Bewerbungen
Bewerbungen gehören zu den kritischen Tätigkeiten eines Berufstätigen. Nicht nur die
erste Bewerbung, die zur Einstellung geführt hat, sondern auch spätere, wenn es um
Berufswechsel geht, sind kritisch. Berufsanfänger sollten daher unbedingt auf
Bewerbungstrainings zurückgreifen um wenigstens nicht die einfachsten und meist auch
schlimmsten Fehler zu machen. Einfache Ratschläge, etwa 'Geben Sie sich ganz natürlich',
sind in der Praxis ohne Training und Erfahrung nicht zu befolgen.
Es gibt sehr viel Literatur zu diesem Thema, sie steht oft auch gratis zur Verfügung.
Es lohnt sich, diese zu lesen und soweit es geht, auch anzuwenden. Aber kein Lesen wird
die Übung ersetzen, deshalb sollte jeder auch einige Probebewerbungen machen, Bewerbungen
für Positionen, die man wahrscheinlich nicht annehmen wird, nur um in der Realität zu
üben. Bevor man sich bewirbt, kann man telefonisch schon überprüfen, ob die Bewerbung
überhaupt eine Chance haben wird. Damit reduziert man die Zahl der Ablehnungen, was gut
für das Selbstvertrauen ist.
Bewerbungsschreiben, Anschreiben (Cover Letter)
1-2 Seiten, sehr spezifisch und konkret
darf etwas auffallend sein
alle Adressen für Erreichbarkeit,
mit Bild (eingescannt) im Briefkopf
Sperrvermerke (d.h. wer dieses Bewerbung nicht sehen soll),
augenblicklicher Status
ohne Rechtschreibfehler, guter Druck, gutes Papier, verständlich |
Lebenslauf, Resumée, Curriculum Vitae (CV)
Angabe der gewünschten Positionen,
korrekt (aber positiv dargestellt), lückenlos (oder Erklärungen für
Lücken), kurz, Neuestes zuerst, Unwichtiges/Unangenehmes/Unnötiges weglassen,
Quantifizieren der Leistungen, günstige und passende Form wählen, maschinenlesbar, im
Internet verfügbar (spart Portokosten), alle Adressen für Erreichbarkeit, mit Farbbild
(vom Fotografen, unbedingt lächeln!), Referenzen, Zeugnisse, keine Gehaltsangaben!(besser
verhandeln), u.U. zusätzlich mit Zusammenfassung auf einer Seite/Anhänge |
Gerne wird von Bewerbern übersehen, dass sie nicht nur ihre eigenen
Probleme mit der Bewerbung zu lösen haben, sondern dass sie vor allem auch die Probleme
der Firma lösen sollen. Deshalb ist eine gute Kenntnis der Firma, bei der man sich
bewirbt, von unschätzbarem Vorteil.
Man sollte alle legalen Quellen dazu nutzen, von persönlichen Gesprächen bei Messen
bis zu allem Material, das man über diese Firma in der Presse finden kann. Man kann gar
nicht genug wissen, um sich richtig - für beide Seiten - zu entscheiden. Um viel zu
erfahren, muss man sich früh darum kümmern. Und es schadet auch nicht, sich sehr früh
zu bewerben.
Wichtige Information ist immer das mögliche Gehalt. Dazu sollte man auch die
verhandenen statistischen Daten der Landesämter auswerten. Ich empfehle (nach
amerikanischem Vorbild) keine schriftlichen Gehaltsvorstellungen abzugeben, sondern dies
in der Verhandlung zu klären.
Gerne übersehen wird die radikale Veränderung, die eine neue Arbeit mit sich bringt.
Deshalb sollten viele Aspekte - und nicht nur das Gehalt - in Betracht gezogen werden.
Zu den wichtigsten Fragen gehört:
- Wer ist mein Chef und komme ich mit ihm zurecht?
- Kann ich mich an dem konkreten Arbeitsplatz wohl fühlen? Ein passionierter Nichtraucher
wird in einer Raucherfirma nie glücklich werden. Und wer täglich zwei Stunden pendeln
wird, wird auf Dauer sicherlich auch unglücklich werden.
All dies muß vorab geklärt sein, aber stimmen 80%, dann sollte man schnell zusagen
und sich an die restlichen 20% anpassen. Zulange Überlegung bringt nichts mehr, außer
dass sie einem schlechte Karten für den Start bringt.
In Deutschland muß man extrem pünktlich zu Bewerbungsterminen erscheinen und man darf
um Gottes Willen keine negativen Äußerungen machen. Also muß man sich gut überlegen,
was man über die alte Firma sagen wird und eine - positiv formulierte - Erklärung bei
der Hand haben, warum man sich verändern will.
Bei der Kleidung sollte man darauf achten, dass sie gepfegt ist und zur Firma passt.
Wer gut ausgeschlafen ist, wird schlagfertiger reagieren können. Und man sollte doch gut
rüberbringen können, warum man gerade zu dieser Firma gehen will!
Es gibt tausend Wege zu einer Firma zu finden, von persönlichen Kontakten, über das
Inserat, über ein Praktikum, einen Tag der offenen Tür, einen Messebesuch. Am
angenehmsten sind die Soft-Entries, wo man so ganz nebenbei, z.B. über die Diplomarbeit,
sich gegenseitig beschnuppern kann und sich dann handelseinig wird.
Wer den Kollegenkreis zur Bewerbungsvorbeitung nutzt, sollte wissen, dass die Kollegen
auch alle Konkurrenten sind. Man kann sich daher ganz gut gemeinsam vorbereiten, zum
Beispiel auch mit einer Videokamera üben, gemeinsam Erfahrungen austauschen, aber man
sollte nie gemeinsam zur Firma fahren. Hier würde man sich nur gegenseitig hemmen!
Ich habe für meine eigenen Bewerbungsgespräche gerne zwei aufeinander folgende Tage
gewählt, um über Nacht nachzudenken und dann am nächsten Tag dann noch die offenen
Fragen klären zu können. Und ich habe darauf geachtet, dass die Bewerbung auch für den
Interviewer bei der Firma angenehm ist. Beides hat sich gut bewährt.