Das Praxilogie Buch von Dr. Otto Buchegger TübingenIdeale Partner

Ideale Partner haben so viele wünschenswerte Eigenschaften, dass es ziemlich sicher ist, dass es die idealen Partner nicht gibt. Die unten angegebene Liste stellt eine Checkliste dar, sie nützt mir vor allem, wenn ich mich selbst verbessern will. Aber sie ist auch hilfreich, wenn ich mir überlegen will, warum ich einige Partnerschaften mag und andere als unangenehm empfinde.

Man beachte, dass hier nicht zwischen Geschäfts- und Privatpartnern unterschieden wird. Tatsächlich glaube ich, dass viele Eigenschaften für beide gemeinsam gelten. Bis auf die privaten und intimen Aspekte, die im Geschäftsleben nicht immer so ausgeprägt vorkommen werden, sind doch beide Beziehungen menschliche Beziehungen, was die große Gemeinsamkeit erklärt.

Von meinen Partnern erwarte ich, dass sie fair sind, aber auch mir gegenüber positiv gestimmt sind, vielleicht sogar mich mögen und dass ich keinerlei gravierende Kommunikationsprobleme mit ihnen habe. Sie sollen mich unterstützen, aber nicht verändern wollen und sie sollen Zeit für mich haben.

Zeit für eine Partnerschaft aufzuwenden ist wichtig. Wer keine Zeit für mich hat, für den bin ich nicht wichtig. Darum haben wir auch im Zeitmanagement darauf geachtet, für unsere wichtigen Beziehungen Zeit einzuplanen. Tatsächlich kann man die Erfreulichkeit einer Beziehung leicht daran messen, wieviel Zeit man - freiwillig - miteinander verbringt. Es ist auch wichtig, dass man anwesend ist oder zumindest leicht erreichbar ist.

Wichtig ist die Freude oder der Spaß, den man gemeinsam mit Partnern hat. Deshalb arbeiten ja auch viele Menschen lieber in Teams, als alleine. Menschen mit großem Unterhaltungswert - die trotzdem zuverlässig sind - sind darum als Partner gesucht. Mit ihnen wird es nie langweilig.

Wesentlich bei Partnern ist, dass jeder sich entfalten kann, ohne dass der andere dabei alles mitmachen muß, dass bei aller Gemeinsamkeit doch jeder einzelne seine Freiheit bewahrt. Dies erfordert sehr viel wechselseitiges Wohlwollen, Vertrauen und Toleranz.

In Geschäftsbeziehungen heißt dies, dass man gute Verträge ausarbeitet, die genau festlegen, wie jeder seine Freiheit nutzen kann, in Privatbeziehungen aber sollte man sich genügend Muße gönnen und nicht alle seine Verpflichtungen zu ernst nehmen.

Meist will man mit Partnern gemeinsam etwas erreichen, was man alleine nicht kann. So ist es auch wichtig, dass beide am gemeinsamen Fortschritt interessiert sind und auch daran arbeiten. Dazu ist nötig, dass der Fortschritt auch sichtbar ist, dass etwa bei Besprechungen eine gute Vorbereitung, aber auch Nachverfolgung stattfindet.

Partnerbeziehungen sind immer auch Machtbeziehungen. Jeder der etwas hat, was ich brauche, kann Macht über mich ausüben. So ist es wünschenswert, wenn die dabei entstehenden Machtspiele, bei aller Versuchung es zu tun, nicht in den Vordergrund gerückt werden. Leider scheint gerade dies besonders schwierig zu sein, sind doch die Machtspiele ein Hauptgrund, dass Beziehungen zerbrechen.

Neben allen fachlichen und objektiven Kriterien einer Geschäftspartnerschaft sind immer auch menschliche, manchmal sogar erotische Elemente vorhanden. Es wäre alltagsfremd, dies ableugnen zu wollen. Deshalb ist es auch in Geschäftsbeziehungen wichtig, als Mensch angenehm zu sein, das heißt zum Beispiel gut zu riechen, nicht zu laut zu sein, unterhaltsam zu sein, aber auch nicht aufdringlich zu sein und zu wissen, wann man stört und sich dann zurückziehen soll.

Nicht immer wird man es mit angenehmen Partnern zu tun haben. Manche Menschen in dieser Welt sind ausgesprochene Kotzbrocken und man muß trotzdem mit ihnen auskommen. Wir haben schon gesehen, dass es zu unseren Erfolgskriterien gehört, gerade mit unangenehmen Menschen gut auszukommen.

Gelegentlich sind es nur ganz wenige Elemente, die diese Kontakte so unangenehm werden lassen. Vielleicht kann man durch Proaktivität diese kompensieren? Oder aus dem Kontakt eine interessante Lernsituation werden lassen? So wird eine schwierige Situation doch noch zur Bereicherung im Leben. Aber im Zweifel ist dem Kontakt mit angenehmen Partnern immer der Vorzug zu geben. Alles läuft so viel leichter und schneller, wenn sich Menschen, die zusammenarbeiten müssen, auch mögen.

Aber im privaten Bereich muß die Partnerbeziehung doch einfach sein, soll sie Bestand haben. Hier sind zuviele 'Herausforderungen' leicht der Anfang vom Ende. Was nicht einfach geht, geht wahrscheinlich überhaupt nicht, dies ist eine bittere Erkenntnis von vielen Menschen, die sich enorm angestrengt haben, aber deren Beziehungen dennoch gescheitert sind. Mehr darüber dann in den nächsten Kapiteln.

Eigenschaften idealer Partner

Fair, menschenfreundlich, klare Sprache, verständlich, wenig Jargon, anpassungsfähig, nicht arrogant, überlegte Informationsweitergabe, Erspüren von Problemen, Geduld und Zeit haben, gute Zuhörer, sympatische Gestik, Freude am Kommunizieren, leichter Austausch, Fortschritt ist sichtbar, gute Vorbereitung und Nachverfolgung, Aufmerksamkeit, Nachdenklichkeit, Kompromißfähigkeit, kein Gesichtsverlust, keine Angst oder Furcht, viel Vertrauen, keine zu schnellen Schlußfolgerungen, nicht für andere sprechen, diskrete Hilfe zur Selbsthilfe, wollen mich nicht verändern, riechen gut, angenehme Lautstärke, sind unterhaltsam.

Ideale Partner existieren nicht.

Ich muss mich zum Schluss etwas korrigieren: Es gibt sie doch, die idealen Partner: Nämlich in unseren Gedanken, Wünschen, Vorstellungen, Erwartungen, in den Medien und natürlich in den Erinnerungen. Und selbstverständlich in den meisten virtuellen Beziehungen! Aber im wirklichen Leben müssen unsere Erwartungen realistisch, d.h. nicht zu übertrieben ideal, sein, wollen wir nicht zu oft enttäuscht werden!

 

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