Präsentations-Praxis
Der Gedanke vor einem großen Publikum eine Rede zu halten ist für viele Menschen sehr
schrecklich. Gelegentlich gehen der Rede wochenlang schlaflose Nächte voraus und beim
Auftritt selbst haben Menschen soviel Lampenfieber, dass sie kaum zum Reden kommen.
Letztendlich wird nur permanente Übung dieses Problem überwinden. Es ist daher klug,
jede Chance zu kleineren Auftritten, auch im Familien- oder Freundeskreis, zu nutzen, um
Präsentations-Erfahrung zu bekommen.
Ein sehr effektives Hilfsmittel ist die Videokamera, um sein Wirken in der
Öffentlichkeit zu überprüfen. Man wird damit leicht seine persönlichen Untugenden
erkennen und auch überwinden lernen. Trotz großer Verbreitung von Videokameras werden
allerdings diese viel zu selten für die Selbstkontrolle genutzt.
Reden vor einem Riesenpublikum (z.B. im Fernsehen) wird man gut proben, eventuell sogar
auswendig lernen. Auf jeden Fall sollte man den Anfangs- und den Schlußsatz einer
formellen Rede auswendig lernen oder in schriftlicher Form dabei haben, auch wenn man die
Rede selbst frei, mit Hilfe von Stichworten hält. Dies beruhigt und gibt Sicherheit.
Geh vor einem großen
Auftritt auf die Toilette, schau
in einen Spiegel und habe ein Glas Wasser in der Nähe! |
Sehr hilfreich die Präsentationsangst zu überwinden, ist die Paradoxe
Intention (auch Paradoxe Intervention). Man stellt sich dabei vor, was alles Schlimmes bei
der Präsentation passieren wird. Oft geht dabei die Angst weg und man ist frei von
Blockierungen.
Man stellt sich kurz vor dem Vortrag ganz plastisch vor, dass man auf der Treppe zum
Podium stürzen wird, dass einem alle Unterlagen hinunterfallen, dass die Hosenträger
reißen werden, etc. Dadurch nimmt man sich die Angst - die blockiert - und man wird frei
den Vortrag halten können.
Erfahrene Vortragende machen sich rechtzeitig mit dem Vortragsraum bekannt, sind früh
da, um die Technik überprüfen zu können und haben auch Material dabei, um sich beim
Vortrag selbst helfen zu können. Man sollte sich zum Testen auch einmal in die letzte
Reihe stellen und dabei so die Lesbarkeit seiner Folien oder Dias überprüfen.
Um die Zuhörerschaft zum Mitmachen zu aktivieren, haben sich kurze
Zwischendiskussionen in Dreiergruppen bewährt. Diese Dreiergruppen sind auch in
Hörsälen ohne Aufzustehen möglich. Das Ergebnis kann dann von einem Sprecher der Drei
vorgetragen werden. Da er ein 'Gruppenergebnis' vorträgt, wird er sich leichter öffnen
können und die Meinung vortragen, als wenn er seine persönliche Meinung vor einem
Auditorium vorstellen müßte.
Ebenfalls aktiviert das Abstimmen im Auditorium. Auch hier kann jeder - fast anonym -
mitmachen und zur Belebung des Vortrags beitragen.
Man halte sich bei langen Veranstaltungen an die Regel: Man kann über alles reden, nur
nicht über eine Stunde! Längstens nach einer Stunde ist eine Pause notwendig, will man
die Zuhörbereitschaft des Auditoriums nicht total verlieren.
Gute Vortragende (dazu gehören auch Pfarrer) wissen, dass man sich kaum länger als 10
Minuten konzentrieren kann. Man sollte also seinen Vortrag in 10 Minuten - Bissen teilen,
soll er gut aufgenommen werden. Und es macht deshalb auch keinen Sinn, eine Predigt
länger als 10 Minuten anzusetzen. (Die alte 20 Minuten-Regel ist durch moderne Medien -
Gewohnheiten schon lange überholt!)