International
Nur grob betrachtet sind alle Menschen gleich. Alle können sich zwar freuen, alle
trauern, alle werden geboren, alle müssen sterben. Aber bei genauerer Betrachtung ist die
Welt viel unterschiedlicher, als wir es uns vorstellen können. Wer es nicht glauben will,
der gehe auf Reisen.
Man sollte meinen, dass die Anzeige der Ziffern mit den Fingern auf der ganzen Welt
gleich ist. Haben wir doch alle ein Dezimalsystem und 2 Hände mit 5 Fingern. Aber ein
kurzer Informationsaustausch mit Chinesen wird uns eines besseren belehren.
Es gibt wenig, was überall gilt. Es gibt kaum etwas Verbotenes, was nicht woanders
erlaubt ist und umgekehrt. Da aber immer mehr die Grenzen zwischen den einzelnen Kulturen
fallen und die Distanzen zwischen den Orten zumindest zeitlich kürzer werden, prallen oft
die verschiedenen Kulturen hart aufeinander. Bei mangelnder Toleranz und fehlendem Wissen
sind dann Konflikte unvermeidlich.
Um in dieser vielfältigen, internationalen Welt besser zurechtzukommen, wird ein
lebenslanger Lernprozeß notwendig sein, der schon sehr früh einsetzen muß. Deshalb
sollten unsere Kinder schon früh Fremdsprachen lernen. Und wir alle sollten uns auf
unseren Urlaubsreisen oder in Kontakten mit den ausländischen Mitbürgern informieren. Es
gibt viel zu erforschen und zu erfragen.
Vor allem ist es nützlich, die Hintergründe herauszufinden. Dazu wird es auch
notwendig sein, die Geschichte und Religion fremder Kulturen zu studieren. Wer mag und
dazu fähig ist, wird das Gute, das er dabei lernt, zu übernehmen versuchen und so sein
Leben reicher gestalten.
Vielfach wird aber das Fremde auch dazu führen, das eigene Verhalten besser zu
verstehen und natürlich auch besser schätzen zu lernen. Es heißt nicht umsonst: der
kürzeste Weg sich selbst kennenzulernen, ist eine Reise um die Welt.
Auch wenn man eine fremde Sprache ein bißchen kann, so gibt es wesentliche Bereiche,
in denen man selbst nach langer Erfahrung noch Probleme haben wird.
Dazu gehören die Bedeutung von Ja, das Verstehen von Witzen und von Aufschriften, die
körperliche Distanz und das Aussprechen von Kritik.
Im Zweifel ist daher klug, bei einem Ja nachzufragen, ob es wirklich Zustimmung
bedeutet, auf keinen Fall Witze zu erzählen, niemanden zu berühren und keine Kritik
auszusprechen oder auch ihr zuzustimmen.
Wer diese Schwierigkeiten im Berufsleben ausschließen will, ist gut beraten sich
unbedingt lokale Unterstützung einzuholen, von jemandem, der den eigenen und auch den
fremden Kulturbereich kennt.
Besonders wenn man sich in einem Land mit Todesstrafe, einem religiös -
fundamentalistisch geprägten Land, einer Diktatur oder einem Land mit extremer Korruption
aufhalten muß, wird man kaum ohne Hilfe auskommen. Relativ sicher ist man in alten
Demokratien, mit einem dem unserem verwandten Rechtssystem und wo man die Deutschen liebt.
Weitere Problembereiche sind in den Essensvorschriften oder auch bei religiösen
Begriffen und auch Festen zu finden. Problematisch sind vor allem der Genuß von Alkohol,
Drogen aber auch mancher Fleischarten.
Je nach Kulturbereich oder Ort haben Menschen sehr unterschiedliche Empfindungen und
Gefühle für Zeit, Raum, hier vor allem für die Nähe der Menschen zueinander, für
Lautstärke und für die Familie. Mit etwas Vorsicht wird man schnell merken, was
angebracht und gestattet ist.
Im Zweifel darf man als Fremder auch nachfragen. Auf jeden Fall wird man sich anpassen
müssen, wobei starke Anpassung leicht lächerlich erscheint. Man denke nur an den Japaner
in der Lederhose.
Schwierig wird es, wenn man als Führungskraft eine internationale Gruppe zu managen
hat. Selbst bei großem Willen und großer Toleranz wird es immer wieder zu Problemen
kommen. Hier erfolgreich zu sein, bedarf großer Kenntnisse und Erfahrung.
In Zukunft wird international erprobte soziale Kompetenz immer wichtiger werden, nicht
nur für Führungskräfte der Industrie, sondern auch für Politiker. Menschen aus
kleineren Ländern (z.B. Holländer, Österreicher, Schweizer), die schon früh darauf
angewiesen sind, fremde Sprachen oder Kulturen zu lernen, weil sie ihr eigenes Land oft
verlassen, Filme nur mit Untertiteln sehen, Handel treiben müssen etc., haben hier
unschätzbare Vorteile.