Das Praxilogie Buch von Dr. Otto Buchegger TübingenMotivation

Weil die Frage nach den Treibkräften, den Gründen für unser Handeln, unsere Motivation, so wichtig ist, wird an vielen verschiedenen Stellen in der Praxilogie von Motivation gesprochen. Sei es, dass man z.B. dadurch die eigenen Ressourcen besser planen kann, das eigene Handeln besser verstehen und steuern kann, dass man Fehler vermeiden kann, oder dass man z.B. damit auch besser Geschäfte machen kann.

Auf die ebenfalls wichtigen Fragen, wie Motivation entsteht, was sie fördert, wie durch das Wechselspiel Anforderungen, Herausforderungen, eigene Fähigkeiten Flow-Erlebnisse entstehen, auf die besonders große Motivation in kreativen Phasen gehe ich in diesem Kapitel nicht ein.

Bei meinen Beobachtungen zum Stadtmarketing für Tübingen ist mir ein weiterer Aspekt aufgefallen, nämlich der, wie sich Motivation im Stadtbild manifestiert. Und bei meinen Aussagen zum Zeitmanagement findet man den Spruch: "Zeit misst Zuneigung", den man leicht auch in "Zeit misst Motivation" abwandeln könnte. Und natürlich kann ich auch nicht meine Ausbildung zum Elektroingenieur verdrängen, in der ich darauf gedrillt wurde, Kräftefelder und ihren Einfluss auf bewegliche Teilchen zu verstehen.

Wie passen nun diese ganz unterschiedlichen Begriffe zusammen?

Ich denke, dass alles Denken, Planen, Handeln, so flüchtig es auch erscheinen mag, Spuren hinterlässt und dass an Hand dieser Spuren man aussagekräftige Rückschlüsse ziehen kann. So wie der Archäologe deuten kann, welche Kultur er vorfindet, so können wir auch aus den Zeitzeugen, Denkmälern und Artefakten uns selbst besser verstehen. Dass man an Hand dieser Spuren nicht nur die dahinter liegenden Triebkräfte, die Motivation, verstehen kann, sondern man sie (wie in der Dimension Zeit) sogar messen kann.

Ganz unproblematisch ist dies vielleicht an Baudenkmälern zu zeigen. Je nachdem, welche Wunschvorstellungen oder praktische Zwänge der Bauherr hatte, so wird sein Gebäude ganz verschieden ausfallen. Entweder ist es zweckmäßig oder repräsentativ, bequem oder unbequem, einfach und ordentlich oder es wird zur Ruine, weil es gar nicht fertig gebaut werden konnte. Will man nun den Reichtum des Auftraggebers messen, so werden die Quadratmeterzahlen ein guter Parameter sein.

Schwieriger werden Aussagen über dynamische Vorgänge. Kann man die Dynamik eines Börsentages wirklich mit dem Dax beschreiben? Selbst wenn man den Tagesablauf in Minutenabständen aufzeichnet, wird man ohne Erklärungen, welche Meldungen die Veränderungen hervorgerufen haben, nicht auskommen. Und fragt man 5 verschiedene Experten, welche Ursachen es gegeben hat, wird man mindestens 10 verschiedene Meinungen hören. Und groß wird die Problematik, wenn wir Aussagen über längere Zeiträume abgeben, z.B. in Form von Zyklen oder Evolutionen.

Ich habe im vorhergehenden Kapitel ein einfaches Grundschema angegeben (der Mensch will sein, wie sein Gottesbild). Noch einfacher wären die beiden Grundmotivationen des Tierreichs 'zu überleben' und 'sich fortzupflanzen'. Aber menschliche Wesen sind wesentlich komplexer und so haben Psychologen diesen Bereich viel gründlicher erforscht und diese als Grundbedürfnisse dargestellt.

Die 16 Grundbedürfnisse der Menschen
(nach Steven Reiss)

Macht
Unabhängigkeit
Neugier
Akzeptanz
Ordnung
Ehre
Idealismus
soziale Kontakte
Familie
Status
Rache
Liebe
Essen
körperlicher Bewegungsdrang
Ruhe
Sparen

Jedes Produkt menschlichen Denkens und Handelns kann damit klassifiziert werden. Zum Beispiel sind Internetpräsenzen damit einzuordnen.

Die 16 Basismotivationen nach Dr. Thomas Wirth (www.kommdesign.de)
Eine Motivtaxonomie für Internetpräsenzen

Motivation

Ziele / Bedeutungen

Neugier

Abwechslung, Neuheit, Wissbegierde, Horizonterweiterung

Leistung

Ehrgeiz, Erfolg, Perfektionismus, Effizienz, Wettbewerb

Kontakt

Ausleben bestehender oder Aufbau neuer Beziehungen

Macht

Dominanz, Führung, Kontrolle über Andere

Sicherheit

Risikovorsorge, Vermeiden von Misserfolgen, Schmerz, Krankheit

Hilfe (anderen)

Hilfe oder Unterstützung leisten, Schützen, Fürsorge

Hilfe (selbst)

unterstützt, angeleitet, beschützt werden

Bequemlichkeit

Vermeiden von Anstrengung, Zeitersparnis

Ordnung

Einfachheit, Verständlichkeit, Vorhersagbarkeit der Umwelt

Spiel

Zerstreuung, Unterhaltung, Ablenkung

Gewinn

Geld verdienen oder gewinnbringend anlegen, Sparen, günstige Geschäfte oder Käufe, Besitz mehren

Prestige

Bewunderung und Anerkennung durch sich selbst, reale oder nur vorgestellte andere

Sex

reale oder phantasierte sexuelle Aktivität

Emotion

Gefühlsbetonung, Aufregung, Risiko, Vermeiden oder Herbeiführen negativer oder positiver Emotionen

Rückzug

Ruhe, Regeneration, Schlaf

Autonomie

Selbstbestimmung, Freiheit, Widerstand gegen Beeinflussung, Verteidigung der eigenen  Werte und Meinungen

Aber ich möchte viel weiter gehen. Und wirklich nachfragen: Was wird geschaffen, vernichtet, fotografiert, gefilmt, dokumentiert, gebaut, gemacht, gehandelt, geschrieben, gelesen, empfohlen...? Wofür werden die Ressourcen z.B. Zeit, Geld, Liebe, ... tatsächlich eingesetzt. Und vor allem warum? Wer diese Fragen stellt und versucht zu beantworten wird sehr viel über die tatsächlichen Beweggründe eines Menschen, genau so wie einer Gesellschaft, und vor allem auch über sich selbst erfahren.

In Firmen waren für mich die Fotos, die Mitarbeiter an der Wand oder auf dem Schreibtisch hatten, ausgezeichnete Informationsquellen. Sie zeigten, was ihnen wirklich wichtig war und wofür sie sich bei der Arbeit anstrengten. Und selbstverständlich gaben sie dadurch auch mir die Möglichkeit, dies für meine Managementzwecke einzusetzen.

Wie ein Kraftfeld die elektrischen Teilchen, so hält auch Motivation uns in Bewegung. Und diese Bewegung ist Energie. Ein anschauliches Beispiel ist für mich der Berufsverkehr. Der Drang zum Geldverdienen bewegt jeden Tag Millionen von ihrem Wohnplatz zu ihrem Arbeitsplatz. Das Bedürfnis nach Ruhe bringt uns dann wieder zurück.

Diese Bewegung verläuft im allgemeinen effektiv, das heißt optimiert und nicht allzu chaotisch, zum Beispiel kanalisiert, in Strömen. Wer also diese Ströme und Flüsse nutzen will, muss nicht nur wissen, woher und wohin sie sich bewegen, sondern vor allem immer auch warum. Die Kraft dieser Flüsse kann man nun auch zum Verdienen nutzen. So wie Wasserkraft Turbinen antreibt, sie finanzieren z.B. diese Ströme die Geschäfte, die an ihrem Wege liegen.

Der Wert von Geschäftslagen wird hauptsächlich durch die Anzahl der Personen bestimmt, die vor dem Geschäft vorbeiziehen, z.B. dort auch Warten müssen. Der Wert von Internetpräsenzen wird durch die Anzahl von Links darauf gesteigert, denn diese sind proportional zum Verkehr auf diese Site. Wo Menschen hungrig sind, werden Lebensmittelgeschäfte oder Restaurants besonders florieren. Wo gelangweilte Reiche herumflanieren, werden Luxusgeschäfte blühen.

Motivationsschwerpunkte

bis 17: Lernen, Spielen

17 - 25: Partnersuche, Sex

25 - 35: Geld, Auto, Kinder

35 - 45: Erfolg, Haus

45 - 55: Macht

55 - 65: Gesundheit, Zeit

65 - 85: Gesellschaft

Umgekehrt kann man nun aus genutzten Einrichtungen auf die Motivation schließen. Werden Pendlerzüge stark genutzt, dann sind die Arbeitsmöglichkeiten am Ausgangsort schlecht. Alle die Beweggründe für Reisen können so eingeordnet werden. So ist sicher einer Hauptgründe, dass die Deutschen Weltmeister im Reisen wurden, das schlechte Wetter hierzulande. Wird sich durch Klimaänderung das Wetter hier bessern, werden sich die Reisetätigkeiten stark verändern. Und statt Flugreisen werden Radreisen in Deutschland stark zunehmen.

Da sich nun viele Bewegungen der direkten Beobachtung entziehen, können sie nur über das komplizierte Sammeln von Daten gewonnen werden. Wir können dies für uns persönlich auch machen, in dem wir z.B. Buch darüber führen, wofür wir unsere Zeit oder unser Geld ausgeben.

Die Trendforschung sammelt deshalb für die Gesellschaft Daten, um diese Veränderungen zu deuten oder zu erklären. Alles was im Trend liegt, d.h. wächst oder steigende Zahlen aufweist, deutet auf zunehmende Motivation hin. Aber dies braucht nicht nur im Großen zu geschehen, auch persönliche Veränderungen, Zuneigungen, wie Abneigungen geben uns Aufschluss.

Diese Flüsse können definierte oder diffuse Quellen haben. Selten wird der Ausgangspunkt einer Bewegung wirklich ganz klar und eindeutig sein. Besser anzugeben sind dann die Senken, wo sich alles sammelt. Die Attraktionen, auf die alles zuströmt. Wer also noch nicht so geübt im Beobachten ist, soll sich zuerst auf die Senken konzentrieren, sie sind wesentlich leichter auszumachen.

Ein interessanter Aspekt dieser Flüsse sind Störungen der Kontinuität, z.B. an Bruchstellen, an denen 'Ablagerungen' passieren. An diesen stellen entledigen sich die Menschen ihrer mitgeführten Dinge oder befriedigen ihre Bedürfnisse. Als plastisches Beispiel sehe ich hier Flussschleifen, an denen sich auch Gold ablagern kann. Diese Bruchstellen werden oft künstlich eingefügt, um Menschen zum Anhalten, das heißt dann meist zum Kaufen zu bewegen.

Ebenso relevant sind 'Weichen', an denen man sich entscheiden kann, welchen Weg man gehen soll. Innenarchitekten von Verkaufsflächen haben hierzu sehr viel praktisches Wissen. So werden in einer Gesellschaft mit Rechtsverkehr (wie unserer) die rechten Pfade von Weichen fast immer bevorzugt.

Für die Interaktion mit dem Umfeld, mit den Rändern dieser Flüsse, sind die Geschwindigkeiten dieser Flüsse entscheidend. So kann man z.B. aus dem ICE heraus die Umgebung nicht mehr wahrnehmen und wer persönlichen Kontakt braucht, wird kaum ein schnelleres Tempo als das langsame Gehen vertragen.

Wo sich nun Menschen treffen, ist selten Zufall. An diesen Sammelpunkten sind Menschen gleicher Motivation. Wer kennt nicht die Kommunikationszentren WCs, Kaffeeautomaten, Raucherecken, Restaurants, Single Bars oder Discos? Hier sind die gemeinsamen Interessen offensichtlich. Aber es gibt auch andere. Immer wieder habe ich z.B. für mich nette Menschen an Plätzen gefunden, die Naturbeobachtungen, wie Sonnenuntergänge, liebten. Gleichinteressierte sehen sich dieselben Internetseiten an, machen an denselben Plätzen Urlaub, lesen dieselben Bücher und sehen dieselben Filme.

In meinem Beitrag Theorien und Analogien sind einige abstrakte Gesetze aufgelistet, die im Zusammenhang mit den hier angegeben Gedanken nützlich sein könnten. Mir persönlich haben sie oft geholfen, Motivation von Menschen, wie auch mir selbst, zu verstehen und zu quantifizieren.

Nicht jeder wird aus diesem etwas abstrakten Kapitel Nutzen ziehen. Darum vielleicht noch einmal eine einfache Zusammenfassung, die vielleicht besser überzeugt:

  • Fast alle Motivation hinterlässt Spuren
  • Das Maß für die eingesetzten Ressourcen ist ein Maß für die Motivation (je mehr Ressourcen eingesetzt werden, um so größer die Motivation)
  • Dadurch wird Motivation quantifizierbar
  • Motivation lässt sich in Komponenten zerlegen, z.B. in die Anteile der Grundbedürfnisse

Und für die durch Motivation gesteuerte Bewegung gilt u.a.

  • Wo Bewegung ist, sind Kraftfelder
  • An den Sammelpunkten von Menschen ist immer (zumindest eine) gemeinsame Motivation vorhanden
  • Wo Kraftfelder wirken, kommt es ab einem gewissen Schwellwert zur Bewegung
  • Kraftfelder können sich überlagern
  • Meist, aber nicht immer, läuft diese Bewegung in geordneten Strömen ab (Ausnahme Revolution)
  • Entscheidungen laufen oft in festen Mustern ab
  • Bruchstellen und angepasste Geschwindigkeiten fördern den Austausch mit dem Umfeld
  • Die Bewegung kann für eigene Zwecke (z.B. Geschäfte machen) nutzbar gemacht werden

 

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