Hilfe - richtig Helfen
Wechselseitiges Helfen wird bei allen Kooperationen wichtig sein, aber man sollte auch
bedenken, dass es beim Helfen zu schwerwiegenden, ja gefährlichen Problemsituationen
kommen kann. Vor allem, wenn die folgenden Erkenntnisse nicht beachtet werden:
Helfen ist ein massiver Eingriff in die Selbstbestimmung eines Menschen. Hilfe ist
deshalb nicht immer erwünscht.
In Japan wird man einem Menschen, der ohnmächtig wird, nicht ohne weiteres beistehen.
Anstatt zu dem niedersinkenden Menschen zu sehen, wird man eher wegsehen oder weggehen,
damit dieser Schwächeanfall nicht zum Gesichtsverlust führt.
Im Reisekapitel weise ich noch darauf hin, wie unser Drang zu helfen als Touristenfalle
benutzt wird. Es ist kein Zeichen von Nächstenliebe, sondern von Dummheit, in jedem Fall
helfen zu wollen und nicht die nötige Vorsicht für sich selbst walten zu lassen.
Mein Vater hat einige Selbstmörder aus der Donau gerettet. Er hat dabei
ausschließlich, auch nach längerer Zeit nach dem Selbstmordversuch, nur harsche Schelte
von den Kandidaten bekommen.
Der Helfer darf nie selbst umkommen. Das Risiko bei der
Hilfe muss überschaubar bleiben! |
Wer Hilfe anbietet, sollte fragen, ob die Hilfe erwünscht ist ('Soll
ich helfen?'). Natürlich wird man in extremen Notfällen sofort zu handeln haben (zum
Beispiel wenn jemand erstickt), aber in den vielen anderen Fällen fragt man einfach. So
gibt man dem Notleidenden die Chance die Hilfe entweder bewußt zu akzeptieren oder auch
abzulehnen.
Die nächste Frage ist, 'wie kann man helfen'? Sehr oft unterscheiden sich die
verschiedenen Erwartungen. Der Helfende weiß oft gar nicht, wie er helfen kann, weil er
das Problem noch gar nicht verstanden hat. Wer agiert, ohne zu verstehen, schafft immer
Probleme. Das Geringste ist, dass er als arrogant oder Besserwisser eingestuft wird und
deshalb abgelehnt wird.
Ein Mensch kommt zu einer Gruppe, die ein Problem löst. Sofort gibt er seine Meinung
mit einer Lösung zum Besten. Die Gruppe wird diese Meinung immer ablehnen, selbst wenn
sie richtig ist, oder zumindest einen guten Gedanken enthält. Erst wenn er sich das
Problem von der Gruppe erklären läßt, wird diese seinen Rat übernehmen.
Nicht immer muß Hilfe als Hilfe 'verpackt' sein. Hilfe wird viel besser akzeptiert,
wenn sie in anderer Verpackung kommt. Im Firmenumfeld zum Beispiel als 'Training'. Der
Unterschied ist, dass Hilfe auf Wohlwollen beruht, aber Training etwas ist, auf das man
als Neuer einen Anspruch hat.
Genauso kann man Ratschläge in verschiedener Form geben. Entweder als Belehrungen (die
wird man nicht gerne annehmen) oder auch als Erinnerungen. Ich mache gerne im
persönlichen Gespräch aus Ratschlägen Episoden, das heißt kleine Geschichten, die
anderen passiert sind und erzähle, was diese dabei aus dem Schaden gelernt haben.
Viele Menschen lehnen Ratschläge und Tipps ab. Ein Freund meinte, Tipps seien nur zum
Weitergeben, das heißt, sie sind etwas, was bei einem Ohr rein und beim anderen Ohr raus
geht.
Sehr oft wird von Hilfe zur Selbsthilfe gesprochen. Das heißt, Hilfe soll wie ein
Katalysator sein. Kurzfristig etwas bewirken oder verändern soll diese Hilfe, aber es
soll keine dauernde Abhängigkeit dabei entstehen. Denn die Abhängigkeit verleitet zur
Machtausübung, die von den Geholfenen im Normalfall nicht erwünscht ist.
Wer hilft, erwartet meist eine Gegenleistung, zumindest Dankbarkeit. Diese Erwartungen
werden oft nicht erfüllt. Es ist daher klug, sich gar keine Gegenleistungen bei Hilfe zu
versprechen. Wenn sie aber doch sein sollen, dann sind diese vertraglich abzusichern. In
einer Welt voll Egoisten mit kurzem Gedächtnis ist so ein Vertrag mehr wert, als das
Vertrauen auf Hilfe in der Zukunft.
Viele Menschen helfen, indem sie professionelle Helfer bezahlen. Man sollte dann genau
darauf achten, wieviel Geld dabei wirklich ankommt und ob die vorgegeben Interessen, die
man unterstützen will, auch wirklich umgesetzt werden. Wird man bei diesen Deals
betrogen, ist nur konsequenter moralischer und vor allem finanzieller Boykott der richtige
Ausweg. Denn über das Geld ist viel zu erreichen.
Ich unterstütze seit der Shell Brent Spar Affäre nicht mehr Greenpeace. Greenpeace
hat in meinen Augen mit gelogenen Argumenten publikumswirksam Macht ausgeübt. Dies tue
ich kein zweites Mal.
Es ist hier wichtig wirklich, nicht zu verzeihen. Die Organisationen müssen wissen,
dass schon ein Fehler oder eine Lüge ihr Ende bedeutet, nur so werden sie sorgsam genug
mit fremdem Geld umgehen.
Es ist eine Illusion anzunehmen, dass alle Menschen gerne helfen wollen. Es gibt viele
Menschen, die nicht helfen, selbst dann, wenn sie diese Hilfe gar nichts kostet. Manchmal
ist die Ablehnung ideologisch begründet ('die werden nie was von mir bekommen'), oft aber
ist nur Dummheit oder Faulheit der Grund der Ablehnung der Hilfe.
Bei Dummheit kann man versuchen aufzuklären, bei Faulheit muß man motivieren, unter
Umständen mit Androhung von Konsequenzen (unterlassene Hilfeleistung). Die beste
Motivation ist in meinen Augen aber immer noch dem Helfenden den Nutzen, den er dabei
gewinnt, klar zu machen.
Im beruflichen Umfeld ist die beste Art Hilfe zu fördern, jene Menschen öffentlich zu
loben, die gute, prompte und seriöse Hilfe geleistet haben. So wird ein Klima erzeugt, in
dem gegenseitige Unterstützung möglich wird, ohne Gesichtsverlust, ohne dauernde
Abhängigkeiten und zum Nutzen aller Beteiligten, letzten Endes zum Nutzen der ganzen
Firma. Und dieses Lob darf ruhig auch mit Geld verbunden sein.
Ich bin nämlich nach wie vor überzeugt, dass auf die Dauer ein Belobungssystem mehr
bringt, als ein Bestrafungssystem. Ich schreibe deshalb in der Servicewüste Deutschland
gerne Lobesschreiben, wenn ich von dienstbaren Geistern gut behandelt wurde.
Es ist interessant, wie Firmen und andere Institutionen auf Lob reagieren. Ausnahmslos
bedanken sie sich, was bei Beschwerden nicht immer der Fall ist. Und fast immer wird dabei
erklärt, dass Lobesschreiben ganz selten vorkommen. Wer also wirklich Eindruck schinden
will, der muß nur kräftig loben, an ihn wird man sich lange erinnern!
Leider gibt es immer wieder Kriminelle, die verzweifelten Menschen, die Hilfe suchen
und die diese auch bitter nötig hätten, dann noch das allerletzte Geld wegnehmen. Viele
0190- Nummern für Arbeits- oder Wohnungssuchende, wo nur geneppt wird, aber man keine
wirkliche und brauchbare Hilfe bekommt, gehören für mich auch diese Kategorie!