Das Praxilogie Buch von Dr. Otto Buchegger TübingenSelbständigkeit - Tipps

Beginnt man etwas Neues, etwas was noch nicht am Markt etabliert ist, so ist es sehr hilfreich, wenn man in wenigen Worten, am besten in einem Satz, die Funktion des Geschäftes (genannt Mission) erklären kann. Man wird nämlich mit sehr vielen Menschen darüber reden müssen, vom Bankdirektor, dem man wegen eines Kredites aufsuchen muß bis zu den vielen potentiellen Kunden, die man zu gewinnen hat. Ist die Mission schwierig und nur umständlich zu formulieren, dann wird man große Probleme haben, das Geschäft zum Laufen zu bringen.

Kohärenz hilft dem Kleinstunternehmer beim Start. Am einfachsten ist es, wenn der Firmenname den Gründernamen enthält, dann können alle Infos, Zeitungsmeldungen, Bücher, Vortragsankündigungen, etc. einem Namen zugeordnet werden, zudem wirkt die Firma dadurch etwas realer und auch seriöser.

Gerne wird der administrative Aufwand - selbst bei kleinsten Beratungsunternehmen - unterschätzt. Nicht nur dass die Buchführung stimmt und sauber ist, auch sonst sollte man, wenn es um das Geld geht sich überlegen, wie man vor allem sein Geld wieder schnell zurückbekommt.

Anfänger übersehen oft, dass es z.B. im normalen Geschäftsverkehr bis zu 4 Wochen dauern kann, bis eine Rechnung bezahlt ist. Schnell ist da die Kasse leer! Besonders Ingenieure haben oft wenig Sinn sich um die Administration zu kümmern. Ein Kaufmann im Team ist da wesentlich besser geeignet, den Laden finanziell in Ordnung zu halten.

Viel Kraft wird in der Praxis in die Gewinnung von Kunden gesteckt, die Akquisition. Es gibt wenige Geschäftsfelder, wo es zuviele Kunden gibt und man sich um die Akquisition nicht zu kümmern braucht. Meist ist ein ungeheurer Aufwand notwendig, um genügend Kunden zu gewinnen. Besonders wenn es sich um etwas Neues handelt, werden die meisten Menschen sehr reserviert agieren und nur sehr zögernd zugreifen wollen.

Ein großes Problem ist auch die Finanzierung, besonders am Anfang. Habe ich genügend Geld, um die Durststrecke zu überwinden? Wer gibt mir Geld, wenn ich wider Erwarten noch mehr brauche. Kennt mich meine Bank gut genug, um als Hausbank zu funktionieren? Ist die Bank gleich um die Ecke, im selben Ort, schätzt mich der Bankdirektor? Banken haben durch ihre Finanzkraft große Macht. Behalte ich meine unternehmerische Freiheit oder muß ich bald nur noch den Willen der Bank erfüllen?

Günstig ist es, eine Nische zu betreuen, in der man etwas Spezielles, ganz Besonderes anzubieten hat. Man ist dann vor der Konkurrenz der Großen etwas sicherer und kann sich dadurch solange halten, bis man den Kundenstamm etwas gefestigt hat. Dies ist nur ein Vorteil, wenn man geringe Konkurrenz hat. Der Hauptvorteil ist, dass man das Preisniveau etwas freier festlegen kann und sich nicht auf einen mörderischen Preiskampf einzulassen hat. Preiskämpfe wird man als Anfänger meist nicht gewinnen, dazu fehlen einem einfach die finanziellen Muskeln.

Oft ist das Geschäft ganz allein auf den Unternehmer ausgerichtet und jede Krankheit dieser Zentralperson kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Was passiert jetzt bei einer Krankheit, die vielleicht über mehrere Wochen läuft? Ist der Untergang der Firma damit vorprogrammiert, oder kann jemand einspringen? Betreiben Ehepaare gemeinsam eine Firma, ist das Problem etwas geringer.

Vielleicht hilft es, einen Verwandten, zu dem man auch genügend Vertrauen hat, laufend über das Geschäft informiert zu halten, damit man eine Notvertretung hat. Man will gerne das Risiko einer neuen Firma klein halten, und dazu gehört auch, die Geschäftsgröße klein zu halten.

Aber oft ist eine Minimalgröße durch externe Faktoren vorgegeben. Wer z.B. einen Versandhandel betreibt, muß zumindest die Inserate in den Fachzeitschriften bezahlen können und dazu ist ein gewisser Umsatz notwendig. Dieser Umsatz muß früher oder später erreicht sein, sonst kann die Firma nicht existieren.

Bei erfolgreichen Jungunternehmen kann auch das Wachstum zum Problem werden. Ist genügend Managementpotential vorhanden, um auch eine kleine Gruppe zu führen? Kann man wachsen, sind z.B. die Räume groß genug, ist im Ort genügend Platz? Findet sich Geld, um das Wachstum zu finanzieren?

Jeder Jungunternehmer, jede Jungunternehmerin wird eine Unmenge von Problemen vorfinden, die es zu überwinden gibt. Vielleicht findet sich ein älterer, erfahrener Manager, der hilfreich und am besten natürlich kostenlos, mit viel Rat zur Seite stehen kann, nicht für tägliche Routinearbeit, aber doch für häufiges Befragen.

Im Zeitalter der Frühpensionäre sollte dies schon möglich sein. Unter Umständen ist jemand dankbar, als Senior Experte der Jugend helfen zu können und so eine interessante Aufgabe zu haben und im Kontakt mit der Jugend selbst jung zu bleiben.

In jedem Fall wird neben allem Know-How und Mut immer auch Glück eine Rolle spielen, damit ein Jungunternehmen gelingt. Ebenso wird viel Goodwill und Unterstützung aller notwendig sein, die mit dem Unternehmer im Kontakt sind oder sein müssen, viele Firmen scheitern sonst oder müssen ihre Geschäftsvorstellungen doch radikal verändern und sich an die realen Gegebenheiten anpassen.

Das Geheimnis junger Frauen

Junge Frauen ziehen ledige Männer an,
ledige Männer sind für ledige Frauen attraktiv,
es kommen immer mehr Leute zusammen
und schon kann man gute Geschäfte machen.

In einer komplexen Umwelt ist die Gründung von Unternehmen so ähnlich wie das Setzen von Samenkörnern in einem unbekannten Umfeld. Manche werden auf fruchtbaren Boden fallen und von selbst wachsen und ihre Eigentümer vielleicht sogar zu Millionären werden lassen. Einige wird man speziell düngen oder umsetzen müssen, aber viele sind Opfer des Umfeldes und werden nicht wachsen.

Dies ist tröstlich zu wissen, dass nicht alle erfolgreich sein können, es wäre schön, wenn unsere Gesellschaft die Verlierer nicht bestraft, sondern zumindest honoriert, dass diese jungen Leute Mut gezeigt haben und viel - auch aus ihrem Mißerfolg - gelernt haben.

 

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Das Praxilogie Buch (2009)

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