist.
Wer die Extreme wählt, ist naiv, er wird schnell als unfähig oder auch als unbeliebt
gelten. Nehmen wir zum Beispiel: Kontrolliere stets alles sorgfältig bis ins Detail. Wer
dies tut, wird seine Mitarbeiter total frustrieren und sie in großer Abhängigkeit
halten. Wer hingegen nie etwas kontrolliert macht sich schuldig, weil er als
Führungskraft doch die Verantwortung trägt. Im Extremfall kann ihn diese Haltung ins
Gefängnis bringen. Wo ist nun der richtige Mittelweg? Je nach Erfahrung der Mitarbeiter,
je nach Risiko, je nach verfügbarer Zeit wird die Mitte eben bei weniger Kontrolle oder
bei mehr Kontrolle sein.
Wer seine Mitarbeiter gut kennt und über ein breites Repertoire an Management-
erfahrung verfügt, wird besser die richtige Mischung finden. Immer ist Augenmaß
angesagt. Es ist zum Beispiel sehr gefährlich zu überreagieren. Wer versucht, für jeden
Fehler immer alle verantwortlich zu machen, schafft sich große Probleme. Gleichmacherei
wird zur Ungerechtigkeit führen.
Wer wegen eines Diebstahls alle Mitarbeiter bis zur Unerträglichkeit kontrolliert,
wird mehr Schaden anrichten, als es der Diebstahl getan hätte. Aber wer kostbare
Ressourcen ungesichert herumliegen läßt, weil er annimmt, in unserer Firma stiehlt doch
niemand, der handelt grob fahrlässig. Denn überall, wo mehrere Menschen zusammen sind,
wird es auch negative menschliche Eigenschaften geben und es wird auch die Gefahr eines
Diebstahls gegeben sein!
Wer kontrollieren muß, tut gut daran, die Art der Kontrolle so anzukündigen, dass man
durch die Kontrolle nicht Unbescholtene verdächtigt. Wer sich korrekt verhält, sollte
nach jeder Kontrolle gering belohnt werden, dies wird dazu führen, dass das positive
Verhalten gefestigt wird.
Gilt es kriminelles Verhalten aufzustöbern, dann werden nicht ausgebildete
Führungskräfte im Normalfall überfordert sein. Dazu schaltet man besser die
entsprechenden Experten, z.B. die Polizei, ein.
Für die Diskussion der einzelnen Themen verweise ich auf mein Buch Die Kunst der Klugheit ,
Lebensweisheiten für Führungskräfte. Dort werden anhand von 300 Regeln, die alle aus
dem frühen 17. Jahrhundert stammen, viele dieser Anweisungen in all ihren Facetten
genauer besprochen.
Unbeliebt oder Unfähig
- Sei mißtrauisch gegenüber jeder neuen oder fremden Idee.
- Bestehe darauf, dass alles deine Zustimmung benötigt.
- Fördere jede Art von Kritik, lobe nur dich selbst.
- Freude, Spaß und Humor sind unnötig und lenken nur ab.
- Bestrafe jedes Problem als Fehlleistung, finde einen
Schuldigen.
- Kontrolliere stets alles sorgfältig bis ins Detail.
- Fälle Entscheidungen heimlich und überrasche alle damit.
- Behandle Information als dir gehörendes und knappes Gut.
- Delegiere alles Unangenehme.
- Vergiß nie, dass du alles selbst besser weißt und
kannst.
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