Das Praxilogie Buch von Dr. Otto Buchegger TübingenBewerbungen

Bewerbungen gehören zu den kritischen Tätigkeiten eines Berufstätigen. Nicht nur die erste Bewerbung, die zur Einstellung geführt hat, sondern auch spätere, wenn es um Berufswechsel geht, sind kritisch. Berufsanfänger sollten daher unbedingt auf Bewerbungstrainings zurückgreifen um wenigstens nicht die einfachsten und meist auch schlimmsten Fehler zu machen. Einfache Ratschläge, etwa 'Geben Sie sich ganz natürlich', sind in der Praxis ohne Training und Erfahrung nicht zu befolgen.

Es gibt sehr viel Literatur zu diesem Thema, sie steht oft auch gratis zur Verfügung. Es lohnt sich, diese zu lesen und soweit es geht, auch anzuwenden. Aber kein Lesen wird die Übung ersetzen, deshalb sollte jeder auch einige Probebewerbungen machen, Bewerbungen für Positionen, die man wahrscheinlich nicht annehmen wird, nur um in der Realität zu üben. Bevor man sich bewirbt, kann man telefonisch schon überprüfen, ob die Bewerbung überhaupt eine Chance haben wird. Damit reduziert man die Zahl der Ablehnungen, was gut für das Selbstvertrauen ist.

Bewerbungsschreiben, Anschreiben (Cover Letter)

1-2 Seiten, sehr spezifisch und konkret
darf etwas auffallend sein
alle Adressen für Erreichbarkeit,
mit Bild (eingescannt) im Briefkopf
Sperrvermerke (d.h. wer dieses Bewerbung nicht sehen soll),
augenblicklicher Status
ohne Rechtschreibfehler, guter Druck, gutes Papier, verständlich

Lebenslauf, Resumée, Curriculum Vitae (CV)

Angabe der gewünschten Positionen,
korrekt (aber positiv dargestellt), lückenlos (oder Erklärungen für Lücken), kurz, Neuestes zuerst, Unwichtiges/Unangenehmes/Unnötiges weglassen, Quantifizieren der Leistungen, günstige und passende Form wählen, maschinenlesbar, im Internet verfügbar (spart Portokosten), alle Adressen für Erreichbarkeit, mit Farbbild (vom Fotografen, unbedingt lächeln!), Referenzen, Zeugnisse, keine Gehaltsangaben!(besser verhandeln), u.U. zusätzlich mit Zusammenfassung auf einer Seite/Anhänge

Gerne wird von Bewerbern übersehen, dass sie nicht nur ihre eigenen Probleme mit der Bewerbung zu lösen haben, sondern dass sie vor allem auch die Probleme der Firma lösen sollen. Deshalb ist eine gute Kenntnis der Firma, bei der man sich bewirbt, von unschätzbarem Vorteil.

Man sollte alle legalen Quellen dazu nutzen, von persönlichen Gesprächen bei Messen bis zu allem Material, das man über diese Firma in der Presse finden kann. Man kann gar nicht genug wissen, um sich richtig - für beide Seiten - zu entscheiden. Um viel zu erfahren, muss man sich früh darum kümmern. Und es schadet auch nicht, sich sehr früh zu bewerben.

Wichtige Information ist immer das mögliche Gehalt. Dazu sollte man auch die verhandenen statistischen Daten der Landesämter auswerten. Ich empfehle (nach amerikanischem Vorbild) keine schriftlichen Gehaltsvorstellungen abzugeben, sondern dies in der Verhandlung zu klären.

Gerne übersehen wird die radikale Veränderung, die eine neue Arbeit mit sich bringt. Deshalb sollten viele Aspekte - und nicht nur das Gehalt - in Betracht gezogen werden.

Zu den wichtigsten Fragen gehört:

    • Wer ist mein Chef und komme ich mit ihm zurecht?
    • Kann ich mich an dem konkreten Arbeitsplatz wohl fühlen? Ein passionierter Nichtraucher wird in einer Raucherfirma nie glücklich werden. Und wer täglich zwei Stunden pendeln wird, wird auf Dauer sicherlich auch unglücklich werden.

All dies muß vorab geklärt sein, aber stimmen 80%, dann sollte man schnell zusagen und sich an die restlichen 20% anpassen. Zulange Überlegung bringt nichts mehr, außer dass sie einem schlechte Karten für den Start bringt.

In Deutschland muß man extrem pünktlich zu Bewerbungsterminen erscheinen und man darf um Gottes Willen keine negativen Äußerungen machen. Also muß man sich gut überlegen, was man über die alte Firma sagen wird und eine - positiv formulierte - Erklärung bei der Hand haben, warum man sich verändern will.

Bei der Kleidung sollte man darauf achten, dass sie gepfegt ist und zur Firma passt. Wer gut ausgeschlafen ist, wird schlagfertiger reagieren können. Und man sollte doch gut rüberbringen können, warum man gerade zu dieser Firma gehen will!

Es gibt tausend Wege zu einer Firma zu finden, von persönlichen Kontakten, über das Inserat, über ein Praktikum, einen Tag der offenen Tür, einen Messebesuch. Am angenehmsten sind die Soft-Entries, wo man so ganz nebenbei, z.B. über die Diplomarbeit, sich gegenseitig beschnuppern kann und sich dann handelseinig wird.

Wer den Kollegenkreis zur Bewerbungsvorbeitung nutzt, sollte wissen, dass die Kollegen auch alle Konkurrenten sind. Man kann sich daher ganz gut gemeinsam vorbereiten, zum Beispiel auch mit einer Videokamera üben, gemeinsam Erfahrungen austauschen, aber man sollte nie gemeinsam zur Firma fahren. Hier würde man sich nur gegenseitig hemmen!

Ich habe für meine eigenen Bewerbungsgespräche gerne zwei aufeinander folgende Tage gewählt, um über Nacht nachzudenken und dann am nächsten Tag dann noch die offenen Fragen klären zu können. Und ich habe darauf geachtet, dass die Bewerbung auch für den Interviewer bei der Firma angenehm ist. Beides hat sich gut bewährt.

 

zurück Übersicht Feedback Autor Literatur weiter

.

Das Praxilogie Buch (2009)

Bestellen

Die Praxilogie, von Otto Buchegger, Tübingen

Ein Klick aufs Bild zeigt den Umschlag

© 2009 Dr. Otto Buchegger Tübingen

Vielen Dank, jede Bestellung über Amazon unterstützt die Praxilogie