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Gourmands essen viel, |
Essen und Trinken erlernt man nicht in der Jugend. Die Kultur der Jugend legt überhaupt keinen Wert darauf und gutgemeinte Versuche der Eltern die Jugendlichen dafür zu schulen sind im Normalfall zum Scheitern verurteilt. Lediglich das Vorbild der Eltern, deren eigene Lebensfreude damit, kann für die Jugendlichen motivierend wirken.
So müssen die Erwachsenen - ähnlich wie auf dem Sexualsektor - ihre Ausbildung selbst dafür in die Hand nehmen. Zwei Faktoren sind dabei sehr hilfreich:
Gutes Essen und gutes Kochen gehören zusammen. Erst durch eigenes Kochen wird man gutes Essen verstehen und erst durch gutes Essen wird man seine Kochkünste vervollkommnen. Ich kann also alle meine LeserInnen, Männer genauso wie Frauen, nur ermuntern sich mit dem Kochen zu beschäftigen.
Das Schöne am Kochen ist, dass man seine eigene Kreativität und Kunst darin auch selbst genießen kann! Es gibt wenige andere Künste, wo dies auch der Fall ist! Kochen hilft auch gute soziale Kontakte zu knüpfen und kann im Alter helfen, sich lange selbst zu versorgen. Obwohl gutes Kochen oft ziemlich teuer ist, kann man aber die Kenntnisse darin auch dazu verwenden, um zu sparen und sich doch richtig und gesund zu ernähren.
Ein weiterer Aspekt der eigenen Kochkünste ist, dass man durch sie weniger von anderen Menschen, seien es nun die Eltern, Ehepartner oder Institutionen, wie Kantinen oder Restaurants, abhängig ist. Man gewinnt damit ein großes Maß an Freiheit zur Gestaltung des guten Überlebens!
Das Essen in Gruppen fördert die Kenntnisse beim Essen und Trinken. Es gibt immer jemanden, der etwas besser Bescheid weiß und der Gruppe zum Beispiel spezielle Eßtechniken beibringen wird.
| Bei Gruppenessen muß der Bezahlungsmodus
im Voraus geregelt sein, soll es nicht zu unangenehmen Überraschungen kommen. Folgende Varianten sind fair:
Bei allen anderen Varianten muß man sich auf die Fairness der Teilnehmer verlassen können. Diese Fairness ist nicht gegeben, wenn die Gruppe groß ist oder Teilnehmer mit unbeschränkten Spesenaccounts (z.B. US-Amerikaner) dabei sind. Dann ist oft die einzige Alternative, einfach nicht mit zum Essen zu gehen. Man vergesse auch nicht: Wer bestellt, muß bezahlen. Wer wegen Sprachproblemen für ausländische Kollegen mitbestellt, muß im Streitfall auch für diese bezahlen! Deshalb immer die Kreditkarte mitnehmen! |
Ich habe oft nach dem Vorbildprinzip gehandelt: Geh mit jemanden essen, der erfahren ist und zu dem du Vertrauen hast. Und iß alles, was der auch genießt, egal was du vorher darüber denkst. So habe ich gelernt, Hummer zu zerlegen, Austern zu schlürfen, Meeresschnecken roh zu essen und vieles andere mehr, wovor ich vorher wegen Unkenntnis nur Abneigung hatte.
Natürlich kann man Essen und Kochen in der Gruppe auch kombinieren. Aber das Gruppenessen in einem guten Restaurant hat doch seine eigene Atmosphäre, die man zuhause schlecht nachvollziehen kann. Ein langes Essen, mit vielen kleinen Gängen, mit entsprechender Beratung durch einen kompetenten Kellner, wird an einem Abend viel Know-How bringen und auch große Freude bereiten.
Ich habe einige Jahre Eßreisen ins Elsaß organisiert. Ein Kleinbus voll Genießer hat nach einer kleinen Wanderung dann ein ausgezeichnetes und fast immer unvergessliches Essen miteinander gefeiert. Auch nach vielen Jahren denke ich gerne an diese Ausflüge zurück. Heute hat sich die Szene etwas gewandelt und ich wähle jetzt die deutsche Seite des Rheintals oder Italien für diese Reisen.
Geschmack braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Gelegentlich wird man etwas öfter versuchen müssen, um dahinter zu kommen, warum etwas so ausgezeichnet schmeckt und begehrt ist. Und manches wird einem nie schmecken, darauf kann man dann getrost auch verzichten.
So brauchte ich mehrere Anläufe und auch Beratung, um herauszukriegen, warum Austern so lecker sind. Erst die richtige Kombination Austern mit Muscadet Sur Lie, langsam mit etwas Zitronensaft genossen, mit einigem Abstand zum nächsten Gang, hat mir die Erleuchtung gebracht. Hingegen habe ich nie Geschmack an Trüffeln gefunden. Auch nach vielen Versuchen stellte ich fest, dass sie einfach nach gar nichts schmecken! Und das ganze Gerede darum - für mich - nur Geschäftemachen ist!
Bei diesen Gruppenessen wird man schnell die entspechende Ausbildung zum Gourmet erhalten. Der Guide Michelin mit seinen Sternen hilft auch die richtige Auswahl zu treffen. Nach einigem Training kann man dann die Ausbildung feierlich in einem Drei-Sterne Restaurant abschließen. Damit ist man dann für alle Festbanquette und ähnliche Anlässe vorbereitet.
Wer mit fremdartigem Essen am Anfang nicht zurechtkommt, kann immer den Ober befragen, dafür ist dieser auch da. Wer die Eßsitten des Hausherren, der Hausfrau nachmacht, wird keine schwerwiegenden Fehler machen. Wer unsicher ist, wie es schmecken wird, läßt sich zuerst ein Kostprobe oder eine kleine Portion geben.
Bei Fischessen braucht man einmal eine Anleitung über die Anatomie der Fische. Am Besten übt man dafür mit einer Forelle, die ist einfach zu zerlegen und typisch für die meisten Fische.Wenn Geflügel oder Hummer serviert werden, darf man diese auch mit Hilfe der Hand essen, nachher muß man sich allerdings die Hände waschen oder abwischen!
Besteck nimmt man von außen nach innen. Viele Gläser sind manchmal verwirrend, aber richtige Fehler kann man damit kaum machen. Man läßt sich dann einfach einschenken.
Viel Trara wird immer um die Weinauswahl gemacht. Inzwischen gibt es Weinseminare, sogar spezielle für Führungskräfte, wo man entspechende Beratung bekommt. Aber auch hier hat sich viel gewandelt. Man trinkt, was einem schmeckt. Bei Gruppen wählt der aus, der zahlt oder die Einladung ausgesprochen hat. Solange man nicht Wein mit Bier oder Coca-Cola mischt, kann man kaum schwerwiegende Fehler machen. Also nur Mut bei der Wahl.
Der Genuß von Alkohol ist bei Auftritten in der Öffentlichkeit immer zu kontrollieren. Man darf nie lallen! Wer schon nach einem Bier lallt, der lasse den Alkohol ganz weg. Ebenso soll der nichts oder nur wenig trinken, der noch eine große Rede zu halten hat. Dafür braucht man alle seine Sinne!
Vermeiden sollte man u.a. in unserem Kulturkreis: Reden während des Kauens, jede Art von Zahnhygiene am Tisch, lautes Rülpsen, Nachziehen des Lippenstiftes, Kämmen am Tisch, Ablegen der Essensreste ausserhalb des eigenen Tellers, frühzeitiges Aufstehen von der gemeinsamen Tafel, Rauchen solange andere noch essen, Benutzung des Handys.
Aber gestattet sind: Gegenseitiges Kosten, genüßliches (leises) Schmatzen, bei Krustentieren und Geflügel die Hand einsetzen, Stehenlassen von Speisen.
Immer nützlich ist: Vor dem Essen Hände waschen, den Koch, die Köchin loben, sich für die Einladung bedanken, über schöne Dinge reden, Komplimente machen und das Flirten nicht vergessen! Denn nicht nur Essen und Trinken gehören zur Lebensfreude!
Zum Schluß noch der Hinweis zum Trinkgeld (service, tip). Man halte sich streng an die Landesregel, kennt man diese nicht, so fragt man danach. In Deutschland rundet man den Betrag auf, aber in USA muß man 15% der Summe geben. Davon lebt die Bedienung, wem das zu hoch ist, der darf in USA nur zu McDonalds gehen. Dort sind die Preise Inklusivpreise! Im übrigen gibt es nicht viele Gelegenheiten, wo man mit so kleinem finanziellen Aufwand so goßen Eindruck schinden kann, wie beim Trinkgeld geben.
Ich hoffe, mit meinen Anmerkungen zu helfen, dass Eßsitten kein Stolperstein in der Karriere werden, sondern sie mithelfen, Lebensfreude zu gewinnen. Diese wird in einem sonst sehr feindlichen Umfeld bitter notwendig sein!
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Das Praxilogie Buch (2009) |
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© 2009 Dr. Otto Buchegger Tübingen