Beschwerden - Reklamationen
Beschwerden sind eine wesentliche Informationsquelle in einer Beziehung und natürlich
auch in einer Kundenbeziehung. In einer wettbewerbsorientierten Welt ist die Handhabung
von Beschwerden eine entscheidender Faktor im Konkurrenzkampf. Wer mit Beschwerden richtig
umzugehen versteht, hat einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil.
Wer sich beschwert, hat nicht erhalten, was er erwartet hat. Aber es beschwert sich nur
jemand, der weiterhin mit mir Geschäfte machen will, allerdings nur dann, wenn das
Problem zufriedenstellend behoben wurde.
Wer unzufrieden ist und den Geschäftsverkehr mit mir deshalb abbrechen will, der wird
einfach gehen und ich werde ihn - zumindest für einige Zeit - als Kunden gesehen haben.
Beschwerden stellen deshalb oft nur die Spitze eines Eisberges dar, denn viele
Unzufriedene werden sich nicht die Mühe machen, eine Beschwerde zu formulieren und mir
zukommen zu lassen. Sie stimmen mit den Füßen ab und gehen zur Konkurrenz.
Willst du dich beschweren,
dann fange mit dem Positiven an. Deine Chance, dass du dann gehört wirst, steigt damit
enorm. |
Eine Erfahrungszahl - die natürlich nicht immer stimmen kann - ist: Nur
5% werden sich beschweren, d.h. pro formulierter Beschwerde hatten 20 Kunden dasselbe
Problem, aber sich nicht gewehrt.
Für die Handhabung von Beschwerden ist es vorteilhaft anzunehmen, dass die meisten
Menschen anständig und vernünftig reagieren und sich nicht über ungerechtfertigte
Beschwerden Vorteil verschaffen wollen.
Natürlich gibt es immer einige Oberschlaue, die eine großzügige Garantie
ungerechtfertigt ausnützen werden. Aber auch hier gilt der 5% Erfahrungswert: Nur jeder
20. wird das System ausnutzen.
Jeder der unzufrieden ist, hat das Bedürfnis seine Unzufriedenheit auch mitzuteilen,
im Durchschnitt wird er seinen Frust mit der Firma etwa 10 mal weitererzählen. Das heißt
die negative Propaganda einer formulierten Beschwerde ist mit dem Faktor 200 zu gewichten.
Deshalb ist jede Beschwerde ernst zu nehmen, sie muß beachtet werden und ziemlich sicher
ist es vernünftig darauf zu reagieren.
Wegen der großen Propagandawirkung lohnt es sich jetzt auch, den Problemkunden
nachzugeben. Außer sie werden unverschämt oder bewegen sich am Rande des Betrugs, dann
ist der Abbruch des Geschäftskontaktes sicherlich die bessere Alternative.
Aber Vorsicht: nicht zu sensibel dabei sein, vielleicht ist der Problemkunde von heute,
der gut zufriedengestellt wird, der treueste und beste Kunde von morgen. Denn diese
Problemmenschen haben wenige Freunde und einer von den Freunden zu sein, kann unbezahlbar
werden.
In jedem Fall ist zuviel Gleichmacherei - auch in diesem Fall - geschäftlich von
Nachteil. Individuelles und flexibles Handeln lohnt sich mehr. Gleichmacherei führt
nämlich nicht zu mehr Gerechtigkeit, die man eigentlich anstreben will, sondern dazu,
dass nicht jeder Kunde das bekommt, was er individuell eigentlich will.
Die beste Garantie lautet: entweder du bist zufrieden oder du bekommst dein Geld
zurück. Zu komplizierte und einschränkende Formulierungen stoßen ab. Ein exzellentes
Vorbild für diese Garantie ist Lands'End mit 'Guaranteed. Period.'
Nicht jeder wird sie in dieser Form auch geben können, aber diese Art der Garantie ist
eine gute Basis Kunden zu gewinnen und zu halten.
Bei Beschwerden ist es gut die Frage zu stellen: Was kann ich tun, um dich jetzt
dennoch zufrieden zu stellen? Oft ist dies weniger, als man extremerweise annehmen würde,
deshalb sollte man keine übertriebene Angst vor dieser Fragestellung haben. Nicht immer
wird man wirklich etwas zur Kompensation tun müssen, manchmal sind Menschen einfach schon
froh, wenn man ihnen zuhört.
In jedem Fall ist es klug, sich bei einer Beschwerde zu entschuldigen, egal ob man
persönlich für den Mißstand verantwortlich ist oder nicht, sich die Beschwerde
anzuhören und zu notieren, sich einen Vorschlag für die Lösung des Problems geben zu
lassen und rechtzeitig (nicht später als drei Wochen) das Problem mit einer Antwort
abzuschließen, möglichst natürlich zur Zufriedenheit des Kunden.