Kleidung
Vieles im Berufsleben hängt vom äußeren Eindruck ab. Gibt es doch im Berufsalltag
sehr viele kurze Kontakte von großer Wichtigkeit. Wer in diesen wenigen Augenblicken den
unrichtigen Eindruck vermittelt, hat Chancen vergeben. Deshalb ist auch Kleidung so
wichtig, eine Tatsache, die vor allem Berufsanfänger gerne übersehen. In ihrer
vergangenen Studentenzeit war ja Kleidung tatsächlich eher unwichtig. Es muß also in
dieser Beziehung eine radikale Änderung geben, soll der Berufsstart gelingen.
Zu meinen wichtigsten Erkenntnissen in Bezug auf Kleidung gehört, dass
im Berufsleben überall Uniformen getragen werden. Auch wenn die Uniformen nicht wie die
Militäruniformen aussehen. So muß die Kleidung überall zweckmäßig sein, darf nicht
allzusehr von der Arbeit ablenken, muß leicht gepflegt werden können, muß unterstützen
den Rang des Trägers im Unternehmen leicht einordnen zu können. Man muß sehen können,
wer zusammenarbeitet, wer Erfolg hat.
So hat jede Firma, jede Organisation eine Kleiderordnung, die allerdings nicht immer
explizit aufgeschrieben ist. Es gehört zur Anpassungsarbeit in einer neuen Organisation
diese herauszufinden und sich an sie auch zu halten. Manchmal wird einem diese Aufgabe
sehr leicht gemacht (in dem man beraten wird), manchmal aber (wenn das Umfeld sehr
chaotisch ist) wird es einige Zeit dauern, bis man den richtigen Stil gefunden hat.
Geschafft hat man diese Anpassungsarbeit, wenn Kleidung kein Thema mehr ist. Wenn also
über die Kleidung nicht mehr geredet wird. Leider erfährt man oft nicht, dass über
einen geredet wird. Aber ein gutes Zeichen, dass über meine Kleidung nicht geredet wird,
ist, dass in meiner Anwesenheit überhaupt nicht von Kleidungsfragen die Rede ist.
Gelegentlich wird man von den verborgenen Botschaften überrascht, die von der Kleidung
ausgehen. So sind weiße oder gelbe Socken in Anglo-Amerika ein Schwulen-Symbol, genauso
wie Männerhandtaschen in Deutschland, und quergestreifte Krawatten können in den USA als
Universitätsfarben gedeutet werden.
Ich war in Kleidungsfragen am Anfang meines Berufes sehr ungeschickt. Ein Rat einer
Kollegin hat mir da geholfen. Sie sagte mir, frage einfach einmal beiläufig, wer im neuen
Umfeld als gut und korrekt gekleidet gilt, schau dir diesen Menschen an und versuche,
dieses Exemplar der Uniform für dich nachzuahmen. Genauso habe ich es dann immer wieder
gemacht. Und offenbar ganz erfolgreich. Wie man mir später einmal gesagt hat, war ich im
Berufsalltag immer 'Good looking'.
Gute Anhaltspunkte für neutrale und erfolgreiche Kleiderordnungen geben das
Flughafenpersonal und Bankangestellte. In beiden Bereichen wird viel über Kleidung
nachgedacht und ihre Vorgaben kann man getrost übernehmen.
In jeder Kleiderordnung gibt es Freiräume, die man nutzen kann. Am wichtigsten
natürlich dafür, dass man selbst gut und attraktiv aussieht. Aber es gibt noch andere
wichtige Aspekte. Ein ganz wesentlicher Aspekt ist, dass man an Hand der Kleidung immer
leicht wiedererkannt wird. Wer geschickt seine Wiedererkennung steuert, erleichtert
seinem Gegenüber den Kontakt. Und je leichter Berufskontakte werden, umso mehr Chancen
für Erfolg wird man haben.
Die einfachste Art dies zu tun, ist sich mehrere Exemplare seines einmal (gut
gewählten) Outfits zuzulegen. So hatte ich einen Kollegen, der 5 identische Exemplare
eines braunen Anzugs (in einer Zeit, wo blau die vorherrschende Farbe war) hatte. Auch in
einer Gruppe von 100 Leute war sofort zu sehen, dass er anwesend war.
Frauen werden mit dieser Strategie allerdings Probleme haben. Gehört es doch zu den
ungeschriebenen Gesetzen, dass an jedem Morgen man ein anderes Outfit sehen muß, quasi
als Beweis, dass sie die Nacht in ihrer eigenen Wohnung verbracht haben. Sie aber können
sich mit Accessoires oder Farbauswahl helfen, einen ähnlichen Effekt zu erzielen.
Damit sind wir auch beim Thema Farbberatung. Die Farbberatung (welche Farbe paßt
zu meinem Typ) ist eine echte Hilfe beim Erwecken des richtigen Eindrucks und sollte
unbedingt (vielleicht sogar mehrmals in einer Berufslaufbahn) in Anspruch genommen werden.
Wer das Geld dafür noch nicht hat, sollte zumindest Kleidung in Harmonie zur Augenfarbe
wählen. Die Augen eines Menschen sind ein so zentraler Brennpunkt, dass Kleidung die
nicht zur Augenfarbe paßt, nie als harmonisch gelten kann.
Je nach Kulturkreis gibt es natürlich verschiedene Kleiderordnungen. Auch in der
gleichen multinationalen Firma wird man verschiedene Regeln zu beobachten haben.
Interessant für mich dabei zu beobachten (ich hatte Chancen in den verschiedensten
Konzernen ein- und auszugehen) war die Dominanz der Konzernzentrale. War die Zentrale in
UK, dann sah es überall sehr britisch aus. Und USA dominierte Firmen ließen alle ihre
Führungskräfte immer ein bißchen wie Amerikaner aussehen. Es ist also von Nutzen, dies
zu wissen und zu beobachten, worauf es ankommt. Oft kann man schon mit kleinen Accessoires
(z.B. bei Männern Uhr und Krawatte, bei Frauen Ohrringe und Schreibgerät) die nötige
Referenz erbringen.
Der
Erfolgreiche sieht erfolgreich aus |
Ebenso strahlen die obersten Führungskräfte immer aus, was 'man zu
tragen hat'. So wie schon zu allen Zeiten auch die einfachen Bürger die Könige und
Feldherren imitiert haben, so werden natürlich überall die Leute an der Spitze imitiert.
Allerdings sollte man nie zur exakten Kopie des Chefs werden oder ihn in Qualität (d.h.
Preis) der Kleidung übertrumpfen.
Dies gilt vor allem auch für seine Automarke (oder in USA auch Flugzeugtyp), die ja -
zumindest in Deutschland - auch ein Teil der eigenen Identity ist. Hingegen ist es immer
ehrenvoll und sogar notwendig, dieselben Zeitungen wie der Big Boß zu lesen.
Zurück zur Kleidung. Ein wesentlicher Aspekt ist ihre Pflege. Man muß einen Weg
finden, stets gepflegt auszusehen, aber nicht zuviel Aufwand (Zeit und auch vor allem
Geld) dafür zu treiben. Nach meiner Erfahrung läßt sich diese Frage am leichtesten
durch den Kauf hochqualitativer Produkte lösen. Einfach beim Einkauf immer die
Pflege mit im Auge haben und im Zweifel, das teurere, aber leichter zu pflegende Produkt
kaufen.
Besonders wichtig für das Wohlfühlen sind alle Kleidungsstücke, die man direkt auf
der Haut trägt. Hier sollte man wirklich nicht Aufwand und Kosten scheuen, die passenden
Stücke zu finden. Besonders Unterhemden (BHs), Unterhosen und Socken verdienen besondere
Beachtung (angenehmer sind etwas dickere Materialien, sie saugen besser den Schweiß auf,
ohne Nähte, die nicht einengen und deren Konturen man nicht von außen sieht). Aber auch
Hemdkrägen (lieber eine Nummer weiter) und Schuhe (leicht, atmend, weich, stabil) können
viel zum Wohl- oder Unwohlsein beitragen.
Auch zum Image tragen Schuhe mehr bei, als man denkt. Ein weiterer Grund dafür, beim
Schuhkauf nicht zu sparen und sich lieber wenige, dafür aber optimale Schuhe zuzulegen.
Es muss ja nicht immer unbedingt Ledersohle und ein Modell aus Mailand sein (für
US-Amerikaner ein Zeichen des Erfolges), gerade einige moderne, deutsche Modelle schätze
ich wesentlich praktischer für den Alltag ein.
Wer viel reist, wir schnell mit dem Problem verschiedener Klimazonen konfrontiert. Aber
auch im Herbst oder im Frühjahr hat man gerne die unpassende Kleidung an, am Morgen ist
zu kalt und zu Mittag zu heiß. Ich habe dieses Problem dadurch gelöst, dass ich
unterwegs die Unterwäsche gewechselt habe. Inzwischen gibt es aber neue Entwicklungen,
die diese Anpassung überflüssig machen. Mit Spezialkleidung (z.B. Thermohosen,
Thermojacken) kann man heute leicht Temperatursprünge von 20 Grad und mehr gut und gesund
überstehen.
Umziehen sollte man sich, wenn man vor der Arbeit oder in Pausen Sport betreibt. Wer
mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, tut sich keinen Gefallen, dann verschwitzt und stinkend
den ganzen Tag in dieser Kleidung zu verbringen. Düfte verursachen leicht Ablehnung. Der
Gestank von Schweißfüssen in alten Turnschuhen oder der Duft der Nylonhemden kann große
Probleme verursachen.
Zu den großen Fehlern gehört es auch, in Kneipenkleidung am nächsten Morgen im Büro
zu erscheinen. Kneipenmief ist über Nacht nicht aus der Kleidung zu bringen. Für solche
Fälle muß man vorsorgen, indem man sich vor dem Ausgehen entsprechend umzieht. Mir hat
dafür ein Pulli gute Dienste geleistet.
Manche Frauen machen den Fehler, sich zu grell und zu aufreizend anzuziehen. Miniröcke
und zu große Dekolletés werden dann schnell als 'Nuttenlook' abgetan. Ebenso falsch ist
es, täglich ein neues Modellkleid ('Modeschau') vorzuführen. Auch Übermengen an Schmuck
tun ihren Trägern, Frauen, wie auch Männern, nicht gut.
Wird man befördert, kommt man in ein neues Umfeld und man wird die Kleidung an die
neue Position anpassen müssen. Dies hat wenig mit Arroganz zu tun, es ist einfach eine
Frage der Klugheit und natürlich auch der Höflichkeit, diese Anpassung
vorzunehmen. Dabei wird man etwas Fingerspitzengefühl walten lassen müssen. Denn zu
teuer erscheinende Kleidung kann auch abstossend wirken.