Ehe - Irrtümer
Die Ehe wird mit soviel Vorurteilen beladen, dass es gelegentlich ganz nützlich ist,
diese etwas auf die Schippe zu nehmen. Nicht jeder wird mir dabei zustimmen, vielleicht
begehe ich für einige sogar damit ein Sakrileg. Diesen Menschen empfehle ich die
folgenden Kapitel einfach zu überschlagen.
'Du mußt immer mit mir zusammen sein'. Damit legt man sich nur gegenseitig in Fesseln.
Besser wäre es, das Zusammensein so schön zu gestalten, dass man gerne zusammen ist,
aber beide Partner sollten genügend Freiheit und Muße von der Partnerschaft haben, damit
diese freiwillig aufrechterhalten wird.
'Du darfst keine Geheimnisse vor mir haben'. Natürlich hat jeder Mensch ein Recht auf
seine Geheimnisse. Partner müssen loyal zueinander sein, aber jeder braucht seine eigenen
Probleme und Erfolge und natürlich auch seine Geheimnisse.
'Du mußt mich leidenschaftlich lieben'. In jeder Beziehung gibt es Höhen und Tiefen.
Die Liebe wird nicht immer leidenschaftlich sein können. Trotzdem bleibt die
Partnerschaft in Ordnung. Es genügt für viele, sich regelmäßig zu lieben, um eine gute
Partnerschaft aufrechtzuerhalten.
'Du darfst keinen eigenen Freundeskreis haben'. Wie sollen sich Menschen
weiterentwickeln, wenn sie keinen eigenen Freundeskreis haben, wer wird sie in Krisen- und
Notsituation mit stützen können. Der Freundeskreis aber sollte konstruktiv sein, wer
sich mit lauter zerstörerischen Menschen umgibt, darf sich nicht wundern, wenn diese auch
die Partnerschaft kaputt machen.
'Du allein bist für mein Glück verantwortlich'. Falsch, nur ich allein bin für mein
Glück verantwortlich. Es ist schön und auch notwendig, wenn die Partnerschaft zu meinem
Glück beiträgst, aber die Verantwortung dafür kann kein Erwachsener aus der Hand geben.
'Du mußt für mich sorgen'. Vielleicht vorübergehend z.B. im Krankheitsfall, aber
letzten Endes wird nur eine Partnerschaft zweier etwa gleich starker Menschen Bestand
haben.
'Du mußt mich ohne Worte verstehen'. Dies kann kein Mensch. Wer sich darauf verläßt,
fordert Kommunikationsprobleme nur heraus. Sicher werden Menschen, die lange
zusammenleben, sich mit wenigen Worten verstehen, aber auch diese werden gelegentlich
klärende und deutliche Worte brauchen, wollen sie wissen, was der Partner denkt oder auch
fühlt. Man muß also gelegentlich seine Gefühle auch aussprechen, will man sicher gehen,
dass man verstanden wird.
'Gegensätze passen gut zusammen'. Gegensätze ziehen sich zwar oft an, aber im
täglichen Umgang ist viel Gemeinsamkeit angesagt. Natürlich werden verschiedene
Naturelle sich gut ergänzen, aber bei grundsätzlichen Fragen ist Gemeinsamkeit sehr viel
verbindender und dauerhafter. Wenn alles erst ausdiskutiert oder erstritten werden muß,
wird die Partnerschaft zur Belastung und nicht zur Bereicherung.
'Wir brauchen kein Geld, um glücklich zu sein'. Wer keine finanzielle Basis für die
Ehe hat, wird zuviele Sorgen haben, um glücklich werden zu können. Etwas Geld oder
Sicherheit wird man aufbringen müssen, will man sich zusammentun. Allerdings wird man in
einer harmonischen Beziehung gemeinsam sehr viel mehr erreichen, als alleine. Partner, die
sich gut stützen, brauchen weniger Geld, aber etwas brauchen sie immer.
'Nach der Hochzeit muß ich nicht mehr um dich werben'. Warum eigentlich nicht?
Konkurrenz gibt es das ganze Leben und überall. Sie hört auch nach der Eheschließung
nicht auf. Wer nicht immer wieder um seinen Partner wirbt, wird ihn früher oder später
an jemanden verlieren, der es tut. Natürlich stellt die gemeinsame Vergangenheit einen
Riesenbonus dar, aber ganz auf diesen kann man sich nicht verlassen!
'Sexuelle Harmonie ist nicht so wichtig'. Für einige Paare mag dies stimmen. Aber im
allgemeinen ist sexuelle Harmonie das wichtigste Band einer Beziehung. Und der einfache
und befriedigende Zugriff zu Sex kann über viele Schwierigkeiten hinweghelfen. Liebe ist
loyale Freundschaft mit gutem Sex, sagt eine Definition. Gelegentlich wird die
Freundschaft der wesentliche Pfeiler sein, und gelegentlich die sexuelle Befriedigung.
Fehlen beide Pfeiler, dann bricht die Partnerschaft zusammen.
Die Rolle der Sexualität in einer Beziehung wird gerne unterschätzt. Befriedigte
Partner werden viel eher loyal oder treu zueinander sein, weil sie auch die unendlich
große Konkurrenz leicht ignorieren. Die Sexualtät darf nicht zur Handelsware in einer
Beziehung werden, schon gar nicht darf mit ihr erpresst werden. Mein Rat, vor allem an
meine Leserinnen: Lieber regelmäßig verführen, als später in der Scheidung
prozessieren!
Hier sind nur einige Irrtümer aufgeführt, es gibt sicherlich noch viel mehr davon.
Dies ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, sich in einer sich
so schnell verändernden Welt zurechtzufinden. Vieles was heute gilt, wird morgen nicht
mehr gelten, und vieles was gestern wichtig war, ist heute problematisch.