Das Praxilogie Buch von Dr. Otto Buchegger TübingenSchreiben - Praktische Hinweise

Ich hätte mir als Ingenieur-Student nie gedacht, daß ich im Laufe meines Lebens Tausende Seiten Texte schreiben werde. Hätte ich dies auch nur geahnt, hätte ich früher das Tippen gelernt, in der Schule besser bei den Komma-Regeln aufgepaßt und mich eher dafür interessiert, wie man effektiv schreibt!

Beginnen - der Anlass zum Schreiben

Wie bei den meisten kreativen Leistungen hilft auch beim Schreiben ein Anlass. Viele werden zwar den latenten Wunsch haben sich auszudrücken und ihre Meinung einem größeren Publikum kundzutun, aber ohne konkreten Anlass werden sie kaum die Anfangshürden überwinden.

Ausschlaggebend für mich waren meine Funktionen als Schriftführer, die mich zum Schreiben von Protokollen gezwungen haben, sowie diverse Wünsche meiner Familie.

Aber es gibt viele Gelegenheiten zum Schreiben. Memoiren, Tagebücher, Traumnotizen, Reisenotizen, Kochrezepte, Briefe aller Art (z.B. auch Briefe an die Nachkommen), Märchen, Parteiprogramme, Chroniken, Führer, Familien - Zeitungen, Gedichte zu Feiern und Jubiläen, Leserbriefe. Sie alle haben dankbare Leser und sei man es nur selbst.

Mit jedem kleinen Erfolg wird man an Sicherheit gewinnen, man wird seine Scheu ablegen und es dann auch wagen, etwas schwierigere Texte zu produzieren. Je früher man im Leben beginnt zu schreiben, um so eher wird man dabei auch erfahren, was wirklich wichtig ist. Man wird aus seinen Fehlern lernen und sich auch motivieren sich mehr mit dem Handwerk des Schreibens zu beschäftigen.

Klappern gehört zum Handwerk,
Handwerk gehört zum Klappern.

Schreiben bringt Muße, aber Schreiben braucht auch Muße. Wer also kaum Zeit hat, der wird kaum Zugang zum Schreiben finden. Höchstens wenn jemand sehr diszipliniert ist, ungemein motiviert ist oder sich einen Ghostwriter leisten kann, dann kann auch der Vielbeschäftige schreiben.

Hingegen ist Langeweile eine wunderbare Quelle, um mit dem Schreiben zu beginnen. Und hat man erst einmal angefangen, wird man nie wieder Langeweile verspüren.

Kreatives Schreiben

Schnell schreiben
Oft schreiben
Immer wieder überarbeiten

Solche Inhalte werden gerne gelesen

Ein origineller Anfang
Flüssiges Weitererzählen
Ein kurzer Schluss

Sammeln

Es wird kaum ein Thema geben, über das man ohne Vorbereitung einfach so losschreiben kann. Meistens bedarf es einiger Vorarbeit, man muß sich etwa einlesen oder man muß Fakten sammeln oder man braucht Ideen. In dieser Sammelphase hilft ein kleines Notizbüchlein, das man immer bei sich trägt, ungemein. Die notierten Details überträgt man dann auf Karteikarten im DIN A6 Format. Die Karteikarten werden gelocht und in einem kleinen Ordner aufbewahrt.

Dieser Ordner ist bei mir nicht anderes als die Mechanik eines großen 2 Loch Ordners. In dieser Mechanik kann ich dann die Karteikarten beliebig einsehen, umblättern, umordnen, etwas Neues einordnen. (Wer aus den USA das Rolodox-System kennt, der weiß die Vorteile des Systems, vor allem den schnellen Zugriff, zu schätzen).

Andere benutzen einen Zettelkasten oder ganz einfach einen Karteikasten. Der Karteikasten hat den Vorteil, daß man natürlich viel mehr Info unterbringen kann, mein Ordnersystem erlaubt dafür, daß ich es leicht überall mitnehmen kann, um z.B. auch im Zug es zu lesen und mich inspirieren zu lassen.

Strukturieren

Hat man einige Informationen, dann wird man beginnen Struktur in diese zu bringen. Das beste Mittel für mich dazu sind Mindmaps. Aber man kann auch die Karteikarten auf einer Wand mit Nadeln oder Tesafilm clustern (Metaplantechnik). Oder man beginnt mit einem Textverarbeitungssystem ein Inhaltsverzeichnis.

Während dieser Strukturierung entsteht ein Fluß, der von einem Thema zum nächsten führt. Ich finde, die beste Art die Schlüssigkeit dieses Flusses zu testen, ist, einen Vortrag darüber zu halten. Der Vortrag zeigt schnell, ob die Logik stimmt. Und er hilft auch, die interessanten Themen von den uninteressanten zu scheiden. Am besten ist es, viele Vorträge zu halten. Dann kann man ziemlich sicher sein, sein Publikum auch wirklich zu erreichen.

Die Stichwörter und Graphiken des Vortrages wird man sich als Foliensatz zusammen stellen. Dieser Foliensatz ist dann auch die Grundlage des Textes, den man jetzt zu schreiben hat.

Text Produzieren

Den Text produziert man am besten in kleinen Häppchen, denn die kreativen Phasen sind bei den meisten Menschen nur kurz (wenige Minuten). In diesen Phasen schreibt man so schnell wie man kann. Ich tippe dann los wie ein Wilder, ohne mich um Rechtschreibung oder sogar um Groß- oder Kleinschreibung zu kümmern.

Der Text wird in Kleinbuchstaben fortlaufend eingetippt. Wichtig ist, dass es 'fließt', der Text kommt dann fast von selbst. Ist nach einigen Minuten die kreative Phase vorbei, dann wird Korrektur gelesen, die Rechtschreibung in Ordnung gebacht und an der Formatierung gefeilt.

So wachsen langsam auch umfangreiche Texte. Damit ich jederzeit an den Text kann, ist das Notebook immer eingeschaltet und vorbereitet den Text zu bearbeiten. Es kann gut sein, daß ich mitten in der Nacht oder während des Staubsaugens eine Idee habe und dann kann ich mir keinen langen Aufwand der Vorbereitung leisten. Ich muß sofort an den Rechner kommen und tippen können.

Ich beende keinen Text, ohne ihn zumindest einmal laut vorgelesen zu haben (sehr zu empfehlen) und lasse über jeden Text das PC-Rechtschreibprogramm laufen. Erst dann kann er weitergegeben werden, damit vielleicht noch jemand anderer ihn überprüft.

Wichtig ist, das Feedback einiger Lektoren einzuholen und einzuarbeiten. Ohne große eigene Erfahrung wird man am Anfang sehr dankbar sein, wenn Texte gelesen werden und man die Rückmeldung bekommt, was daran gut oder auch schlecht war und was man verbessern könnte.

Überarbeiten und Wiederverwerten, die Technik verbessern

Nicht immer braucht man von Grund auf alles neu beginnen. So kann man mit gutem Erfolg schon Produziertes wieder neu aufbereiten. Auch in der Kunst des Schreibens macht das Wiederverwerten produktiv!

Dazu gehört auch die Übertragung in ein neues Medium. So konnte ich mit wenig Aufwand viele neue LeserInnen im Internet finden, die meine Texte von früher noch nicht kannten.

Fast immer gewinnen Texte an Qualität, wenn sie (mehrfach) überarbeitet werden. Besonders, wenn sie dabei auch gekürzt werden.  Ich scanne meine Texte auch gerne nach meinen Füllworten, von denen ich weiß, dass sie zu häufig verwende.

Man sollte auch die eigenen technischen Möglichkeiten ausbauen. So kann ein Scanner, der Texte einliest, sehr große Arbeitsersparnis bringen. Oder man kauft sich ein Bindesystem und einen Kopierer und vervielfältig und bindet sich seine Texte selbst.

In einer Universitätsstadt braucht man dies nicht. Durch den digitalen Druck gibt es heute wunderbare Möglichkeiten, in wenigen Minuten von einer Vorlage ein Buch drucken zu lassen.

Auf jeden Fall sollte man neben dem Textsystem auch ein Graphiksystem (z.B. CorelDraw) beherrschen und vielleicht auch eine Digitalkamera einsetzen, denn oft kann man mit einem Bild wirklich mehr ausdrücken als mit 1000 Worten.

Mit zunehmender Eigenständigkeit braucht man immer weniger fremde Hilfe. Dadurch gewinnt man vor allem an Zeit und Freiheit, weniger an Kosten. Man wird freier in der Gestaltung, schneller und auch kreativer in der Produktion seiner Texte und seiner Druckerzeugnisse.

Veröffentlichen

Richtig zufrieden sind sie AutorInnen nur dann, wenn ihre Werke auch veröffentlicht werden. Denn nur so können sie Anerkennung finden. Aber der Weg an das Publikum über Verlage ist steinig. Sehr einfach hingegen ist das Publizieren im Internet. Mancher wird es auch mit dem Eigenverlag versuchen, d.h. Stunden am Kopierer verbringen. Es heute nichts Anrüchiges mehr, sondern zeugt eher von Unternehmertum, Texte selbst herauszubringen und zu vertreiben.

Besonders autorenfreundlich versprechen die Book-on-demand Angebote zu werden. Hier delegiert man einen großen Teil der Administration und des Vertriebes.

Unter Umständen kann man sich dadurch die Suche nach einem Verleger sparen. Ohne Verleger kann man viel schneller reagieren und sich den Wünschen seines Publikums anpassen.

Andererseits wird ein guter Verleger dem Schreiber auch sehr viel Arbeit abnehmen, die dieser sonst ganz allein zu tun hat. Aber da, wie gesagt, die kreativen Phasen sowieso nur kurz sind, ist mancher vielleicht sogar froh, wenn er einige der Produktionsarbeiten selbst machen kann.

 

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Das Praxilogie Buch (2009)

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