Das Praxilogie Buch von Dr. Otto Buchegger TübingenLobbying

Die Lobby ist die Vorhalle des Parlaments. In Deutschland ist diese mit einem Strich markiert, hinter dem die Lobbyisten auf die Politiker zu warten haben. Unter Lobbying versteht man i.A. den Umgang mit Ämtern, Behörden, Organisationen, Politikern und anderen Meinungsträgern.

Aufgabe des Lobbyisten ist die Durchsetzung von Sonderinteressen, z.B. von Verbänden oder Gewerkschaften, in diesem Umfeld. Lobby - Arbeit, die Beeinflussung im vorparlamentarischen Raum, lohnt sich vor allem bei Interventionismus, wenn der Staat viel reglementiert, wie z.B. in Deutschland. Es ist deshalb  wahrscheinlich, dass einige LeserInnen in ihrer Berufslaufbahn Lobby-Aufgaben übernehmen werden müssen.

Von den illegalen Methoden - z.B. der Bestechung - ist hier nicht die Rede. Korruption findet man weltweit, denn überall wo unkontrolliert und ungestraft institutionelle Macht auch für den persönlichen Nutzen eingesetzt werden kann, wird es sie geben. Hier geht es nur um legale Methoden, trotzdem wird immer die Gefahr einer Grauzone beim Agieren gegeben sein und es ist entsprechende Vorsicht und Erfahrung angebracht.

Ein Selbst - Test für legitimes Handeln

Darf es jeder erfahren?
Kann es zur Regel werden?
Könnte es - umgekehrt - auch mit mir geschehen dürfen?

Alle vorgeschlagenen Methoden gelten nur in Westeuropa, z.B. für die EU in Brüssel und selbst da wird von Land zu Land die Erfolgsrate verschieden sein. Große Unterschiede in den Lobbymethoden sind gegenüber den USA zu sehen, und noch größere Unterschiede zu den ostasiatischen Ländern.

Wer in unbekannten Kulturen Lobbyaufgaben zu erfüllen hat, wird lokale und aktuelle Beratung und Unterstützung benötigen. Ohne diese kann man leicht in Messer laufen und man wird die Grenze zwischen 'Erlaubt' und 'Unerlaubt' nicht kennen und deshalb auch nicht zu nutzen wissen.

Die leichteste und auch effektivste Einflußnahme geschieht durch die Unterstützung der Beamten in Sachfragen. Oft sind z.B. in den Generaldirektoraten der Europäischen Kommission sehr schwierige Sachfragen zu entscheiden und ohne die Hilfe der Experten aus der Industrie wäre diese Arbeit nicht zu machen. Wenn jetzt durch langfristige Kontakte Industrieexperten mitarbeiten können, wird es ihnen leicht sein, den Einfluß ihrer Firmen geltend machen zu können.

Solche Kontakte müssen langfristig angelegt sein. Man muß sich früh überlegen, wer als Kontaktperson und wer als Ansprechpartner in Frage kommt. Vor allem müssen diese Kontakte geschlossen und vertieft sein, bevor eine aktuelle Krise auftritt.

Als Ansprechpartner ist immer diejenige Person zu wählen, die auf unterster Ebene mit der Arbeit betraut ist oder ein konkretes Problem zu lösen hat. Man würde annehmen, dass Kontakte zu oberen Rängen effektiver seien, aber deren Verantwortung wechselt zu rasch. Und jenen sind durch politische Verantwortung oder zuviel Rampenlicht die Hände zum Handeln mehr gebunden als niederen Rängen.

Kontakte dieser Art sind regelmäßig zu pflegen, etwa alle drei Monate ist es angebracht nachzufragen, bei dringenden Problemen muß man dicht am Ball bleiben. Man darf auch kleine Geschenke machen, sollte sich aber unbedingt an die Regeln zur Vermeidung von Korruption halten. Bei guter Kenntnis der privaten Umstände wird man leicht etwas finden, was den Empfänger erfreut, ihn aber nicht ins Zwielicht bringt.

Es ist eine beliebte Methode bei Firmeninteressen oder anderen Partikularinteressen sich hinter einem 'Verbandsbanner' zu verstecken. Damit werden diese Interessen 'objektiver' gemacht, weil ja ein Verband, ein Institut oder eine Stiftung die Argumente vorbringt. In der Praxis steht allerdings meist immer eine große Firma, eine Partei oder andere dominierende Gruppe hinter diesen. Selbst wenn die Zusammenhänge bekannt sind, wirken diese Konstellationen.

Ebenfalls beliebt sind in diesem Zusammenhang drei typische Vorgangsweisen:

1. Das Gemeinwohl wird betont, Nutzniesser sind aber Sondergruppen.
2. Die Ärmsten werden als Beispiel angeführt, Nutzniesser sind aber die Wohlhabenden.
3. Das notwendige Geld wird verharmlost, meist aber handelt es sich um Riesenbeträge.

 

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Das Praxilogie Buch (2009)

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