Das Praxilogie Buch von Dr. Otto Buchegger TübingenLiebe im Büro und in der Firma

Wo Frauen und Männer zusammenkommen, gibt es auch alle Varianten der Liebe. Gerade in den Büros blüht sie, nicht nur im Frühling. Vom platonischen Anhimmeln, über das erotische Knistern bis zur brutalen sexuellen Erpressung wird man - je nach Firma, Organisation oder Kulturbereich - alle Spielarten von Liebe und Sex erleben können.

Ich habe als Mitarbeiter und Besucher in vielen verschiedenen Firmen wirklich unglaubliche Situationen erlebt. Ein Mitarbeiter führte - im Büroschrank - eine Pornokartei mit Fotos von vielen seiner Kolleginnen, die er alle zu diesen Aufnahmen verführt hatte. Andere hatten Sex bei offenen Türen und Fenstern und natürlich begeisterte Zuschauer vom Haus gegenüber. Frauen hatten sich mit nacktem Unterleib auf den Kopierer gesetzt und so ungewöhnliche Kopien für ihre Fans produziert. Topmanager pflegten in den späten Abendstunden langjährige Beziehungen mit ihren fülligen Putzfrauen. Ein Unternehmer hatte sich einen richtigen, kleinen Harem aufgebaut, seine Frau im Gegenzug eine stramme Loverriege. Seitdem ahne ich, was alles passieren kann und dass meine Fantasie nicht ausreicht, alle Facetten von Sex und Liebe in der Firma auch nur zu streifen.

Vor allem als Heiratsmarkt ist das Büro wirklich unschlagbar. Man lernt sich gut kennen, selbst in Extremsituationen, kann sich gut 'abtasten', sieht sich täglich. Bessere Bedingungen für ein langsames Zusammenwachsen kann man sich kaum denken.

Die erotische Komponente in menschlichen Beziehungen ist ein wesentliches Element für die Freude an der Arbeit. Deshalb werden gemischte Gruppen (Männer und Frauen, Junge und Alte) oft besonders erfolgreiche Teams.

Besonders bei homogenen, gleichgeschlechtlichen Gruppen ist ein Mitglied des anderen Geschlechts eine willkommene Abwechslung im Alltag. Ich erinnere mich, wie die Stimmung in einer Gruppe von Frauen um die 40 mit dem Erscheinen eines Werkstudenten einen richtigen Höhepunkt bekommen hat. Und wie eine Abteilung grantiger, alter Männer mit einer neuen Praktikantin zu einer Gruppe hilfsbereiter und freundlicher Menschen wurde.

Alle Firmen haben für diesen Bereich Verhaltensnormen entwickelt. Manche sind explizit aufgeschrieben, manche ergeben sich einfach aus der gelebten, täglichen Firmenkultur oder aus dem Vorbild der Chefs.

In manchen Firmen wird man versuchen, Partnerschaften innerhalb der Firma zu unterbinden und kommen sie doch vor, wird man die Partner in der Firma so trennen, dass sie nur wenige Berufskontakte haben werden, andere hingegen fördern sogar Partnerschaften und geben z.B. manche Aufgaben nur an Ehepaare, damit diese sie gemeinsam erledigen.

Besonders kleine Familienunternehmen leben oft ausschließlich vom totalen, gemeinsamen Einsatz eines Ehepaares. Hier gewinnen beide oder sie gehen auch gemeinsam unter.

Ich habe selbst viele verschiedene Varianten erlebt und empfehle - ich sage es ganz offen - die Trennung von Firma und Privat. Das heißt konkret, wenn es schon Liebschaften gibt, dann haben diese nur Platz außerhalb der Firmenzeiten und außerhalb des Firmenbereiches. Meine Erfahrung sagt mir, dass damit noch am ehesten private Probleme nicht gleich auch zu massiven Firmenproblemen werden.

Ganz auszuschließen ist dies nie, denn wer z.B. an großem Liebeskummer leidet, wird nicht gerade Spitzenleistungen im Büro erbringen können. Aber es kommt auch vor, dass Menschen mit großen, privaten Problemen sich dann ganz auf die Arbeit stürzen und dann doch wieder Höchstleistungen hervorbringen.

Natürlich läßt sich ein Mensch nicht in eine Berufshälfte und eine Privathälfte teilen, er wird in beiden Bereichen immer der ganze und gleiche Mensch sein. Aber mit den folgenden drei Verhaltensregeln wird man einfach leichter durchs Berufsleben kommen und auch weniger private Probleme bekommen (daneben gibt es auch noch moralische und gesetzliche Einschränkungen, wie z.B. kein Sex mit Minderjährigen, aber darauf brauche ich bei meiner erwachsenen und reifen Leserschaft nicht einzugehen).

  1. Keine Liebschaften in der eigenen Abteilung. Die Konflikte sind sonst einfach vorprogrammiert. Solange die Liebe blüht und gedeiht, mag ja alles klappen, aber was passiert bei den ersten Problemen?
  2. Keine Liebschaften mit eigenen Vorgesetzten oder direkten Untergebenen. Dies sollten sich besonders Chefs und Chefinnen zu Herzen nehmen. Hier wird vor allem die Macht zum Problem. Was passiert noch freiwillig, was ist Erpressung? Wann kommt dann die Rache dafür?
  3. Keine Liebschaften mit Verheirateten, egal wie diese den Status ihrer Ehe schildern. Geschieden ist nur, wer tatsächlich geschieden ist. Nicht der, der irgendwann vorhat, sich vielleicht zu scheiden.

Firmen können den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen etwas helfen damit zurechtzukommen, indem sie die Familien und Angehörigen gelegentlich in Firmenveranstaltungen mit einbinden. Wenn man sich gegenseitig kennt, wird die Versuchung geringer werden, in bestehende Ehen einzudringen. Und Menschen zuhause, die auch das Verhalten ihrer Partner am Arbeitsplatz kennen, werden weniger falsche Vermutungen über mögliche Beziehungen aufbringen. Leider funktioniert das nicht immer, gerade manche Firmenveranstaltungen nähren vielleicht sogar erst falsche Gerüchte. Aber ich glaube, im allgemeinen hilft es.

Gelegenheit macht Liebe.

Was soll man nun tun, wenn man sich jetzt doch - sozusagen verbotenerweise - unsterblich in eine nahe Kollegin oder einen Kollegen verliebt hat. Die Antwort darauf wird schwerfallen, denn sie wird in den meisten Fällen Trennung von der Abteilung und neuer Job heißen. Zumindest für einen. Aber vielleicht kann man die Trennung auch nur vorübergehend gestalten, z.B. durch eine Rotation oder Auslandsabordnung.

Manche Büroliebe hört ganz von selbst auf, indem man sie heiratet. Habe ich doch einige Chefs erlebt, die ihre Sekretärin geheiratet haben und die dann als Paare überhaupt nicht so glücklich wurden, wie es der - doch relativ simple - Büroalltag erwarten ließ.

Immer wieder werden an Kolleginnen und Kollegen eindeutige Angebote gemacht, die diese gar nicht wollen. Wer sie früh und konsequent ablehnt, wird weniger Probleme bekommen, als der oder die, die zulange mit dem Feuer spielen. Wer klare, ablehnende Signale gibt, hat eher Ruhe. Wer trotzdem weiterhin belästigt wird, sollte früh den Betriebrat einschalten. Wenn dies alles nichts hilft, muß man wechseln. Es wird immer Situationen geben, denen man am besten durch Flucht entgeht.

Wer ein Verhältnis mit einem Arbeitspartner hat, das nicht allgemein bekannt ist, schweigt am besten darüber. Genießen und schweigen, das war schon immer eine gute Devise für Liebschaften. Auch zur besten Freundin, zum besten Freund, wenn diese ebenfalls Kontakte zur Firma haben. Auch Geständnisse zum Ehepartner sind in diesem Fall nicht hilfreich, sie zerstören immer mehr, als sie vielleicht bringen.

Jede Beziehung im Büro wird - früher oder später - für die eigene Karriere eingesetzt. Kluge Liebende widerstehen dieser Versuchung. Es gibt in den Firmen immer zuviele kritische Beobachter, die alles analysieren und breittreten werden. Werden die Interessen vermischt, führt dies schnell zum Abbruch der Affäre. Man kann also mit der Hilfe von Sex und Liebe vielleicht den einen oder anderen Karrieresprung machen, aber auf die Dauer werden nur Leistung, Einsatz und überzeugende Arbeit den Erfolg bringen.

Mobbing kommt gelegentlich mit der Liebe, sowohl bei erfüllter (da revoltieren die Neider), wie bei unerfüllter Liebe (da entlädt sich der Frust der Abgewiesenen). Ist die Situation einmal so verfahren, wird nur der Wechsel helfen und die daraus gewonnene Klugheit, sich beim nächsten mal einen weniger brutalen Arbeitsplatz zu suchen.

Wahrscheinlich immer ein existierendes Randthema bleiben wird das Ausnützen der Liebe für kriminelle Zwecke, z.B. für Spionage. Auch wenn der kalte Krieg vorbei ist, Betriebsspionage wird immer locken. Denn der Zugriff zu den richtigen Informationen ist ein großer Vorteil, der dazu verführt, ihn auch zu suchen. Und was ist einfacher, als ein einsames Herz anzufachen und es für diese Zwecke einzusetzen?

Auch wenn dies nur selten vorkommen mag, es ist für mich ein weiteres Argument, Dienst und Privat zu trennen. In einer Welt, in der sich alle Grenzen vermischen, in der z.B. zu Hause mit Telearbeit das Geld verdient wird, wird dies schwieriger sein, als in den früheren Büros, wo man mit dem Ausstempeln auch die Gedanken an die Firma abgegeben hat.

Aber gerade, wenn sich alles mischt, wird man den Vorteil von Grenzen suchen. Darum modifiziere ich das Motto, das beim Militär gilt - Dienst ist Dienst, Schnaps ist Schnaps - zu:

Firma ist Dienst, Liebe ist Privat.

Wem diese Trennung gelingt, der kann sich immer in der einen Welt von der anderen erholen. Dies ist ein großer Vorteil für die Zufriedenheit und die Gesundheit. Glücklich jene, die eine private Umgebung haben, die sie wohlwollend und nachsichtig stützt und fördert. In einer Familie, in einem Freundeskreis oder in einer Partnerschaft. Sie alle werden die Trubel im Dienst besser überstehen.

 

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