Das Praxilogie Buch von Dr. Otto Buchegger TübingenRedundanz - Verfügbarkeit

Zu den häufigsten Beschwerden in einer Kundenbeziehung gehört, dass jemand nicht für den anderen da ist. Du bist ja nie erreichbar, heißt es dann. Man selbst hat aber einen ganz anderen Eindruck. Ich bin doch immer da, ich fahre nie weg, etc.

Die eigene tatsächliche Verfügbarkeit wird also oft falsch eingeschätzt. Es lohnt sich daher, über dieses Problem nachzudenken. Aus der Verfügbarkeit von Computersystemen wissen wir, dass eine Verfügbarkeit von 99%, so hoch diese Zahl auch scheint, nicht ausreicht, um Kundenzufriedenheit zu erreichen. Diese Verfügbarkeit bedeutet doch, dass ein Computer, der 365 Tage arbeiten soll, an über drei Tagen ausfällt. Für jede Bank kann dies den Ruin bedeuten.

Hohe Verfügbarkeit kann in einer realen Welt nur durch Redundanz erreicht werden. Und die Abhängigkeit von zwei nicht idealen Elementen, die man beide gleichzeitig braucht, führt in der Praxis ganz schnell zu extrem geringer Verfügbarkeit. An Hand eines Beispiels aus der Schaltungstechnik kann man dies leicht ausrechnen.

Redundanz

Hat ein Element die Verfügbarkeit von 80%, wird mit einem zweiten, d.h. redundantem aber sonst gleich gutem Element schon eine Verfügbarkeit von 96% erreicht. Habe ich es aber mit einer Kette von 2 dieser Elementen zu tun, dann sinkt die Verfügbarkeit auf 64%.

Für die Praxis hat sich ein Konzept gut bewährt, das man Tandemkonzept nennt. Denn kaum jemand wird sich für jede Arbeit zwei Mitarbeiter leisten wollen, nur damit die Verfügbarkeit genügend ansteigt. Aber wenn es gelingt, zwei Mitarbeiter so auszubilden oder zu informieren, dass im Ersatzfall der eine leicht die Arbeit des anderen übernehmen kann, so hat man schon viel erreicht. Dieses Konzept setzt allerdings hohe Kooperationsbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit der Tandempartner voraus und ein Managementsystem, das es gut unterstützt.

Das Tandem, ursprünglich ein technisches Konzept für höchste Computer-Verfügbarkeit, funktioniert nur dann, wenn die Partner sich regelmässig und umfassend über Arbeitsfortschritte und neue Erkenntnisse informieren, d.h. sich synchronisieren.
Der Aufwand dafür ist gering, aber der Gesamtnutzen ist gross. Der Clou daran ist, dass man nur die Information über die Arbeit, aber nicht die Arbeit selbst dupliziert!

Wenn es gelingt, das Tandemkonzept zu einem Gruppenkonzept zu erweitern, dass jeder im Bedarfsfalle jede andere Arbeit machen kann, dann ist die Flexibilität optimal. Wenn jetzt etwa auch noch die Gruppe sehr vielfältig ist, zum Beispiel auch noch sehr verschiedene Pausen und Anwesenheitszeiten hat, jeder jedes Telefon abhebt, dann ist nahezu auch 100% Verfügbarkeit gegeben.

Als günstig für das Tandemkonzept haben sich Dreier-Büros erwiesen. Hier haben zwei Redner einen dritten Zuhörer und Vertretung oder gegenseitiges Lernen werden so erleichtert. Auch ein gut informierter Chef kann im Notfall leicht als Ersatz einspringen.

Bei Einzelpersonen genügt oft die Anschaffung eines Anrufbeantworters oder Mobiltelefones, um die Erreichbarkeit genügend hoch werden zu lassen. Auf jeden Fall sollte man Kritik an der eigenen Erreichbarkeit und Verfügbarkeit sehr ernst nehmen und Abhilfe veranlassen.

 

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